Zum Inhalt springen

Header

Video
Vier Astronauten starten mit neuem SpaceX-Raumschiff ins All (unkommentiert)
Aus News-Clip vom 16.11.2020.
abspielen
Inhalt

SpaceX Raumfahrt-Experte: «Was Elon Musk anbietet, ist ein Taxi-Service»

In der Nacht auf Montag hat die US-Raumfahrt-Behörde Nasa vier Astronauten in Richtung Internationale Raumstation ISS losgeschickt. Die Mission startete von Cape Canaveral in Florida. Es ist die erste bemannte Mission der Nasa mit einem Raumschiff eines privaten Unternehmens – von der Firma SpaceX des Tesla-Gründers Elon Musk. Raumfahrt sei künftig wohl nur noch mit privater Beteiligung möglich, denkt Volker Gass vom Swiss Space Center.

Volker Gass

Volker Gass

Ingenieur

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Volker Gass ist Direktor des Swiss Space Center (SSC, Link öffnet in einem neuen Fenster) und Professor an der EPFL in Lausanne.

SRF News: Eine Nasa-Mission mit privater Beteiligung – ist das die Zukunft der Raumfahrt?

Volker Gass: Ja, ich glaube, das ist wirklich die Zukunft. Insbesondere, wenn die Raumfahrtziele nahe an der Erde sind. Das bedeutet, die Staaten müssen sich weniger einmischen und lassen Möglichkeiten für Privatakteure, dort mitzuspielen.

Was ist der Grund dafür, dass private Akteure da mittun?

Es ist wie ein Taxi-Service. Was Elon Musk mit SpaceX anbietet, ist die Möglichkeit für Menschen, in die tiefe Umlaufbahn zu gehen, also auf ein paar hundert Kilometer hoch. Das ist einfacher geworden, darum muss sich der Staat nicht mehr mit seinen grossen Mitteln darum kümmern und kann diese Verantwortung abgeben.

Astronauten der Crew Dragon
Legende: An Bord der «Crew Dragon»: Die amerikanischen Nasa-Astronauten Victor Glover, Michael Hopkins und Shannon Walker sowie der japanische Astronaut Soichi Noguchi. Keystone

Die Rede ist davon, dass das All immer mehr zum Tummelplatz der Milliardäre werde. Ist das wünschenswert?

Ja und Nein. Wenn es tatsächlich ein Tummelplatz der Milliardäre werden soll, wäre ich eher dagegen. Wenn aber Grossfirmen mit Stellen Möglichkeiten geben, dass wir bessere Kommunikation auf der Erde haben und auch kleinere Unternehmen mitspielen können, finde ich das gut.

Während des Kalten Krieges war die Raumfahrt ein wichtiger Schauplatz. Es gab quasi einen Wettlauf ins All. Nun ist es ein Wettbewerb unter Privaten. Wiederholt sich die Geschichte?

Das kann man so sagen. Ein Satellit kann die Erde mittlerweile in 90 Minuten umkreisen. Das Weltall ist sehr wichtig, speziell das Weltall, das in der Nähe ist. Aus 300 bis 400 Kilometern sind Bilder mit hoher Auflösung möglich. Man kann von dort aus zum Beispiel die Agrarindustrie beobachten: Von New York aus sehen, ob die Reisernte in Asien gut sein wird – ein paar Wochen oder Monate im Voraus –, und entsprechend Entscheidungen treffen, die ökonomisch und gesellschaftlich einen grossen Einfluss haben können.

Vom All aus kann man sehen, ob die Reisernte in Asien gut sein wird – ein paar Wochen oder Monate im Voraus –, und entsprechend Entscheidungen treffen.

Der Wettlauf spielt sich aber heute nicht mehr auf politischer Ebene ab, sondern eher auf grossindustrieller Ebene – wer kriegt das Segment, wer kann seine Dienstleistungen anbieten und dort das grosse Geld machen.

Es ist das zweite Mal seit neun Jahren, dass Astronauten wieder von amerikanischem Boden aus ins All gestartet sind. Wie wichtig ist das für die Nasa?

Ich glaube, die Nasa möchte jetzt beweisen können, dass sie wieder vom amerikanischen Boden aus Menschen ins All schicken kann. Während neun Jahren war sie von den Russen abhängig. Das ist aus politischer Sicht natürlich nicht sehr gut.

Die Vorgeschichte

Textbox aufklappenTextbox zuklappen

In den vergangenen Jahren waren US-Astronauten auf russische Raketen angewiesen, um zur ISS zu kommen. Die Nasa hatte ihr Shuttle-Programm wegen hoher Kosten und nach zwei Unglücken vor neun Jahren eingestellt.
Um wieder unabhängiger von Russland zu werden, beauftragte die US-Regierung unter Donald Trumps Vorgänger Barack Obama das Unternehmen SpaceX sowie den Luftfahrtriesen Boeing mit dem Bau von Raumfähren. Die «Starliner»-Kapsel von Boeing befindet sich aber noch in der Testphase und wird erwartungsgemäss nicht vor 2021 fertig.

Für SpaceX ist der jetzt geglückte Raumflug deshalb auch eine Chance, sich als US-Marktführer in der Raumfahrt in Stellung zu bringen. Ende Mai hatte das Unternehmen zum ersten Mal erfolgreich zwei US-Astronauten zu einer zweimonatigen Mission zur ISS geschickt. (sda)

Jetzt werden auch Russen mit SpaceX ins All starten können. Die Amerikaner werden dann im Gegenzug immer noch ab und zu einen amerikanischen Astronauten mit der Sojus hochschicken. Dieser Austausch schafft wieder etwas mehr Ausgleich zwischen den beiden grossen Akteuren.

Das Gespräch führte Raphaël Günther.

SRF 4 News, 16.11.2020, 10.15 Uhr;

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

7 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Anita Mannhart  (lupus)
    Eine winzig kleine Liste von Dingen aus der Raumfahrt.
    Akkuschrauber
    Babynahrung
    Zahnspangen
    Strichcodes
    Sonnenbrillen
    Memory-Schaum
    Smartphone-Kameras
    Satellitentelefone
    LED
    Feuerfeste Anzüge
    Danke, NASA!

    Und
    Die Crew: Amerikaner, ein Schwarzer und ein Japaner. Amerikaner und Japaner haben sich vor 75 Jahren noch bombardiert: Perl Harbour, Hiroshima, Nagasaki. Heute erobern sie den Weltraum gemainsam. WISSENSCHAFT ALS FRIEDENSSTIFTER !
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von André Furrer  (Raumzeit Pfleger)
    Kommerzielle Raumfahrt für Private aufzubauen, scheint für wenigverstehende Möchtegern Besserwisser logisch.

    Die Konsequenzen dieses weiteren dekadenten Treibens werden "uns" ordentlich und skrupellos bestrafen, absehbarerweise.

    Das wahrlich wirklich Reale, dass den Menschen nachhaltig Zukunft bescheren kann, ist lernen zurück zu buchstabieren und sicher nicht den Space X, Blue Origin und Virgin etc. Orbitferienreisli Träumereien mit nach zu eifern.

    Liebe Grüsse an Eure Kinder.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Anita Mannhart  (lupus)
      Jeder der sich naturbezogen gibt und gerne Bergtouren oder andere Wanderungen macht, konsultiert den Wetterbericht. Ohne Raumfahrt gäbe es den auch nicht so wir ihn gewohnt sind. Es ist die Sicht aus dem Weltraum, der ihn generiert.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Martin Egger  (Martin Egger)
    Moment mal, wie viel CO2 produziert eigentlich so eine "Taxifahrt"? Man müsste es verbieten.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen