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«Recht auf Rückkehr» Bereits neun Tote bei Massenprotesten in Gaza

Legende: Video Palästinenser fordern Recht auf Rückkehr abspielen. Laufzeit 01:04 Minuten.
Aus Tagesschau vom 06.04.2018.
  • Die Zahl der bei den Protesten an der Grenze zu Israel getöteten Palästinenser ist am Samstag auf neun gestiegen.
  • Bei den Konfrontationen im Grenzbereich des Gazastreifens am Freitag wurden laut palästinensischen Behördenangaben zudem über 1300 Menschen verletzt.

Unter den Toten seien auch ein 16-Jähriger und ein palästinensischer Journalist, hiess es. Auch Frauen und Kinder seien verletzt worden. Rund 500 Menschen erlitten den Angaben der Gesundheitsbehörde zufolge Schussverletzungen, viele andere klagten über Beschwerden nach dem Einsatz von Tränengas. Auch unter den Verletzten sollen palästinensische Journalisten sein.

Insgesamt kamen seit Karfreitag beim schlimmsten Ausbruch der Gewalt seit 2014 mindestens 31 Palästinenser ums Leben, mehr als 2800 wurden verletzt. Israelische Soldaten schossen nach Armeeangaben gezielt auf palästinensische Rädelsführer. Viele der Getöteten waren nach israelischen Angaben militante Palästinenser.

Einfuhr von Autoreifen unterbinden

Nach Angaben der israelischen Armee waren am Freitag rund 20'000 Palästinenser an Protesten und Ausschreitungen entlang der Grenze beteiligt. Sie setzten an vielen Orten Autoreifen in Brand. Es habe zahlreiche Versuche gegeben, im Schutz der Rauchschwaden den Grenzzaun zu beschädigen und Sprengsätze zu legen, teilte die Armee mit.

Israel beschloss am Freitag, die Einfuhr von Autoreifen in das Palästinensergebiet zu unterbinden. Eine für Sonntag vorgesehene Lieferung sei gestrichen worden, sagte der zuständige Beamte im Gazastreifen.

Krebserregender Rauch

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Krebserregender Rauch
Legende:Reuters

Reifen enthalten Kautschuk, Metalle, Schwefelverbindungen und andere Stoffe, die beim Verbrennen gesundheitsschädliche Substanzen bilden. So entstünden etwa Feinstaub, Russpartikel und Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), sagt ein Experte. Viele PAK seien krebserregend. Der Feinstaub kann zudem andere Schadstoffe wie Schwefeldioxid mit in die Lunge transportieren, was dann Verätzungen hervorrufen kann – ähnlich wie beim Londoner Smog 1952.

Die Palästinenserproteste sollen noch bis Mitte Mai dauern. Israel feiert am 14. Mai den 70. Jahrestag seiner Staatsgründung. Am gleichen Tag soll die US-Botschaft auf Beschluss von US-Präsident Donald Trump nach Jerusalem umziehen.

Mehr als 700'000 Palästinenser waren im Zuge der israelischen Staatsgründung 1948 vertrieben worden. Sie fordern ein Rückkehrrecht auf ihr enteignetes Land.

Hamas will «Recht auf Rückkehr» einfordern

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Anlass der Proteste ist der 70. Jahrestag der Gründung Israels. Die Palästinenser sehen sie als Katastrophe an, weil 1948 Hunderttausende Palästinenser fliehen mussten oder vertrieben wurden. Sie pochen auf ein «Recht auf Rückkehr». Israel lehnt dies ab. Die Hamas hat vor einer Woche zum «Marsch der Rückkehr» aufgerufen.

Die Hamas wird von den USA, der EU und Israel als Terrororganisation eingestuft. Sie bestreitet das Existenzrecht Israels und fordert die gewaltsame Errichtung eines islamischen Palästinas vom Mittelmeer bis zum Jordan.

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51 Kommentare

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  • Kommentar von Annemarie Engler-Jakober (wöma)
    Audiatur online und NGO Monito haben u.Anderem die Quellen und Beträge welches Land wieviel Geld in den GAZA sendet. Da erfährt der Leser auch wieviel „Rente“ die Terroristen oder die Nachkommen der „Märtyrer“ erhalten wieviele Millionen Machmud Abbas für sich beiseite geschafft hat. Es ist ein perverser Machtkampf zwischen PA und Hamas auf Kosten der Gaza Bevölkerung,als Agressor muss Israel herhalten,welches mit der Räumung/Abgabe des Gaza 2005„Land f. Frieden“alles andere als Frieden erlebt
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  • Kommentar von Peter Imber (Wasserfall)
    Ich kann Meinungen und Ansichten beider Seiten verstehen - eine scheinbar unheilvoll und fast nicht mehr lösbare Situation. Aber die sukzessiv betriebenen Siedlungsbauten kann ich in keiner Weise akzeptieren. Sie sind einfach nur rechtswidrig. Soll mir keiner kommen mit geschichtlichen und religiösen Landrechten, die 2000 und mehr Jahre zurückreichen. Wenn wir so argumentieren, müssten Hunderte von Millionen von Menschen auf der ganzen Welt ihre Häuser und Gebiete heute verlassen...
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    1. Antwort von Friedrich Straubinger (Friedrich)
      "die 2000 und mehr Jahre zurückreichen" Die Zunahme der arabischen Bevölkerung geschah proportional mit der jüdischen Einwanderung, wobei Jerusalem um die Jahrhundertwende Juden mehr als die Hälfte der Bevölkerung stellten. Es wird immer so getan als ob dort vor 1947 nie Juden lebten, das stimmt nicht, sondern auch in den letzten 2000 Jahren waren Juden immer da, je nach Belagerung unter islamischer oder christlicher Herrschaft.
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    2. Antwort von S. Buso (Misotheist)
      Straubinger: und was hat das nun mit den illegalen Siedlungen zu tun?
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    3. Antwort von Friedrich Straubinger (Friedrich)
      Mein Kommentar bezog sich hinsichtlich der "angeblichen 2000Jahren Landrechten", denn selbst nach der römischen Vertreibung lebten nach wie vor Juden im Land. Im Übrigen sollte sie wissen das diese Stückchen seit 2000 Jahren im wieder unter Fremdherrschaft lag. Zu Letzt waren es die Briten! "illegale Siedlungen"? Nach den Osler Verträgen 1993 waren/sind die genehmigten Siedlungen nicht Illegal, als man das merkte wurde ganz schnell 2016 eine Resolution nachgeschoben um dieses zu bestätigen.
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    4. Antwort von Peter Imber (Wasserfall)
      Und darum sind nun alle Siedlungsbauten im heutigen Palästinensischen Gebiet legal?! Seltsame Rechtsauslegung. Bin übrigens nicht antijüdisch eingestellt. Sage das nur sicherheitshalber, weil man bei Kritik an Israel manchmal (nur von gewissen Kreisen) gleich in diese Ecke gestellt wird.
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    5. Antwort von S. Buso (Misotheist)
      Dass seit 1993 unzählige illegale Siedlungen errichtet wurden, scheint Ihnen wohl entgangen zu sein..
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    6. Antwort von Friedrich Straubinger (Friedrich)
      "Seltsame Rechtsauslegung" ? Die Illegalität begründet sich im Völkerrecht, das wiederum beruft sich auf die Genfer Konvention, in besagter Passage geht es um das Besetzen vom fremden Staatsterritorium, das aber einen Staat voraussetzt. Einem Palästinensischen Staat gibt es noch nicht und der Hintergrund der "Besetzung" war der 6 Tage Krieg, indem der annektierte Westjordan von Jordanien zurückerobert wurde. Zu dieser Zeit wurde die Staatsgründung von Seiten der Palästinenser abgelehnt.
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  • Kommentar von D. Schmidlin (Querenlife)
    Der Staat Israel kämpft dort wo er steht um seine Existenz und das ist für jeden Israeli selbstverständlich. Die Hamas hat da mit ihrem Gedankengut nicht den Hauch einer Chance. Die Hamas zerstört den Gaza in Raten und die arabische Welt wird da nur zuschauen.
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