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Rückgabe von Gebeinen an USA «Es wird mehrere Monate dauern, die Überreste zu identifizieren»

Legende: Audio Martin Aldrovandi: «Nordkorea will nicht alle Karten auf einmal ausspielen» abspielen. Laufzeit 02:34 Minuten.
02:34 min, aus HeuteMorgen vom 27.07.2018.

Bei ihrem Treffen im Juni haben sich US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un darauf geeinigt, dass Nordkorea die sterblichen Überreste von US-Soldaten an die USA übergeben soll. Es geht um Soldaten, die im Koreakrieg in den 1950er-Jahren starben. Nun hat Nordkorea sein Versprechen zumindest teilweise eingelöst. Ein Tauwetter herrscht zwischen den zwei Staaten aber noch nicht, wie SRF-Korrespondent Martin Aldrovandi sagt.

Martin Aldrovandi

Martin Aldrovandi

Nordostasien-Korrespondent, SRF

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Martin Aldrovandi ist seit 2016 Korrespondent für Radio SRF in Nordostasien mit Sitz in Schanghai. Zuvor hatte er mehrere Jahre lang als freier Journalist aus dem chinesischsprachigen Raum berichtet.

SRF News: Was hat Nordkorea den USA genau übergeben?

Martin Aldrovandi: Es sind die Überreste von rund 55 US-Soldaten. Sie wurden auf eine amerikanische Militärbasis in Südkorea geflogen und sollen von dort weiter in die USA. Noch ist aber nicht klar, was in den Särgen alles drin ist. In der Vergangenheit gab es Vorwürfe, dass Nordkorea den USA früher bloss Tierknochen übergeben habe. Auch wenn es menschliche Knochen sind, stellt sich die Frage, ob es sich wirklich um die fraglichen US-Soldaten handelt. Es könnte auch derselbe Mensch auf verschiedene Särge verteilt sein. Es wird mehrere Monate dauern, die Überreste zu identifizieren.

Nordkorea wollte die Überreste von 200 US-Soldaten übergeben. Warum sind es jetzt nur 55?

Da kann man nur spekulieren. Nordkorea will wohl nicht alle seine Karten auf einmal ausspielen. Seit dem Gipfeltreffen im Juni hat man sich Zeit gelassen und die Übergabe herausgezögert. Das Land will noch Gebeine behalten, damit es in weiteren Verhandlungen den USA weiterhin entgegenkommen kann.

Herrscht jetzt Tauwetter zwischen den USA und Nordkorea?

Leider ist es dafür noch zu früh. Die Rückgabe der Gebeine ist die einfachste Abmachung, die man im Juni beim historischen Gipfeltreffen getroffen hat. Daneben gibt es aber noch die ganze Atomfrage und die Abrüstung – da ist man überhaupt nicht weiter. Auch bei den Sanktionen, welche die USA nicht aufgeben wollen, gibt es keine Bewegung.

Bei der Abrüstung und den Sanktionen ist man überhaupt nicht weiter.

Das sind die wirklich kniffligen Fragen. Natürlich sind die Überreste sehr wichtig für die betroffenen Familien in den USA. Aber das ist im Verhältnis zu diesen anderen schwierigen Fragen wirklich die einfachste Aufgabe.

Das Gespräch führte Roger Aebli.

5300 US-Soldaten in Nordkorea vermisst

  • Im Koreakrieg kamen über 35'000 US-Soldaten ums Leben.
  • Das US-Verteidigungsministerium spricht von 5300 US-Soldaten, die auf nordkoreanischem Territorium als vermisst gelten.
  • Bereits zwischen 1990 und 2005 wurden gemäss amerikanischen Angaben Gebeine von 340 gefallenen US-Soldaten repatriiert.
  • In dieser Zeit gab es 33 Suchaktionen nach Leichenüberresten – gemeinsam von den USA und Nordkorea durchgeführt.

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12 Kommentare

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  • Kommentar von Alex Volkart (Lex18)
    Eine wirkliche Geste von Nordkorea wäre sämtliche toten und noch lebenden Geisseln frei zulassen. Wie kann man nur Gebeine vorläufig behalten. Das klingt wie aus einem schlechten Horrorfilm geklaut.
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  • Kommentar von Hans Haller (panasawan)
    Kann das wirklich so gemeint sein? Stimmt das wirklich? - "Das Land will noch Gebeine behalten, damit es in weiteren Verhandlungen den USA weiterhin entgegenkommen kann." Ist Nordkorea bzw. Kim Jong Un wirklich auf so tiefes Niveau gefallen und macht aus den Gebeinen eine derartige Verhandlungssache? - Das wirkt auf mich sehr peinlich, abstossend und sehr primitiv. Das kann ja wohl nicht wahr sein, oder doch ?
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    1. Antwort von Albert Planta (Plal)
      Bilaterale Beziehungen sind ein Geben und Nehmen. Man wirft in die Waagschale was man hat.
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    2. Antwort von Hans Haller (panasawan)
      Also wenn man mit den Gebeinen von Toten schachern muss oder schachern will, ist man wirklich sehr tief gefallen. Das man dem da auch noch zustimmt zeugt lediglich von einem sehr primitiven Veranlagung.
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    3. Antwort von Christa Wüstner (Saleve2)
      Lasst sie ruhen, dort wo sie verstorben sind.
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    4. Antwort von Hans Haller (panasawan)
      Frau Wüstner, es gibt viele Menschen, die an einem bestimmten Ort zur letzten Ruhe gebettet werden möchten. Das sollte man eigentlich immer respektieren. Gerade hier im asiatischen Raum kommt dem sogar eine sehr grosse Bedeutung zu, die viele Europäer so wie es praktiziert wird, nicht verstehen. Die Schachereien um Gebeine von Gefallenen ist nun wirklich sehr anrüchig um nicht zu sagen sogar sehr primitives Niveau.
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    5. Antwort von Alexander Ognjenovic (Alex)
      Was haben die US-Amerikaner in Korea überhaupt zu suchen gehabt?? Dass die US-Amerikaner überhaupt mit Militär nach Korea gegangen sind ist ein Kriegsverbrechen! Wenn hier jemand auf tiefes Niveau gefallen ist, dann eindeutig die USA und nicht Korea! Denn Korea ist nicht in die USA einmarschiert, aber die USA ist in Korea einmarschiert! Zuerst denken dann schreiben Herr "Hans Haller"!
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    6. Antwort von Christa Wüstner (Saleve2)
      Ich respektiere das auch und kann es verstehen HerrHaller, aber nach so vielen Jahren sind kaum noch nahe Angehörig da. Und ausserdem sind es bestimmt nur noch einzelne Teile (schrecklich so etwas überhaupt zu schreiben) und dann beginnen die Auseinandersetzungen. Das empfinde ich genau so pietätlos
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  • Kommentar von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
    Die Symbolik der Rückgabe an Gebeinen ist enorm hoch. Das mag vielleicht für ein paar abgedroschene, ewig-Trump-Bashende und wenig religiöse SRF-Journalisten komisch klingen, wer jedoch die USA wirklich kennt, der weiss, dass hiermit enorm viele Emotionen verbunden sind und das unter Umständen wichtiger ist, als jeder "Atomdeal" (einen Krieg würden die USA ja eh gewinnen). Bei den Deutschen, den Russen und den Schweizern ist das Menschenleben nichts wert, in den USA hingegen schon!
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    1. Antwort von James Klausner (Harder11)
      Kann es sein, dass Sie da ein wenig der Hollywood-Romantik erliegen? Sobald es ausserhalb des Scheinwerferlichtes um die Versorgung von lebenden Kriegsveteranen geht, wird es eher schäbig und der Glamour ist weg. Lassen Sie sich nicht von solchen Propaganda-Zeremonien den Blick auf die Tatsachen verstellen. Wenn Sie schon von Trump sprechen: Machen Sie sich mal kundig, was sich die "Trump-Veteranenstiftung" so für Sachen geleistet hat.
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    2. Antwort von Albert Planta (Plal)
      Vor allem in Nordkorea schein ein Menschenleben nicht allzu viel wert zu sein:-(
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    3. Antwort von Hans Haller (panasawan)
      Herr Ducrey also diesen letzten Satz im Blog da, kann man nun wirklich in den falschen Hals bekommen. Finden Sie nicht auch, dass es reichlich deplatziert ist?
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