Zum Inhalt springen

Header

Navigation

Legende: Audio Botschafter-Eklat: Der wahre Skandal ist das politische Hickhack. abspielen. Laufzeit 03:07 Minuten.
Aus Info 3 vom 10.07.2019.
Inhalt

Rücktritt des Botschafters Ein Bauernopfer im Ringen um den Brexit

Zwischen London und Washington kommt es zum Zerwürfnis. Doch der eigentliche Schaden trifft die britische Innenpolitik.

Der britische Botschafter, Sir Kim Darroch, hatte die Trump-Regierung in vertraulichen Depeschen als unfähig und untauglich bezeichnet. Präsident Donald Trump nannte Darroch daraufhin «verschroben», «dumm» und einen «eingebildeten Narren». Gemeinsame Termine wurden bereits abgesagt.

Trump kritisiert den Botschafter

Am Dienstagabend, anlässlich der wohl einzigen direkten Debatte zwischen den beiden konservativen Anwärtern auf das Premierministeramt, hatte sich Aussenminister Jeremy Hunt vorbehaltlos hinter den Botschafter gestellt.

Britische Werte laut May unter Beschuss

Sein Vorgänger, Boris Johnson, unterstrich dagegen seine guten Beziehungen zum Weissen Haus. Die noch immer amtierende Premierministerin Theresa May rügte ihren mutmasslichen Nachfolger heute im Unterhaus dafür.

Das Unterhaus möge bedenken, wie wichtig die Verteidigung britischer Werte und Prinzipien sei, namentlich wenn sie unter Beschuss gerieten, so May.

Johnson und Hunt in TV-Debatte
Legende: Johnson (l.) und Hunt, hier bei einer TV-Debatte, konkurrieren um den Premierministerposten. Keystone

Tom Tugendhat, konservativer Vorsitzender des aussenpolitischen Ausschusses, kritisierte Johnson ebenfalls indirekt: Wer Leute wie Darroch nicht unterstütze, entwerte den Botschafterposten, damit verliere man an Einfluss und schwäche Grossbritannien. Der Seitenhieb galt damit just dem Mann, der mit dem Brexit die britische Souveränität neu beleben will.

Den Botschafter unter den Bus geworfen

Alan Duncan, amtierender konservativer Staatsminister im britischen Aussenministerium, nahm auch kein Blatt vor den Mund: Johnson, der frühere Aussenminister, der hoffe, Premierminister zu werden, habe soeben den höchsten britischen Diplomaten unter den Bus geworfen – also geopfert.

Kim Darroch
Legende: Die Umzugswagen sind bestellt: Der Botschafter, Sir Kim Darroch, zieht zurück nach London. Keystone

Johnson selbst konzentrierte sich heute auf jene Person, die – aus scheinbar böswilligen Motiven – die Depeschen an eine in den Kreisen rabiater Brexiteers gut vernetzte Journalistin weitergegeben hatte: Er hoffe, dass der oder die Schuldige «gejagt, geschnappt und ausgeweidet» werde.

Schmeichelt sich Johnson bei Trump ein?

Duncan, sein Parteikollege und früherer Amtskollege im Aussenministerium, kommentierte diese Bemerkung im BBC-Studio trocken und lakonisch mit «verlogenes Gewäsch». Der gravierende Vorwurf an den vermutlich nächsten Premierminister lautet also, dass er die Integrität und Unparteilichkeit der britischen Diplomatie geopfert habe, um sich bei Trump einzuschmeicheln.

Der Austritt aus der EU bedroht – nicht zum ersten Mal – die Eckpfeiler des britischen Gemeinwesens und der politischen Kultur.

Schliessen

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

8 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Max Wyss  (Pdfguru)
    Das grösste Problem für Grossbritannien ist das Verhalten von Herrn Johnson. Mit seinen Aussagen hat er nämlich klar gemacht, dass er sich um die Beamten (z.B. Botschafter) einen Dreck kümmert. Die Folge davon ist, dass damit zu rechnen ist, dass gerade die kompetenten Spitzenbeamten (z.B. Botschafter) aufgeben und entweder sich pensionieren lassen, oder irgendwo in der Privatwirtschaft eine neue Aufgabe suchen.

    Und das ist, insbesondere bei einem Brexit, verheerend für Grossbritannien!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Junior Cruz  (Junior Cruz)
    Was Sir Kim Darroch über Donald Trump gesagt hat, war ja nichts neues. Das haben vor ihm schon einige gesagt und alle hatten recht! Die Weltsituation ist heute eine komplett andere als noch vor Amtseintritt von D. Trump! Ob die Welt besser geworden ist? Mit Sanktion und Strafzölle wohl eher nicht, mit Flugzeugträger, Zerstörer und Bomber vor Iran, noch weniger. Das sich Johnson und May bei Trump einschmeicheln, dafür braucht es keine Kristallkugel um das zu erkennen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Klaus Kreuter  (KallePalle)
    Man sollte sich da keinen Illusionen hingegeben. JOHNSON hat genügend Lakaien in London die dafür gesorgt haben dass die "vertrauliche" Depesche an die Medien gelangt ist. Da sorgt einer vor.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen