- Erleichterung und Bangen nach der vorläufigen Rettung eines gestrandeten Wals an der deutschen Ostseeküste.
- Nach tagelangen Bemühungen zahlreicher Helfer hat sich der Buckelwal selbst von einer Sandbank durch eine Rinne freigeschwommen.
- Er war am Montagmorgen auf der Sandbank vor der Gemeinde Timmendorfer Strand entdeckt worden.
Der Wal sei auf Kurs hinaus aus der Lübecker Bucht, sagte Stephanie Gross vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW). Mehrere Stunden später wurde das Tier aber erneut vor Timmendorfer Strand gesichtet, bevor es sich wieder von der Küste entfernte.
Wal-Drama an der Ostsee
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Bild 1 von 8. Das erschöpfte Tier schwimmt in der Lübecker Bucht, nah an den Küsten der Ostsee. Bildquelle: Keystone/Marcus Brandt.
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Bild 2 von 8. Der Wal schwimmt nun wieder in der Ostsee und wird von Küstenwachschiffen und Polizeibooten begleitet. Bildquelle: Keystone/Marcus Brandt.
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Bild 3 von 8. Wal in Sicht! Am Donnerstagmorgen schwimmt das Tier in der Lübecker Bucht. Bildquelle: KEYSTONE/DPA/Marcus Brandt.
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Bild 4 von 8. Am Montag war der Buckelwal in der Lübecker Bucht aufgefunden worden. Nun scheint der Meeressäuger sich befreit zu haben. Bildquelle: IMAGO/Susanne Hübner.
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Bild 5 von 8. Gemäss dem Meeresbiologen Robert Marc Lehmann befindet sich der Meeressäuger in keinem guten Zustand. Die Haut sehe schlecht aus und er habe lange nichts mehr gegessen, sagte er der «Bild»-Zeitung. Bildquelle: IMAGO/Susanne Hübner.
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Bild 6 von 8. Mit einem Bagger hoben Retter am Donnerstag eine Rinne für den Wal aus. Bildquelle: IMAGO/Susanne Hübner.
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Bild 7 von 8. Voller Einsatz für den gestrandeten Buckelwal – auch in der Nacht. Bildquelle: KEYSTONE/DPA/Ulrich Perrey.
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Bild 8 von 8. Das Medieninteresse am gestrandeten Tier war gross. Bildquelle: KEYSTONE/DPA/Marcus Brandt.
Natur- und Umweltschützer versuchten, den Wal von einer Rückkehr ins flache Wasser abzuhalten. Die Organisationen Sea Shepherd und Greenpeace waren nach eigenen Angaben mit Schlauchbooten in der Lübecker Bucht unterwegs.
Der Wal sei zeitweise wieder auf dem Weg ins flachere Wasser gewesen, sagte ein Sprecher von Sea Shepherd. Mit den Schlauchbooten hätten die Organisationen eine Art Blockade hergestellt, damit er nicht wieder ins Flachwasser gerate. Man versuche, ihn weiter in tieferes Wasser der Ostsee zu geleiten.
Tier schwimmt im Zickzack hin und her
Nun sei wichtig, dass das Tier im offenen Wasser bleibe und möglichst in die Nordsee schwimme, erklärte der Biologe Robert Marc Lehmann. Noch sei der Wal nicht in Sicherheit. Seine Befreiung von der Sandbank sei bisher nicht seine Rettung, sondern nur ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Zu Hause sei er erst im Atlantik.
In einem Instagram-Video, auf dem er von Bord eines Schiffes aus zu sehen war, sagte Lehmann, der Grosswal mache «Sperenzchen – Zickzack hin und her». Man versuche, das völlig erschöpfte Tier in Richtung Fehmarn und an der Küste bei Neustadt vorbei zu manövrieren. Das Ziel sei Dänemark.
Die vorläufige Rettung löste bei allen Beteiligten grosse Freude aus. «Ich bin unglaublich erleichtert und sehr froh und zufrieden, wie der Einsatz abgelaufen ist», sagte der Bürgermeister von Timmendorfer Strand, Sven Partheil-Böhnke. Die bisherigen Kosten der Rettungsaktion schätzte er auf 40'000 Euro.
Das brauchen wir alle nach den schrecklichen Nachrichten der letzten Monate, nach Kriegen und Krisen. Eine gute Nachricht.
Das Schicksal des Wals hatte ganz Deutschland und auch das Ausland bewegt. Viele Menschen hatten die Rettungsaktion aus der Ferne vom Strand beobachtet und bei jedem Schritt mitgefiebert. Partheil-Böhnke sagte zu der Anteilnahme und dem erst einmal guten Ausgang: «Das, glaube ich, brauchen wir alle nach den schrecklichen Nachrichten der letzten Monate, nach Kriegen und Krisen. Das ist eine gute Nachricht, und alleine das ist schon ein Grund, sich zu freuen.»
Wal kämpfte sich durch gegrabene Rinne
Tagelang war versucht worden, das Tier zu befreien. So war etwa am Dienstag ein Rettungsversuch mit einem kleinen Saugbagger gescheitert. Am Donnerstag wurde mit einem Schwimmbagger eine Rinne ausgehoben. Biologe Lehmann stand dabei im Neoprenanzug neben dem Wal und versuchte, ihn zu beruhigen. Auch konnte er dem Baggerführer zeigen, wie weit oder nah seine Schaufel an den Wal herankam.
Die Helfer versuchten, den Wal am Abend auch mit Lärm zu animieren – durch Hupen, Trommeln und Rufen. Auch das Tier selbst gab immer wieder ein lautes Brummen von sich. Am Ende hätten am Abend nur noch wenige Meter bis ins tiefere Wasser gefehlt, sagte Bürgermeister Partheil-Böhnke, als die Aktion wegen der Dunkelheit abgebrochen wurde. Am Morgen hatte es der Wal dann aber geschafft und sich befreit.