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Rückkehr der Rohingya In Burma wartet verbrannte Erde

An eine Rückkehr der hunderttausenden Vertriebenen sei derzeit nicht zu denken, sagt SRF-Korrespondentin Karin Wenger.

Legende: Audio Karin Wenger: «Eine Rückkehr der Rohingya ist unrealistisch» abspielen. Laufzeit 06:00 Minuten.
06:00 min, aus SRF 4 News aktuell vom 31.10.2018.

Exodus aus Burma: Im Sommer 2017 flüchteten über 700'000 Rohingya vor der burmesischen Armee, die marodierend durch die Heimatgebiete der muslimischen Minderheit zog. Es kam zu Morden, Massenvergewaltigungen und Folter. Die Bilder von niedergebrannten Dörfern und Menschen-Karawanen, die ins benachbarte Bangladesch flüchteten, gingen um die Welt. Eine UNO-Kommission wertete die Übergriffe Ende August als Völkermord.

Karte
Legende: SRF

UNO warnt vor Rückführung: Im bitterarmen Bangladesch leben viele der Flüchtlinge unter prekären Bedingungen. Nun, über ein Jahr nach der Vertreibung, haben Burma und Bangladesch vereinbart, Mitte November mit der Rückführung der Rohingya zu beginnen. Das klingt versöhnlich. Doch das UNHCR, das Flüchtlingshilfswerk der UNO, warnt: Dafür sei es noch zu früh, die Lage in Burma liesse eine Rückkehr nicht zu.

Rohingya auf der Flucht nach Bangladesch.
Legende: Der UNO-Sicherheitsrat ist gespalten in der Rohingya-Frage: Burmas Alliierter China droht damit, sein Veto gegen eine strafrechtliche Aufarbeitung einzulegen. Keystone/Archiv

Das Grundproblem bleibt ungelöst: SRF-Südostasien-Korrespondentin Karin Wenger berichtet seit Jahren über das Schicksal der Rohingya. Sie erklärt, warum eine Rückführung derzeit tatsächlich verfrüht wäre: Zunächst hätten die Rohingya ihre Zustimmung zur Rückführung gar nicht geben. Und: Das Grundproblem, dass die Rohingya staatenlos sind, sei weiter nicht gelöst. Denn Burma ist nach wie vor nicht bereit, die muslimische Minderheit als Staatsangehörige anzuerkennen.

Cox's Bazar
Legende: Über 700'000 Rohingya halten sich zurzeit in Bangladesch auf. Das Flüchtlingslager im Hinterland von Cox's Bazar ist eines der grössten der Welt. Keystone

Zerstörte Heimat: Der burmesische Unterhändler sagte, es seien «Massnahmen» getroffen worden, um eine sichere Rückkehr der Rohingya zu gewährleisten. «Es ist aber nur bekannt, dass Burma die Rohingya in ‹Transitlager› bringen möchte», berichtet Wenger. Über die dortigen Zustände sei genauso wenig bekannt wie über die Dauer des Aufenthalts: «Man weiss aber, dass viele der Rohingya-Dörfer plattgewalzt wurden. An einigen Orten wurden bereits Militärbasen gebaut oder andere Menschen angesiedelt.»

Flüchtlinge greifen nach Nahrungsmitteln, die verteilt werden.
Legende: In Bangladesch leben die Rohingya unter prekären Bedingungen. Dort sind sie aber zumindest sicher: «Das kann ihnen in Burma nicht garantiert werden», sagt SRF-Korrespondentin Wenger. Keystone

Rückführung bleibt Lippenbekenntnis: Vor wenigen Tagen kam ein UNO-Bericht zum Schluss, der Völkermord an den Rohingya gehe weiter. Die Bereitschaft Burmas, die hunderttausenden Flüchtlinge zurückzunehmen und ihnen ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen, scheint zweifelhaft. In Bangladesch wiederum sind die Pläne für eine Rückführung Lippenbekenntnisse: «Es handelt sich um innenpolitisches Kalkül», sagt Wenger. In Bangladesch finden Ende Jahr Wahlen statt. Mit der Ankündigung betreibe die dortige Premierministerin Wahlkampf.

Insel Bashan Char, Soldaten patroullieren
Legende: Beleg für die unausgegorenen Rückführungspläne: Bangladesch hat auf der unbewohnten Insel Bashan Char ein Lager für 100'000 Menschen gebaut. Menschenrechtler kritisieren, die Insel sei ständig Überschwemmungen und Stürmen ausgesetzt. Reuters
Karin Wenger

Karin Wenger

Südostasien-Korrespondentin, SRF

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Karin Wenger ist seit Frühling 2016 Südostasien-Korrespondentin von SRF in Bangkok. Sie berichtet über Indonesien, Malaysia, Philippinen, Thailand, Burma, Vietnam und weitere südostasiatische Länder. Wenger lebte zuvor sechs Jahre lang in der indischen Hauptstadt Neu Delhi. Früher berichtete sie als freie Journalistin aus dem Nahen Osten.

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23 Kommentare

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  • Kommentar von Kerzenmacher Boris (zombie1969)
    Die muslimischen Rohingyas sollten am besten in Bangladesch bleiben. Nach Myanmar wollen sie bestimmt nicht mehr, und die friedlichen Menschen in Myanmar wollen die aggressiven Rohingyas erst Recht nicht wieder zurück haben. Die von den muslimischen Rohingyas seit Jahren misshandelten buddhistischen Zivilisten in Myanmar sind sicher sehr dankbar dafür wenn die Rohingyas in Bangladesch bleiben.
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    1. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      "und die friedlichen Menschen in Myanmar wollen die aggressiven Rohingyas erst Recht nicht wieder zurück haben" Was hier stattfindet ist Völkermord. Und wie das Wort Völkermord sagt ist das mit nichten friedlich. Das Abbrennen ganzer Dörfer, inklusive der ganzen Menschen drin, das Morden und serienmässige Vergewaltigen hat mit "friedlich" sicher nichts zu tun. Muslime und Budhisten sind vor allem eines: Menschen.
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    2. Antwort von Dölf Meier (Meier Dölf)
      Hans-Peter Müller, Du sollst nicht töten ist Gottes Gebot und wird hauptsächlich von Muslimen missachtet. Öffnen wir der UNO zuliebe unsere Grenzen, so haben wir zusätzliche Probleme.
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    3. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      Herr Meier, was in der Bibel steht ist im Zusammenhang mit dieser Geschichte unerheblich. Hier findet ein Völkermord statt. Und das ist zu verurteilen, egal ob die Opfer Muslime, Christen oder Budhisten sind. Es sind Menschen. Die Bibel unterscheidet da auch nicht.
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  • Kommentar von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
    Es gab nach der DDR-Wende zweierlei Sorten von Menschen: Diejenigen, die gejammert und auf staatliche Hilfe gewartet haben und jene, die anpackten und zumindest ihrem Haus einen neuen Anstrich verpassten. Erstere leben heute von Hartz-IV, letztere führen heute als gemachte Millionäre ein gutes Leben. Deshalb: Wer anpackt wird es auch auf verbrannter Erde zu etwas bringen. Einfach ist das nicht, aber rumsitzen und warten auf Schweizer-Tränendrüsen-Sozialindustrie-Hilfe ist massiv schlechter.
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    1. Antwort von Bernd Steimann (Bernd Steimann)
      Herr Ducrey, es ist Ihnen wohl selbst klar, dass Ihr Vergleich zwischen dem Ende der DDR und dem Genozid an den Rohingya völlig verfehlt ist. Hätten Sie selbst Massaker, Vergewaltigung und Vertreibung überlebt und lebten nun in einem schmutzigen Lager ohne Hab und Gut, wären Sie wohl für jede Hilfe dankbar. Beste Grüsse aus Myanmar.
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    2. Antwort von Benjamin Berger (bergerb4)
      Allein der Glaube, die Lage in Cox’s Bazar sei mit der deutschen Wiedervereinigung zu vergleichen, unterstreicht wie wenig wir über die Zustände im grössten Flüchtlingslager der Welt wissen. Die humanitäre Lage ist katastrophal, es fehlt an richtigen sanitären Anlagen, Schulen und Unterkünften. Zudem ist der Menschenhandel ein enormes Problem, es gibt zahlreich Berichte von Kindern die spurlos verschwinden und wohl über die Grenzen nach Indien oder China verfrachtet werden.
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    3. Antwort von Benjamin Berger (bergerb4)
      Noch eine Anmerkung, um ihrem unbedachten Beitrag auch die letzte Kraft zu nehmen; die Regierung von Bangladesch verbietet generell den Handel zwischen dem Flüchtlingslager und der Aussenwelt. Selbst wenn eine Familie das Geld und die Lust hätte, ihre Wellblechhütte anzumalen – ihnen würde wohl die Farbe und der Pinsel fehlen!
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    4. Antwort von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
      @Steimann: Meine Familie hat (dank den Deutschen) solcherlei erlebt, ich selbst bin in bitterarmen Verhältnissen aufgewachsen, wo regelrecht gehungert wurde. Also ich weiss, wovon ich spreche, wenn es darum geht, durchzustehen, anzupacken und mit absolut Nichts in der Hand etwas zu bewirken. Ich habe aus beruflichen Gründen lange Zeit in Asien, Afrika und Nordamerika gelebt und mit vielen Menschen zu tun gehabt, denen es ähnlich ging wie mir. Fakt ist: Fremde Hilfe macht bequem und abhängig!
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    5. Antwort von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
      @Berger: Beispiel Max Havelaar. Dank dem Trend zum "Fair-sein" fahren die netten Fair-Trade-Ladies aus Zürich nun schicke Mercedes, da das Geld von Migros, Coop etc. in Strömen fliesst. Der kleine Farmer hat zwar etwas, aber nicht wirklich viel davon und er ist an Zwänge gebunden (bsp: CO2-Gugus), die er nicht hätte, hätte er sich ohne fremde Hilfe nach oben gearbeitet. Nicht dass Entwicklungshilfe schlecht ist, aber Selbsthilfe ist wirtschaftlich nun mal wesentlich nachhaltiger.
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    6. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      @ Ducrey: Es ist schon fast unerträglich, dass Sie die friedlichen Ereignisse in einem Rechtsstaat mit dem Völkermord in Myanmar gleichsetzen. Klar muss jeder Einzelne wieder selber auf die Füsse kommen. Aber diese Menschen sind primär an Leib und Leben bedroht und jetzt in einem Camp ohne Einkommensmöglichkeiten und ohne Möglichkeit einer Weiterreise an einen besseren Ort. Das hat weder für die Menschen in den neuen Bundesländern noch für Ihre Familie zugetroffen, geschweige denn für Sie.
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    7. Antwort von Christa Wüstner (Saleve2)
      Das sind doch keine Menschen die aktiv im Berufsleben ihr eigenes Leben finanzieren können. Sie leben von fast nichts, hatten kleine Gärtli und Kleinvieh. Tauschgeschäfte untereinander. Von offiziellen Märkten wurden sie auch vertrieben. Ich habe die Dörfer auf einer Reise gesehen. Also bitte keinen Vergleich mit irgend welchen Menschen aus westl.Ländern, wie der ehemaligen DDR.
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  • Kommentar von Christa Wüstner (Saleve2)
    Einfach unvorstellbar, wie mit diesen Menschen umgegangen wird. Und die UNO bringt es nur zu einem Bericht, der Völkermord würde weiter gehen. Die Burmesen zwingen, die abgebrannten Dörfer wieder aufzubauen. Es waren ja nur Hütten, aber ihre Heimat. Und das Ganze unter der Aufsicht der UNO. Und hier wären Sanktionen gegenüber Burmas wirklich angesagt.
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    1. Antwort von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
      @Wüstner: Burma würde durch Sanktionen nichts verlieren, weil man sich ja Jahrzehntelang eh abgeschottet und sämtliche Veränderungen militärisch niedergeschlagen hat. Ein solches Land braucht Zeit (mindestens eine bis zwei Generationen), um aus einer Depression herauszukommen. Politisch/Religiös motivierte Verfolgungen, Staatstreiche etc. gehören zum "normalen" Veränderungsprozess. Siehe Geschichte Frankreichs ab 1789.
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    2. Antwort von Christa Wüstner (Saleve2)
      Buddhismus ist in dem Sinn keine Religion sondern eine Philosophie, die vor allem Gewalt ablehnt. Aber in Burma haben sie die angeblich sehr angriffigen Rohingyas mit vertrieben . Ihre Dörfer abgebrannt. Ein Volksstamm den keiner will, das ist das traurige Ergebnis.
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