Neuer Oberster Führer im Iran: Modschtaba Chamenei ist zum neuen geistlichen und staatlichen Oberhaupt der Islamischen Republik ernannt worden. Er ist ein Sohn des bisherigen Oberhaupts, Ajatollah Ali Chamenei, der bei den Angriffen der USA und Israels Ende Februar getötet wurde. Das zuständige Wahlgremium, der sogenannte Expertenrat, bestätigte laut iranischen Medien die Wahl des 56-Jährigen zum religiösen und politischen Oberhaupt des Landes. Als Oberster Führer wird er künftig das letzte Wort in allen wichtigen politischen und militärischen Fragen haben.
Seine politische Linie: Politisch gilt Chamenei als Hardliner. Beobachter halten seine Linie sogar für radikaler als jene seines Vaters. In der Vergangenheit soll er zudem eine Schlüsselrolle bei der Niederschlagung von Protesten gespielt haben. Er dürfte also den kompromisslosen Kurs seines Vaters gegenüber dem Westen und der Bevölkerung weiterführen.
Der Strippenzieher im Hintergrund: Im Gegensatz zu seinem Vater ist Modschtaba Chamenei öffentlich bislang kaum in Erscheinung getreten. Er bekleidete nie ein Regierungsamt oder gab öffentliche Reden oder Interviews. Dennoch gilt er schon lange als einflussreiche Figur im Machtapparat seines Vaters. Besonders eng soll seine Beziehung zur mächtigen Revolutionsgarde sein. Diese hatte ihn bereits vor der Wahl als klaren Favoriten gesehen. Mit seiner Ernennung könnte ihr Einfluss innerhalb des iranischen Systems weiter wachsen.
Kontroverse Wahl: Trotzdem ist die Übergabe der Macht an den Sohn umstritten: Die Islamische Republik wurde 1979 nach dem Sturz der Monarchie gegründet. Ihre Ideologie basiert auf dem Prinzip, dass der Oberste Führer aufgrund seiner religiösen Stellung und seiner bewährten Führungsqualitäten gewählt werden soll. Nicht durch Erbfolge. Kritiker hatten bereits vor der Wahl gesagt, seine Wahl könne eine Rückkehr zu dynastischen Strukturen bedeuten – die durch die Islamische Revolution von 1979 eigentlich überwunden werden sollten.
Modschtabas Werdegang: Modschtaba Chamenei wurde 1969 in der nordöstlichen Stadt Maschhad geboren. Er ist das zweite von sechs Kindern des getöteten Staatsoberhaupts Ali Chamenei. Er besuchte die religiöse Alavi-Schule in Teheran. Im Alter von 17 Jahren leistete er während des Iran-Irak-Krieges laut iranischen Medienberichten mehrere kurze Militärdienste. Mit 30 Jahren entschied er sich für ein Theologiestudium.
Risiken und Gefahren: Nun steht er vor der gewaltigen Aufgabe, das Überleben der Islamischen Republik zu sichern und die Bevölkerung davon zu überzeugen, dass er der Richtige ist, um das Land aus der politischen und wirtschaftlichen Krise zu führen. Seine Führungsqualitäten sind weitgehend unerprobt. Zudem ist Modschtaba nun ein gejagter Mann. Israels Verteidigungsminister erklärte letzte Woche, dass jeder, der als Nachfolger Ali Chameneis ausgewählt werde, «ein eindeutiges Ziel für die Eliminierung» sein werde.