Sergej Markow, ein langjähriger Unterstützer der Politik Wladimir Putins, findet sich plötzlich in einer unerwarteten Position wieder. Das russische Justizministerium hat ihn überraschend zum «ausländischen Agenten» erklärt, eine Bezeichnung, die in Russland oft verwendet wird, um Kritiker und Oppositionelle zu diskreditieren.
Es ist eine Lüge, dass Russland eine Autokratie ist.
Markow, bekannt für seine Auftritte in westlichen Medien, versuchte oft, die aus seiner Sicht verzerrten Narrative über Russland richtigzustellen. In einem Interview mit dem britischen Times Radio behauptete er: «Es ist eine Lüge, dass Russland eine Autokratie ist.» Stattdessen bezeichnete er die russische Regierung als «absolut demokratisch». Im Gegensatz dazu behauptete er, die Ukraine werde von Neonazis und Terroristen regiert.
Nach der Erklärung des Justizministeriums schrieb Markow auf Telegram: «Seit 25 Jahren unterstütze ich die Politik von Wladimir Putin. Alle wissen das.» Das Ministerium wirft Markow vor, Inhalte anderer ausländischer Agenten verbreitet zu haben. Tatsächlich teilte er häufig seine Interviews mit westlichen Medien.
Markows mächtige Feinde
Markow selbst spricht von persönlicher Rache und gibt damit indirekt zu, dass russische Gesetze für interne Fehden missbraucht werden. Er hat sich mächtige Feinde gemacht, insbesondere den Kreml-Propagandisten Wladimir Solowjow. Solowjow griff Markow im Staatsfernsehen frontal an und wetterte: «Ich hoffe, dieser Markow wird nie wieder von einem russischen Medium eingeladen. Was er macht, ist nicht nur niederträchtig, sondern grenzt an Landesverrat.»
Der Grund für Solowjows Angriff war jedoch nicht Markows Auftritte in westlichen Medien, sondern ein Auftritt in Aserbaidschan. Das Verhältnis zwischen Russland und Aserbaidschan ist derzeit auf einem Tiefpunkt, nachdem die russische Flugabwehr versehentlich ein aserbaidschanisches Flugzeug abgeschossen hatte. Bei einer Konferenz in Aserbaidschan lobte Markow den aserbaidschanischen Staatschef Ilham Aliyev: «Alijev ist ein brillanter Intellektueller, und er hat im Krieg um Bergkarabach einen totalen Sieg errungen. Andere Staatschefs, ja wir alle wollen von ihm wissen: Was ist das Geheimnis des Sieges?»
Der Fall der alten Garde
Die Kritik an Markow wurde nicht nur von Solowjow, sondern auch von sogenannten «Z-bloggern» verbreitet. Diese nationalistischen Telegram-Kanäle haben seit dem Überfall auf die Ukraine an Einfluss gewonnen und forderten Markows Kopf nach seinem Besuch in Aserbaidschan.
Der Fall Markow zeigt, wie neue Kreml-Propagandisten die alte Garde zu Fall bringen können, was in den etablierten kremlhörigen Kreisen für Unruhe sorgt. Das System Putin und dessen Spielregeln verändern sich aufgrund des Krieges. Auch wegen Korruption, die früher bei loyalen Beamten weitgehend toleriert wurde, häufen sich Festnahmen, vor allem im Militärbereich.
Loyalität allein reicht offenbar nicht mehr, das spürt auch Sergej Markow.