Zu Beginn der Stunde kommen die Newsticker und aktuellen Kriegsentwicklungen noch nicht zur Sprache. Die Geschichtsstunde am Gymnasium Lerbermatt in Köniz beginnt, wie man sie sich vorstellt: mit einem Bild aus dem Jahr 1967. Es zeigt die Familie des letzten Schahs, des früheren Herrschers im Iran, bei seiner Krönung. Geschichtslehrer Daniel Sarbach stellt eine klassische Frage: «Was ist die Botschaft des Bildes?»
Die Schülerinnen und Schüler diskutieren auch historische Grundlagen. So erklärt eine Schülerin etwa, was eine Theokratie ist: «Die Macht liegt bei einem religiösen Führer, und die Gesetze basieren auf den religiösen Regeln und Schriften.»
Dann wird es aktueller: Die Jugendlichen analysieren eine Rede des inzwischen getöteten Ayatollah Ali Chamenei von 2020. Der Lehrer fragt: «Wie bezeichnet er Israel?» Die Antwort aus der Klasse: «Als Krebs oder Tumor.»
Diskussion über Krieg und Verantwortung
Am Ende der Stunde geht es um die grosse Frage: Ist dieser Krieg gerechtfertigt? Ein Schüler sagt: «Sie haben den Tyrannen ermordet, was ich persönlich als etwas Gutes ansehe. Und das Volk tut es ja auch laut dem Text. Aber ihr weiteres Vorgehen ist einfach, zu sagen: ‹Ihr könnt jetzt selber schauen.› Man hat das Land einfach in Chaos versetzt.»
Wir versuchen, aktuelle Themen oder auch Abstimmungsfragen im Unterricht zu integrieren.
Es gebe viel zu besprechen rund um diesen Krieg, und die Unterrichtszeit dafür sei zu knapp. Trotzdem findet es Geschichtslehrer Sarbach wichtig, auch aktuelle Geschehnisse im Geschichtsunterricht aufzugreifen. «Der Lehrplan lässt solche Exkurse eigentlich nicht zu, die Zeit auch nicht. Aber wir versuchen trotzdem, aktuelle Themen oder auch Abstimmungsfragen im Unterricht zu integrieren.»
News von Social Media, aber: «Ich informiere mich weiter»
Die Medienkompetenz der Jugendlichen ist heute umso wichtiger, als auch in den Sozialen Medien diverse Informationen kursieren, die nicht immer aus seriösen Quellen stammen. Eine Schülerin sagt, sie sei zuerst auf Instagram und Tiktok mit Informationen zum Krieg konfrontiert worden. Sie bleibe aber skeptisch: «Ich informiere mich weiter, zum Beispiel bei sichereren Quellen wie SRF, wo ich weiss, dass die Informationen stimmen.»
Einige Schüler sagen, sie hätten sich schon vor dem Unterricht intensiv mit dem Krieg in Nahost befasst. Ein Schüler berichtet: «Mir ist aufgefallen, dass Trump ziemlich planlos wirkte. Seine Begründungen haben sich teilweise widersprochen. Aber ich finde auch wichtig, dass man etwas gegen das Regime macht.»
Zwischen Sorgen und Alltag
Viele Jugendliche verfolgen die Nachrichten eher passiv oder reden mit ihren Eltern darüber. Kalt lässt es aber niemanden. Auch andere Entwicklungen wie der Klimawandel können auf die Stimmung drücken. «Manchmal denkt man schon, was es überhaupt bringt, sich auf die Zukunft vorzubereiten, wenn eh alles für nichts ist. Aber die Hoffnung ganz aufzugeben, bringt auch nichts. Es kann immer noch besser werden.»
Manchmal finde ich es krass: Das alles passiert auf der gleichen Welt, und wir sind eigentlich gar nicht so weit weg.
Für viele bleibt es dennoch schwierig, solche Nachrichten einzuordnen, während der Alltag in der Schweiz normal weitergeht. «Manchmal finde ich es krass: Das alles passiert auf der gleichen Welt, und wir sind eigentlich gar nicht so weit weg. Trotzdem bekommt man es nur über die Medien mit und spürt es hier im Land kaum. Die Dimension ist schwer vorstellbar.»
Und dann ist die Geschichtsstunde schon zu Ende. Der Alltag geht für die Jugendlichen – wie für alle – weiter.