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Schlag gegen Menschenhandel Internationale Operation von Interpol befreit 4400 mögliche Opfer

Interpol hat bei der Operation Liberterra III Tausende Personen wegen Menschenhandels festgenommen

Bei einem Schlag gegen Menschenhandel sind weltweit 4414 mutmassliche Opfer in Sicherheit gebracht worden. Dabei handelt es sich vor allem um Menschen, die an einen anderen Ort verschleppt worden waren. In einigen Fällen konnte der Menschenhandel noch verhindert werden, wie die internationale Polizeiorganisation Interpol mitteilte. 

Im Rahmen der Operation Liberterra III wurden im November 2025 in 119 Ländern 3744 Verdächtige festgenommen, darunter mehr als 1800 Personen wegen Menschenhandels und Menschenschmuggels, wie Rapporte der beteiligten Länder zeigen. An Menschenhandel oder Schmuggel von Migranten waren insgesamt 133 kriminelle Gruppen beteiligt.

Während der Operation setzten die Strafverfolgungsbehörden mehr als 14’000 Beamte ein und führten Überwachungen und gezielte Razzien sowie verstärkte Grenzkontrollen durch. Die Behörden leiteten mehr als 720 neue Ermittlungen ein. 

Ein Zollbeamter betrachtet Handabdrücke auf einem Bildschirm.
Legende: Beamte haben weltweit während der Operation Zugriff auf die Datenbank von Interpol in Echtzeit erhalten. Interpol

Knapp der Hälfte der Festgenommenen werfen die Behörden Menschenhandel oder den Schmuggel von Migranten vor. Die weiteren wurden zwar wegen anderer Vergehen gefasst, doch weil sie die gleichen Netzwerke und Routen nutzten, wisse man, dass damit Schmuggel verhindert worden sei, hiess es von Interpol. 

Zur Unterstützung der internationalen Operation von Interpol wurden vier operative Koordinierungsstellen in Algerien, El Salvador, Laos und Grossbritannien eingerichtet. Die Operation Liberterra III profitierte auch von der Zusammenarbeit mit Partnerorganisationen, nationalen Behörden und Nicht­regierungs­organisationen.

Die Schicksale hinter den Zahlen

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Hinter den statistischen Angaben der Polizeibehörden stehen Tausende von Einzelschicksalen. So schreibt Interpol von Kindern, die in einer Glasfabrik in Belize in Südamerika arbeiteten; von einem jungen Mädchen, das in El Salvador an einen 73-jährigen Mann verkauft wurde oder ein achtjähriger Junge, der in Mosambik entführt werden sollte zur Entnahme seiner Organe.

In Spanien zerschlugen die Behörden ein kriminelles Netzwerk, das Frauen aus Kolumbien zur sexuellen Ausbeutung in Massagesalons in Barcelona und Marbella verschleppte.

In Costa Rica wurde ein Mann verhaftet, der minderjährige Mädchen einer Schule gezwungen hatte, Nacktvideos aufzunehmen. Dessen Lebensgefährtin, eine Lehrerin an der Schule, wurde ebenfalls verhaftet.

In Kasachstan deckten die Behörden auf, dass ein Netzwerk für Menschenhandel seine Aktivitäten als Taxidienst tarnte.

In Schottland wurden rumänische Staatsangehörige aufgegriffen, die unter falschen Versprechungen quer durch Europa transportiert wurden und dort ihre Ausweispapiere nicht mehr zurückerhalten hatten.

Menschenhandel müsse als Teil eines grösseren Systems der organisierten Kriminalität betrachtet werden, sagte der Direktor für organisiertes Verbrechen bei Interpol, David Caunter. Man sehe Überschneidungen mit dem Drogenhandel, dem Waffenschmuggel und bei Fälschungen. «Diese Netzwerke behandeln Menschen als Ware.»

Mehr Zwangsarbeit, neue Routen und oft digitale Plattformen

Gemäss Interpol nimmt Menschenhandel global weiter zu, verändert sich aber. Während sexuelle Ausbeutung nach wie vor am häufigsten gemeldet werde, nehmen Zwangsarbeit und Zwangskriminalität zu. Es würden aber auch mehr Fälle von häuslicher Sklaverei und Organentnahme aufgedeckt. Die kriminellen Netzwerke entwickelten sich weiter und nutzten dafür neue Schlepperrouten und digitale Plattformen. 

Auch geografisch beobachtet Interpol Veränderungen. Während früher viele Menschen aus afrikanischen Ländern ins Ausland geschmuggelt wurden, sehe man nun auch asiatische und südamerikanische Opfer von Menschenhandel in Afrika.

SRF 4 News, 26.1.2026, 15 Uhr ; 

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