- Die EU und Indien haben sich auf ein Freihandelsabkommen geeinigt.
- Beide Seiten bestätigen, dass die Verhandlungen abgeschlossen sind.
- Bis das Abkommen unterschrieben ist, dürfte es noch dauern.
Durch den Abbau von Handelsbarrieren und Zöllen soll der Austausch von Waren und Dienstleistungen zwischen der EU und Indien angekurbelt werden. Ziel ist es, Wachstum und Arbeitsplätze zu fördern und zugleich unerwünschte Abhängigkeiten von anderen Staaten zu reduzieren.
Die EU und Indien schreiben heute Geschichte.
Vor dem Hintergrund der aggressiven Zoll- und Handelspolitik der USA und dem zunehmenden Machtstreben Chinas gilt das Abkommen zudem auch als geopolitisch bedeutsamer Schritt.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sagte: «Die EU und Indien schreiben heute Geschichte und vertiefen die Partnerschaft zwischen den grössten Demokratien der Welt.» Man schaffe eine Freihandelszone mit zwei Milliarden Menschen, von der beide Seiten wirtschaftlich profitieren würden. Indiens Premierminister Narendra Modi sprach von der «Mutter aller Deals».
Abkommen gross, aber kleiner als jenes mit Mercosur-Staaten
Das Abkommen wird zwar nicht so umfassend sein wie jenes, das die EU zuletzt mit den Mercosur-Staaten Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay unterzeichnet hat. Angesichts der Grösse des indischen Marktes ist es dennoch eines der grössten, die bislang vereinbart wurden.
Indien ist noch vor China mit mehr als 1.45 Milliarden Einwohnern das bevölkerungsreichste Land der Welt. In der EU leben rund 450 Millionen Menschen. Gemeinsam repräsentieren beide Seiten nahezu ein Viertel des weltweiten BIP und der Weltbevölkerung.
Autobauer können auf Zollabbau hoffen
Angaben der EU zufolge könnte von dem Abkommen insbesondere die deutsche Autoindustrie profitieren, da Indien den Import von Fahrzeugen aus der EU bislang mit Zöllen von bis zu 110 Prozent belastet. Diese sollen nun zumindest für 250'000 Fahrzeuge pro Jahr schrittweise auf 10 Prozent gesenkt werden, während sie für Autoteile nach fünf bis zehn Jahren vollständig abgeschafft werden. Auch Zölle von bis zu 44 Prozent auf Maschinen, 22 Prozent auf Chemikalien und 11 Prozent auf Pharmazeutika würden weitgehend beseitigt, heisst es.
Ähnliche Proteste wie beim Mercosur-Abkommen sind nicht zu erwarten, da das Abkommen für hiesige Landwirte sensible Bereiche nicht einbeziehen soll. «Empfindliche europäische Agrarsektoren werden vollständig geschützt, da Produkte wie Rindfleisch, Geflügelfleisch, Reis und Zucker von der Liberalisierung im Rahmen des Abkommens ausgenommen sind», teilte die EU-Kommission mit. Alle indischen Einfuhren müssten zudem weiterhin die strengen Gesundheits- und Lebensmittelsicherheitsvorschriften der EU einhalten.
Zugleich betont die EU, dass sich für europäische Landwirte neue Chancen in Indien eröffnen. Demnach werden etwa indische Zölle auf Wein bei Inkrafttreten des Abkommens auf 75 Prozent gesenkt und später dann auf bis zu 20 Prozent reduziert.
Wir entscheiden uns für fairen Handel statt für Zölle. Für Partnerschaft statt Isolation.
Als äusserst relevant wird das Abkommen zudem auch angesehen, weil die Handelsbeziehungen zu den USA wegen der Zollpolitik von Trump zuletzt unberechenbar geworden sind. Von der Leyen sagte letzte Woche: «Wir entscheiden uns für fairen Handel statt für Zölle. Für Partnerschaft statt Isolation.»
Bis zur Unterzeichnung des Abkommens dürfte noch eine Weile vergehen. Grund ist, dass der Vertragstext noch rechtlich überprüft, übersetzt und von den Mitgliedstaaten und dem Europäischen Parlament gebilligt werden muss.