«Schau mal, wie schön das Feld aussieht. Der Wind biegt die Tabakblätter, sonst würde es noch schöner aussehen», sagt Tabakbauer Salvador Carvajal Rodríguez auf seiner Plantage in der Provinz Pinar del Río im Westen Kubas. Es ist Erntezeit.
«Dieses Jahr hatten wir mit enormen Schwierigkeiten zu kämpfen», meint der 77-Jährige. Die Energiekrise in Kuba macht es schwierig, an Benzin und Strom zu kommen. Dennoch sei seine Ernte gut, so der Bauer: «Es war ziemlich kalt dieses Jahr und Tabak gedeiht bei Kälte gut. Die Natur hat uns geholfen.»
Salvador Carvajal Rodríguez bestellt seine Tabakfelder mit Ochsen. Auch auf Strom sei er in der Energiekrise nicht fest angewiesen. Anders als andere Tabakbauern: «Einige bewässern ihre Felder mit elektrischen Pumpen. Und diese Tabakfelder leiden jetzt.»
Noch keine Auswirkungen auf Zigarrenexport
Auf den Verkauf von Zigarren hat das bis jetzt noch keinen Einfluss. Zumindest nicht in der Schweiz, dem drittwichtigsten Markt für kubanische Zigarren.
Allerdings übertreffe die Nachfrage nach «Habanos» in der Schweiz schon seit einigen Jahren das Angebot, erklärt Louis-Charles Levy, Verwaltungsratsmitglied von Intertabak. «Wir könnten problemlos 20 bis 30 Prozent mehr Zigarren erhalten, und wir würden Abnehmer dafür finden.»
-
Bild 1 von 2. Nach der Ernte wird der Tabak getrocknet. Bildquelle: SRF/Anna Lemmenmeier.
-
Bild 2 von 2. Alle kubanischen Zigarren werden von Hand gedreht von sogenannten «torcedores», wie Lázaro Aguilera einer ist. Bildquelle: SRF/Anna Lemmenmeier.
Zwar habe eine grosse Preissteigerung im kubanischen Zigarrenmarkt stattgefunden. Unter anderem, weil «Habanos» mittlerweile in China sehr beliebt sind. Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten könnten die Preise aber verkraften. Die beliebte Cohiba Siglo 6 kostet mittlerweile 100 Franken pro Stück.
Problematische Zigarrenproduktion
Intertabak hat das Monopol auf den Import von kubanischen Zigarren in die Schweiz. Das Unternehmen gehört zur Hälfte dem kubanischen Staat. Das heisst: Mit jeder Zigarre, die in der Schweiz verkauft wird, fliesst Geld in die Taschen des repressiven Regimes in Kuba. Millionen von Franken jedes Jahr.
Doch über diese Problematik möchte Intertabak im Interview nicht sprechen. Auch nur begrenzt darüber, dass die Havanna-Zigarren in Kuba zum Teil unter fragwürdigen Bedingungen hergestellt werden.
Die Menschenrechtsorganisation Prisoners Defenders hat vor einem halben Jahr einen Bericht publiziert, worin belegt wird, dass kubanische Zigarren zum Teil in Kubas Gefängnissen hergestellt werden, wo auch viele politische Gefangene stecken. Das für Zigarren zuständige Staatsunternehmen in Kuba hat das bestätigt.
Die NGO spricht von Zwangsarbeit. Intertabak sieht das anders. «Das Einzige, was ich weiss, ist, dass es gemeinnützige Arbeit geben könnte für Strafgefangene, wie in allen Ländern», sagt der Intertabak-Vertreter.
Es sei also möglich, dass im Rahmen dieser gemeinnützigen Arbeit vielleicht auch Zigarren im Gefängnis hergestellt würden. Fakt ist: Havannas werden zu Tausenden in der Schweiz konsumiert. Dieser Konsum resultiert in Devisen, welche die Diktatur in Kuba stützen.