Seit Tagen steht die Frage im Raum, ob die USA den Iran militärisch angreifen wird. Hauptstreitpunkt ist das iranische Atomprogramm. Iran bietet eine Reduktion seiner Urananreicherung an, die USA hingegen fordern den kompletten Verzicht. Heute Donnerstag gehen die Atomverhandlungen in Genf in eine weitere Runde.
Derweil wird in Iran seit mehreren Tagen wieder protestiert. Die Menschen wagen sich wieder auf die Strasse, fast zwei Monate nach der brutalen Niederschlagung der Massenproteste in Iran. Studierende an verschiedenen Universitäten protestieren wieder gegen das Regime. Die einen hoffen auf eine Einigung mit den USA, andere hoffen auf einen Sturz des Mullah-Regimes.
Hoffnung auf einen Regime-Wechsel
Das weiss auch Negin Winkler. Die Physikerin ist im Iran geboren und lebt seit sieben Jahren in der Schweiz und ist Mitgründerin der Organisation «Stimme Iranische Frauen Schweiz». Obwohl das Internet weiterhin stark eingeschränkt ist, hält sie täglich Kontakt zu Freunden und ihrer Familie im Iran.
Eine militärische Intervention ist eine Rettungsmöglichkeit für Iranerinnen und Iraner und sie erwarten das.
Viele seien der Meinung, ein US-Schlag gegen das Regime sei ihre einzige Hoffnung, sagt Winkler. «Minderjährigen droht die Todesstrafe. Und was sind die Möglichkeiten? Iranerinnen und Iraner haben alle friedlichen Möglichkeiten angewendet und nichts funktioniert. Eine militärische Intervention ist eine Rettungsmöglichkeit für Iranerinnen und Iraner und sie erwarten das.»
Die USA haben in den letzten Wochen ihre Militärpräsenz im Mittleren Osten deutlich ausgebaut. Mittlerweile ist ein zweiter Flugzeugträger unterwegs in den Nahen Osten.
In seiner Rede zur Lage der Nation machte US-Präsident Donald Trump am Mittwoch klar, was er vom Mullah-Regime hören will: «Sie wollen einen Deal, aber wir haben die Schlüsselworte noch nicht gehört: ‹Wir werden niemals eine Atomwaffe haben›.»
Angst vor einer militärischen Auseinandersetzung
Das iranische Regime veröffentlicht derweil Bilder von Militärmanövern der Revolutionsgarden im Süden des Landes. Dabei werden unter anderem Raketen und Drohnen gestartet. Und der iranische Präsident Massud Peseschkian betont, man werde dem Druck standhalten, hoffe aber trotzdem auf ein gutes Ergebnis der Gespräche. Die Menschen in der Hauptstadt Teheran stellen sich trotzdem schon einmal auf eine militärische Auseinandersetzung mit den USA ein.
Krieg bedeutet Tod und Leid für die Zivilbevölkerung.
In der Schweiz treffen wir Saghi Gholipour, Mitgründerin des Vereins «Free Iran Switzerland». Sie macht sich Sorgen, sollten die USA den Iran angreifen. Ein Regimewechsel sei damit nämlich alles andere als garantiert, sagt Gholipour: «Krieg bedeutet Tod und Leid für die Zivilbevölkerung. Was aber auch ist, und das haben wir im 12-Tage-Krieg im Juni gesehen, dass die Repression gegen innen wieder massiv zunimmt, wenn ein äusserer Feind aktiv wird.»
Der Anfang einer Eskalationsspirale oder ein Befreiungsschlag? Die iranische Bevölkerung schaut angespannt auf die Gespräche und die nächsten Schritte des US-Präsidenten.