So lief ein «normaler» Tag ab: Nach den ersten Angriffen Israels und der USA auf Teheran begann die Arbeit in der Botschaft jeweils früh in der Nacht. Botschafter Bangerter sammelte täglich neuste Informationen zur Lage und zu den Ereignissen der vergangenen Stunden. Beim gemeinsamen Frühstück gab er dann die Informationen an sein Personal weiter. An einer Krisensitzung um 9 Uhr habe man jeweils die Prioritäten für den Tag festgelegt, schildert Bangerter vor den Medien in Bern. Seine Aufgabe sei es gewesen, den Kontakt zu Behörden und den anderen Botschaften zu halten.
Um sich noch ein besseres Bild zu machen, habe Bangerter an einem Tag sogar eine «Stadtbesichtigung» gemacht. Vor dem gemeinsamen Abendessen hatte das Personal Zeit, um zu Hause notwendige Dinge zu holen oder einkaufen zu gehen. «Es gab strenge Regeln, um die Risiken zu minimieren», fügt Bangerter hinzu. In den ersten Tagen der Angriffe seien täglich 150 bis 200 Explosionen in der Provinz Teheran verzeichnet worden.
Die Vorbereitungen beginnen: Für die Ausreise sei vor allem eines entscheidend gewesen: gründliche Vorbereitung. Mehrere Tage seien dafür verwendet worden, die bestmögliche Route festzulegen, die Fahrtrichtung zu bestimmen und die nötigen Kontakte zu sichern. Dank dieser Vorarbeit verlief die Ausreise «relativ einfach», so Bangerter. Die Strecke selbst war lang, rund zehn Stunden im Auto, dennoch kam es zu keinen grösseren Problemen oder Hindernissen. Man hätte Alternativpläne A bis D gehabt, sei aber mit Plan A durchgekommen.
Gemischte Gefühle bei der Ausreise: Solange die Grenze noch nicht erreicht war, standen Fragen wie «Was kann noch passieren?» oder «Womit müssen wir noch rechnen?» im Raum. An der eigentlichen Grenze überwog dann die Ungeduld. Man hoffte, dass alles möglichst schnell vorangeht. Erst nach dem Grenzübertritt machte sich Erleichterung breit, erklärt Bangerter.
Dort, wo man früher spazieren ging, schlagen heute Bomben ein.
Ganz unbeschwert war der Moment jedoch nicht: Viele Personen liessen Kolleginnen und Kollegen zurück und wussten nicht, wie sich die Lage in Teheran weiterentwickeln würde. Bangerter betonte zudem, dass ein Grossteil des Botschaftspersonals in Teheran lebt und über die Jahre eine enge Bindung zur Stadt aufgebaut hat. «Dort, wo man früher spazieren ging, schlagen heute Bomben ein», erklärt der Botschafter.
Eine nie dagewesene Erfahrung: Bangerter erklärt, dass er in Kabul Ähnliches erlebt habe. Gerade diese Vorerfahrung sei einer der Gründe gewesen, weshalb er für die Organisation der Ausreise aus Teheran ausgewählt wurde. Trotzdem betont er, dass die Situation im Iran in ihrer Intensität und Komplexität nicht mit früheren Erlebnissen vergleichbar sei.