Zum Inhalt springen

Header

Zur Übersicht von Play SRF Audio-Übersicht

Druck auf Kuba Kein Benzin, kein Strom – Kuba in der Krise

Nach der US-Intervention in Venezuela haben die USA Kuba von jeglicher Treibstoffversorgung abgeschnitten. Venezuela war Kubas wichtigster Öllieferant. Auch allen anderen Ländern drohte Trump mit Zöllen, sollten sie Kuba beliefern. In Kuba hoffen viele, dies möge das Regime zu Fall bringen.

Es ist ein kompliziertes System mit dem man heutzutage in Kuba an Benzin kommt. «Warum kann er denn tanken und wir kriegen kein Benzin?», fragt ein Mann mit einem als für den Tourismus gekennzeichneten Auto an der Tankstelle von Soroa, im Westen des Landes. «No hay hermano», antwortet der Tankstellenangestellte. «Das ist das Benzin für Beamte, das Benzin für Touristen ist bereits alle für heute.»

Kaum aus dem Tankstellenshop heraus, bieten zwei Männer dem Touristen Benzin an. Auf dem Schwarzmarkt wird ein Liter mittlerweile für umgerechnet 12 US-Dollar gehandelt – ein Vielfaches vom an der Zapfsäule fixierten Preis von 1.30 US-Dollar.

Tankstelle mit Menschen und Motorrädern in Soroa.
Legende: Triage an der Tankstelle: Touristinnen und Touristen bekommen immerhin 20 Liter Benzin pro Tag, der kubanische Normalbürger nur 20 Liter pro Monat. SRF / Anna Lemmenmeier

Kuba sitzt auf dem Trockenen. Weil man in Kuba nicht mehr Kerosin tanken kann, haben einige Airlines den Flugverkehr nach Havanna eingestellt. Im Land selber hat der Staat das Benzin für die Bevölkerung rationiert.

Wochenlange Wartezeiten

Kubanerinnen und Kubaner dürfen offiziell 20 Liter pro Monat beziehen und müssen sich auf einer App eintragen mit einem Ticketsystem. Doch von diesen Tickets, von denen es Tausende gibt, werden an den wenigen Tankstellen des Landes nur wenige Hundert Personen pro Tag beliefert. Das heisst für Kubaner, Wochen bis Monate warten zu müssen, um an 20 Liter Kraftstoff zu kommen.

Mein Verwandter muss seinem kranken Vater Medikamente bringen, aber er kommt nicht an Benzin.
Autor: Kubaner in Havanna

Bezahlen kann man das Benzin mittlerweile auch nur noch in US-Dollar. Eine Währung, die man in Kuba weder auf der Bank und de facto auch nicht in offiziellen Wechselstuben erhält.

Strasse mit geparkten Autos und Gehweg in einer städtischen Umgebung.
Legende: Die Autoschlange vor der Tankstelle in Havanna zieht sich die ganze Strasse entlang. SRF / Anna Lemmenmeier

Das Bild ist in allen Gegenden Kubas dasselbe. «Ich stehe hier in der Schlange für einen Verwandten», erzählt ein 38-jähriger Kubaner in Havanna. Er will seinen Namen nicht nennen, wie so viele im repressiven Kuba. Es ist Nachmittag, doch er steht schon in der Schlange für das Benzinkontingent vom nächsten Morgen. «Wir wechseln uns ab. Mein Verwandter muss zu seinem kranken Vater nach Matanzas. Er muss ihm Medikamente bringen, aber er kommt nicht an Benzin.»

Er sei sich als Kubaner vieles gewohnt, aber nun sei die Situation im Land nicht mehr tragbar. «Sollen diese «locos» aus den USA doch auch hier intervenieren wie in Venezuela und dem Ganzen ein Ende setzen», murmelt er.

Am nächsten Tag gibt es auch kein Benzin. Dafür eine Schlägerei vor der Tankstelle, die Polizei kommt. Wütende Bürger beklagen sich, dass das Benzin unter der Hand vergeben wurde.

Kein Treibstoff, kein Strom

Schon vor dem Eingreifen der USA in Venezuela mussten Kubanerinnen und Kubaner oft für Benzin anstehen. Doch seit dem 3. Januar trocknet das Land regelrecht aus. Denn kaum noch Treibstoff zu haben, bedeutet in Kuba nicht nur, dass sich die Menschen weniger fortbewegen können. Wer es vermag, weicht aus auf Elektromotorräder, andere auf Velotaxis oder Pferdekarren.

Doch auch der Müll wird nicht mehr abtransportiert wegen des Treibstoffmangels. Die Abfallberge an den Strassenecken werden immer grösser. Auch das kein neues Phänomen, aber eines, das sich akzentuiert.

Überfüllte Mülleimer auf einer Strasse mit verstreutem Müll.
Legende: Der Mülltransport bleibt aus – der Abfall stapelt sich in Havanna. SRF / Anna Lemmenmeier

In Kuba wird auch der Strom mit Treibstoff hergestellt. Die Strominfrastruktur in Kuba ist marode und schlecht in Stand gehalten. Stromausfälle sind darum schon lange ein Thema.

In gewissen Gegenden des Landes haben die Bewohner mittlerweile nur noch zwei Stunden Strom am Tag. Das bedeutet kein Trinkwasser ins Haus pumpen zu können, gewisse Bauern könne ihre Felder nicht mehr bewässern. Seit Anfang Jahr spitzt sich die Elektrizitätssituation zu. So kam es auch diese Woche wieder zu einem grossen Ausfall, zwei Drittel des Landes standen ohne Strom da.

Aufsicht auf beleuchteten Tisch mit Personen im Dunkeln. Dominosteine in der Mitte des Tisches.
Legende: Am 4. März 2026 sitzt Kuba im Dunkeln. Wegen des Stromausfalls geht das Leben draussen nur mit Taschenlampen und Handybeleuchtung weiter. REUTERS / Norlys Perez

Auch Martha Fonseca. Die 64-Jährige behält nur noch das Allerwenigste im Kühlschrank, damit ihr die Lebensmittel beim Stromausfall nicht verrotten. Die wenigen Lebensmittel, die sie noch bekommt. In ihrer kleinen Wohnung im Stadtteil Centro Habana nimmt die Kubanerin die sogenannte «libreta» in die Hand. Das ist ein kleines Büchlein, in dem geschrieben steht, welche Lebensmittel ihr Haushalt im sozialistischen Kuba vom Staat zugesprochen bekommt. «Ich schenk dir die «libreta», sagt Martha Fonseca sarkastisch. Es gebe sowieso kaum mehr etwas zu kaufen in den «bodegas», den Läden vom Staat.

Kuba produziert kaum noch Lebensmittel, der einst grösste Zuckerexporteur der Welt importiert heute sogar Zucker. Kuba steckt in der tiefsten Wirtschaftskrise seit Beginn der Revolution.

Ältere Frau liest in einem Buch in der Küche.
Legende: Im kleinen Büchlein steht, welche Lebensmittel jeder Haushalt bekommt. In Realität sind diese kaum mehr zu kaufen. SRF / Anna Lemmenmeier

«Ich überlebe einzig durch die Unterstützung meiner Kinder,» erklärt Martha Fonseca. Wie so viele Kubanerinnen und Kubaner haben auch ihre Kinder das Land verlassen. Es wird davon ausgegangen, dass in den letzten fünf Jahren zehn bis fünfzehn Prozent der Bevölkerung emigriert sind. Wegen der Wirtschaftskrise, aber auch wegen der Repression durch das Regime.

Kritik ist nicht erlaubt

Seit 1959 Fidel Castro in Kuba die Revolution ausgerufen hat, ist die Meinungsfreiheit im Land eingeschränkt. Erst Anfang Jahr wurden die Influencer von El4tico verhaftet, junge Menschen, die in den sozialen Medien auf die Missstände in Kuba aufmerksam gemacht hatten.

Plakat mit einer Person in Militäruniform und spanischem Text über Revolution, signiert von Fidel Castro.
Legende: Auch zehn Jahre nach seinem Tod ist Fidel Castro in Kuba omnipräsent, wie hier in einer Zigarrenfabrik in Havanna. SRF / Anna Lemmenmeier

«Es traut sich niemand öffentlich zu reden. Wer zu viel redet, verschwindet», so Martha Fonseca. Als 2021 Tausende auf die Strasse gingen, um gegen die Regierung zu demonstrieren, liess das Regime Tausende einbuchten. Sie sitzen immer noch hinter Gittern.

Diaspora als Rettung

Martha Fonsecas Sohn hat damals das Land verlassen. Ohne ihre Verwandten im Ausland könnte sie ihre eigene Mutter nicht pflegen. Die 89-Jährige sitzt in der kleinen Wohnung in Centro Habana vor dem Fernseher. «Meine Mutter hat Diabetes, sie ist blind und sie braucht einen Katheter. Katheter kann man in Kuba aber nur gebrauchte kaufen.» Die Verwandten aus den USA schicken Blasenkatheter und Urinbeutel.

Vor einer US-Intervention habe ich Angst, ich will keine Toten.
Autor: Martha Fonseca

Martha Fonseca selbst braucht einen Asthmaspray. Seit sechs Monaten sei er in keiner staatlichen Apotheke erhältlich. Auf dem Schwarzmarkt koste er 5000 Pesos, umgerechnet 10 US-Dollar. Das kann sie sich nicht leisten.

Verkaufsstand mit Medikamenten und Tabletten.
Legende: Medikamente müssen sich Kubanerinnen und Kubaner zu hohen Preisen auf dem Schwarzmarkt besorgen. SRF / Anna Lemmenmeier

Nicht an Medikamente zu kommen, ist ein Problem, mit dem Kubanerinnen und Kubaner schon seit Jahren zu kämpfen haben. Obwohl das sozialistische Regime in Kuba nach wie vor das Land als Nation zu portraitieren versucht, die viel in Gesundheit investiert, die gute Ärztinnen und Ärzte in alle Länder schickt. Doch immer mehr Länder beenden die Zusammenarbeit mit den kubanischen Ärzten, zuletzt Jamaika. Damit fallen der Regierung Deviseneinnahmen weg.

Hoffnung auf Wandel

Das kubanische Regime macht die Blockade der USA für die Situation in Kuba verantwortlich. Seit über 60 Jahren untersteht Kuba einem Handels-, Wirtschafts- und Finanzembargo. Die Ölblockade seit Anfang Jahr ist die jüngste Massnahme. «Hört doch endlich mit diesen ‹bloqueo› auf!» ruft Martha Fonseca. «Es ist nicht an allem die Blockade schuld. Wir Kubanerinnen werden von unseren eigenen Leuten blockiert.»

Es brauche unbedingt einen Wandel. Doch anders als der junge Kubaner an der Tankstelle will sie keine Intervention der USA. «Davor habe ich Angst, ich will keine Toten.» Sie wünscht sich eine Einigung mit den USA. Donald Trump behauptet, man sei mit der kubanischen Führung im Gespräch. «Es gibt Leute, die sagen: Dann wird es schlimmer, du kennst den Kapitalismus nicht! Der Kapitalismus interessiert mich nicht. Was ich will, ist leben in Würde, wie es jeder Mensch verdient hat.»

SRF 4 News, 04.03.2026, 6:20 Uhr; noes

Meistgelesene Artikel