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Kardinal Angelo Becciu ist in einen Immobilienskandal verwickelt
Aus HeuteMorgen vom 25.09.2020.
abspielen. Laufzeit 01:29 Minuten.
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Rücktritt eines Kardinals Ungewöhnlicher Rückzug im Vatikan: Kardinal Becciu tritt ab

  • Im Vatikan sind Kardinal Giovanni Angelo Becciu die Kardinalsrechte aberkannt worden.
  • Warum, gab der Vatikan in einer knapp gehaltenen Mitteilung nicht bekannt.
  • Laut Medienberichten war Becciu in einen Finanzskandal des Vatikans verwickelt. Dabei ging es um eine Immobilien-Investition in London.
  • Becciu war Präfekt jener Kongregation, die entscheidet, wer in der römisch-katholischen Kirche heiliggesprochen wird.

Es handelt sich um einen aussergewöhnlichen Schritt des Vatikans – in der Regel ist eine Entlassung oder zumindest eine Aberkennung der Rechte aus dem Kardinalsstand innerkirchlich nicht vorgesehen. Zu seinem Rückzug befragt, sagte der ehemalige Kirchendiplomat der italienischen Nachrichtenagentur Adnkronos nur: «Ich ziehe es vor, zu schweigen.»

Hat Becciu Gelder des Vatikans veruntreut?

Die Mitteilung des Vatikans gibt zu den Gründen keine Anhaltspunkte. Wie SRF-Italien-Korrespondent Franco Battel sagt, spekulieren die italienischen Medien dafür umso mehr. Becciu soll in seiner früheren Tätigkeit als die Nummer 2 im vatikanischen Staatssekretariat mit Geldern spekuliert haben. Die Rede ist in den Medien immer wieder von einer Luxusimmobilie in London und Ölgeschäften.

Weiter soll Becciu auch die Geschäfte von Familienmitgliedern auf Sardinien finanziell unterstützt haben. Dabei sollen Spendengelder an den Vatikan zum Einsatz gekommen sein. Diese Vorwürfe in den italienischen Medien werden zurzeit jedoch weder vom Vatikan noch Becciu selber bestätigt.

Ermittlungen des Vatikans

In einer früheren Tätigkeit im Staatssekretariat, der zentralen Bürokratie des Vatikans, beaufsichtigte Becciu das umstrittene Immobiliengeschäft. Die Staatsanwälte des Vatikans untersuchen es seit einiger Zeit. Im Juni nahmen Ermittler Gianluigi Torzi, einen in London ansässigen italienischen Finanzier, fest.

Er hatte den Berichten zufolge als Mittelsmann fungiert, als der Vatikan versuchte, die volle Kontrolle über das Objekt zu erlangen. Torzi, der jegliches Fehlverhalten bestreitet, wurde der Erpressung, Veruntreuung, des schweren Betrugs und der Geldwäsche beschuldigt. Nach einigen Tagen kam er gegen Kaution frei.

«Es ist eine ausserordentliche Bestrafung»

Angelo Becciu bleibt nun offenbar zwar Kardinal – verliert jedoch die Kardinalsrechte. Laut Franco Battel bedeutet dies beispielsweise, dass er in einer allfälligen Konklave kein Stimmrecht hätte, also den nächsten Papst nicht mitbestimmen könnte. Das sei nicht nur ungewöhnlich, so Franco Battel: «Es ist eine ausserordentliche Bestrafung, die auf schwere Vergehen schliessen lässt.»

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Der Vatikan hat den Rücktritt von Angelo Becciu nicht begründet.
04:33 min, aus SRF 4 News aktuell vom 25.09.2020.
abspielen. Laufzeit 04:33 Minuten.

Becciu war von Papst Franziskus zum Kardinal berufen worden. Als die Vorwürfe auftauchten, hielt Franziskus zunächst seine schützende Hand über den Kardinal. Laut Franco SRF-Korrespondent Franco Battel ist es nicht das erste Mal, dass Papst Franziskus keine glückliche Hand bei der Ernennung eines Kardinals bewies. Beim ebenfalls von ihm ernannten Australier George Pell waren Missbrauchsvorwürfe aufgetaucht.

SRF 4 News, 24.09.2020 / 06:00 Uhr;

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13 Kommentare

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  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Deutschland: Laut einer Studie zu Missbrauch in der katholischen Kirche wurden von 1946 bis 2014 mindestens 3677 Minderjährige Opfer sexueller Gewalt von mindestens 1670 Klerikern. Die Dunkelziffer dürfte hoch sein, Experten sprechen von bis zu 100.000 Betroffenen. Vier Prozent aller aktiven Priester in Deutschland waren oder sind Missbrauchs-Täter. Tausende Heranwachsende, zumeist noch Kinder, wurden Opfer. Das könnten zigtausende einzelne Übergriffe sein. Das ist mehr als bedrückend.
    1. Antwort von Ihr Kommentar (SRF)
      @Alois Keller
      Guten Tag Alois, in Zukunft bitte die Studie auch zitieren. Diesmal tun wir es gerne für Sie: https://www.dbk.de/fileadmin/redaktion/diverse_downloads/dossiers_2018/MHG-Studie-gesamt.pdf
      Liebe Grüsse, SRF-News Redaktion.
  • Kommentar von Frédéric Weil  (Derrick)
    Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass man nicht immer hinter die Kulissen von Menschen sehen kann. Wie viel kriminelle Energie jemand hat zeigt sich meist erst, wenn diese zu Tage tritt. Im Vatikan herrschen auch nur Menschen.
  • Kommentar von Matthias Rey  (matthiasrey)
    Ja ja, jetzt haben alle, die von der Kirche nichts halten, wieder einen Grund mehr, sich selbst in ihrer Haltung zu bestätigen und ihr Gewissen zu beruhigen. Sie können am Sonntag ausschlafen, müssen für die Armen nichts spenden und können sich sogar die Kirchensteuern sparen. Doch werden sie einmal genau so nackt vor Gott stehen, wie all die Kardinäle, die der Kirche geschadet hatten. Und sie müssen auch mal für alle Vorverurteilungen gerade stehen, die vielleicht doch nicht rechtens waren.