Der Ebola-Ausbruch im Osten von Kongo-Kinshasa ist noch immer nicht unter Kontrolle. Inzwischen wurden gemäss kongolesischen Behörden mehr als 2300 bestätigte Infektionen, über 900 Menschen sind gestorben. Damit breitet sich das Virus schneller aus als erwartet. Gesundheitsbehörden und Hilfsorganisationen stossen zunehmend an ihre Grenzen. Afrika-Korrespondentin Sarah Fluck mit den wichtigsten Antworten.
Warum lässt sich Ebola im Osten von Kongo-Kinshasa so schwer eindämmen?
Die WHO sagt: Das Problem ist heute nicht mehr die Diagnose, sondern Infizierte und ihre Kontaktpersonen rechtzeitig zu finden. Rund 90 Prozent aller Fälle treten in Ituri auf. Die Provinz grenzt an Uganda und den Südsudan und ist ein wichtiges Goldabbaugebiet. Viele Menschen sind zwischen Minen, Dörfern und Märkten mobil. Das erschwert die Kontaktverfolgung zusätzlich. Während Gesundheitshelfer noch Kontaktpersonen suchen, ist das Virus oft schon zwei Dörfer weiter. In vielen Gebieten verhindern bewaffnete Gruppen zudem, dass Teams überhaupt dorthin gelangen.
Warum ist die Lage in Uganda deutlich besser unter Kontrolle?
Uganda kann einen Ebola-Ausbruch konsequenter eindämmen. Der Staat funktioniert bis in die Dörfer, Kontaktpersonen können rasch gefunden und Quarantänen durchgesetzt werden. Im Osten von Kongo-Kinshasa ist das anders: Der Staat ist vielerorts kaum präsent, und Gesundheitsbehörden können Ausbrüche deutlich weniger konsequent nachverfolgen.
Warum stösst das Gesundheitssystem in Kongo-Kinshasa denn an seine Grenzen?
Viele Gesundheitszentren sind chronisch unterfinanziert, Löhne bleiben oft monatelang aus. Zuletzt kam es deshalb sogar zu Streiks. Einige Regionen sind wegen der Sicherheitslage zeitweise gar nicht erreichbar. Kontaktpersonen können dort dann ebenfalls nicht konsequent nachverfolgt werden. Hinzu kommen Gerüchte und Misstrauen: Manche Familien verstecken Erkrankte oder lehnen sichere Bestattungen ab.
Wie verhindern die Behörden, dass sich Ebola international ausbreitet?
An Flughäfen und grossen Grenzübergängen werden Reisende mit Fieberkontrollen und Gesundheitsfragebögen überprüft. Wer Symptome zeigt, wird medizinisch abgeklärt und darf nicht weiterreisen. Enge Kontaktpersonen von Ebola-Erkrankten sollen 21 Tage lang nicht international reisen, denn so lange kann es bis zum Ausbruch der Krankheit dauern. Einige Länder, darunter die USA, Kanada und Mexiko, haben zusätzliche Einreiseauflagen eingeführt. Die WHO lehnt generelle Reiseverbote ab, weil sie nachweislich wenig zur Eindämmung beitragen.
Droht eine weitere Ausbreitung?
Die Sorge ist gross, dass sich der Ausbruch auf weitere Länder der Region ausweitet – insbesondere auf den Südsudan. Das Land verfügt über ein noch fragileres Gesundheitssystem als der Osten von Kongo-Kinshasa und leidet ebenfalls unter einer prekären Sicherheitslage. Eine Ebola-Epidemie einzudämmen, wäre dort noch schwieriger.