Zum Inhalt springen
Inhalt

Schwierige Lage in Iran Teheraner Händler machen dicht – aus Protest

Legende: Audio Natalie Amiri zur schwierigen Situation in Iran abspielen. Laufzeit 05:38 Minuten.
05:38 min, aus SRF 4 News aktuell vom 27.06.2018.

Darum geht es: Am vergangenen Montag blieben alle Geschäfte auf dem grossen Basar von Teheran geschlossen. Das hatte es seit der iranischen Revolution vor rund 40 Jahren nicht mehr gegeben. Der Streik der tausenden Ladenbetreiber geschah aus Protest gegen den Verfall der iranischen Währung. Allein im letzten halben Jahr hat der Rial gegenüber dem US-Dollar fast 50 Prozent an Wert verloren. «Der Basar ist der Barometer der wirtschaftlichen Situation im Land», sagt dazu ARD-Korrespondentin Natalie Amiri.

Proteste halten an: Auch am Dienstag blieben viele Läden im Basar zu, während einzelne wieder öffneten. Gleichzeitig schlossen sich viele Ladenbesitzer rund um den Basar dem Protest an. Auch sei es immer wieder zu Unruhen gekommen, sagt Amiri. Die Sicherheitskräfte seien in der Gegend verstärkt worden und gegen Randalierer vorgegangen. «Der Unmut der Bevölkerung vermischt sich mit jenem der Händler – und er richtet sich teilweise auch gegen das ganze islamische System Irans.» Bei den Unruhen wurden laut Angaben der Behörden mehrere Randalierer verhaftet.

Auch politische Proteste

Auch politische Proteste

Protestiert haben in Teheran vor allem junge Iraner. Laut der Nachrichtenagentur dpa forderten sie unter anderem, die Milliarden für die radikalislamische Palästinenserorganisation Hamas oder Präsident Baschar al-Assad im Bürgerkriegsland Syrien lieber für das eigene Volk auszugeben. Ausser Sanktionen und Ärger mit der internationalen Gemeinschaft habe die Unterstützung arabischer Länder Iran nichts gebracht.

Den Iranern geht es schlecht: «Es kommen jetzt mehrere Faktoren zusammen», sagt Korrespondentin Amiri. So sorge der Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen für grosse Unsicherheit in der Bevölkerung, zumal die Zusage der Europäer, am Abkommen festhalten zu wollen, bislang nicht eingelöst worden sei. «Iran befindet sich in einer katastrophalen Sackgasse. Es ist kein Ausweg in Sicht.» Auch habe sich die Wirtschaft seit der stufenweisen Aufhebung der Sanktionen ab 2015 bis zur Kündigung des Atomabkommens durch US-Präsident Donald Trump im vergangenen Mai kaum erholt.

Einzelne Personen in einer Gasse, in der die Rolläden der Shops unten sind.
Legende: Am Montag blieb der Basar in Teheran geschlossen – aus Protest gegen die schlechte wirtschaftliche Lage im Land. Keystone

Hardliner sehen Chance gekommen: Wegen der Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage nach 2015 – die Iraner hatten mit der Aufhebung der Sanktionen im Zuge des Atomabkommens mit einem Aufschwung gerechnet, der ausgeblieben ist – gerät jetzt der als moderat geltende Präsident Hassan Rohani unter Druck. Tatsächlich fordern die Hardliner schon lautstark Neuwahlen. «Rohani verliert seine Rückendeckung im iranischen System», beschreibt Amiri seine Situation. Es gebe inzwischen sogar Spekulationen über einen möglichen Putsch der gewählten Regierung durch die Revolutionsgarde.

Wohl nicht zufällige Proteste: Die reichen und im System eigentlich fest verankerten Basarhändler haben ihre Läden am Montag möglicherweise nicht zufällig geschlossen. So hätten Revolutionsgarden-nahe Medien von der ersten Minute der Schliessung darüber berichtet, sagt die ARD-Korrespondentin. Dies im Gegensatz zu anderen Protesten von Bauern, Lehrern oder Fernfahrern in den vergangenen Monaten. Es sei schon erstaunlich, dass diese den Revolutionsgarden nahe stehenden Medien die Basar-Proteste so nah begleiten und darüber berichten würden – was Raum lässt für Spekulationen über die Hintergründe der Basar-Schliessung.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

12 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Nick Schaefer (Nick Schaefer)
    Die Globalisierung ist für die Ärmsten der Armen dieser Welt ein voller Erfolg: Die Globalisierung hat bisher 2 Milliarden Menschen aus grösster Armut befreit. Aber sie hat auch in den bisher weiter entwickelten Ländern die unteren Schichten bis hin zur oberen Mittelschicht unter massiven Druck gebracht, und in den entwickelten Ländern va die Oberschicht bevorzugt.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von R. Raphael (R.Raphael)
    Die USRAEL Strategie geht auf... Von innen mit Sanktionen bis zum Būrgekrieg austrocknen. Dannach Marionetten plazieren und das Öl plūndern, sowie das Land verschulden......
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von kurt trionfini (kt)
      Herr Raphael: Sind die Menschen im Iran ferngesteuerte Marionetten? Ist die Zivilgesellschaft im Iran unfähig selbstverantwortlich zu handeln? Stehen die Menschen unter unsäglichem Druck der Hardliner-Religions-Wächter? Die Machtgelüste vieler US Strategen sind mir bekannt- Reicht das um die realen Gesellschaftspolitischen Spannungen im Iran komplett auszublenden? Offensichtlich Ja. Schade!
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Bendicht Häberli (bendicht.haeberli)
    Jetzt begreife ich langsam Präsident Trump. Die Globalisierung hat vor allem den Schurkenstaaten und den Superreichen geholfen - sie waren die Gewinner. Die Verlierer waren die Demokratien mit Ihrer "Gutmensch-Politik" und deren Mittelstandsgesellschaft, welche auch immer ärmer wird. Trump hat dies erkannt und höhlt den Iran nun von innen aus. Damit dürfte auch Israel einverstanden sein: Ist doch ihr Todfeind mit sich selbst beschäftigt.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen