Mit Blick auf die anstehenden Verhandlungen mit den USA im Rahmen der vereinbarten Waffenruhe hat Teheran vorgeschlagen, für eine sichere Durchfahrt durch die Meerenge Gebühren für Schiffe zu erheben. Mehrere Länder fordern nun einen gebührenfreien und sicheren Schiffsverkehr durch die Strasse von Hormus.
«Ich glaube nicht, dass die internationale Gemeinschaft bereit wäre zu akzeptieren, dass der Iran für jedes Schiff, das die Strasse von Hormus durchquert, eine Mautstelle einrichtet», sagt der griechische Regierungschef Kyriakos Mitsotakis dem US-Fernsehsender CNN. «Das erscheint mir völlig inakzeptabel.»
Die grundlegenden Freiheiten der Meere dürfen nicht einseitig entzogen oder an einzelne Bieter verkauft werden.
Mitsotakis sagte weiter, dass ein separates internationales Abkommen bezüglich der Meerenge möglicherweise notwendig sei. Griechenland verfügt über eine der weltweit grössten Handelsflotten gemessen an der Frachttransportkapazität.
Iranisches Seegebiet oder internationales Gewässer?
Auch Deutschland und Grossbritannien forderten eine gebührenfreie Passage durch die Meerenge. Sie sei nicht nur iranisches Seegebiet, sondern es gelte das UNO-Seerechtsübereinkommen, sagt ein Sprecher des Deutschen Aussendepartements.
Für Grossbritannien stehen die «grundlegenden Freiheiten der Meere» auf dem Spiel. Diese dürften nicht einseitig entzogen oder an einzelne Bieter verkauft werden, sagt die britische Aussenministerin Yvette Cooper laut vorab veröffentlichten Auszügen aus einer Rede.
US-Präsident Donald Trump hatte auf Überlegungen verwiesen, dass die Schifffahrt durch die Strasse von Hormus gemeinsam von den USA und dem Iran abgesichert werden könnte. Wie er sich das vorstellt, blieb zunächst offen.
Vor dem Krieg der USA und Israels gegen den Iran galt die Meerenge formell als internationales Gewässer.
Meerenge schon wieder zu
Verschiedene Länder forderten zudem die Einhaltung der Waffenruhe gegenüber dem Libanon. Der Iran hat als Antwort auf die Angriffe Israels den Schiffsverkehr in der Meerenge wieder angehalten.
Verschiedene Reedereien haben gesagt, dass sie Besatzung und Schiffe nicht riskieren werden, sondern vorerst abwarten.
Bisher haben sich die Hunderten von blockierten Ankern und Containerschiffen trotz Ankündigung der Waffenruhe aber sowieso noch nicht startklar gemacht.
Am Mittwoch segelten ein knappes Dutzend Schiffe durch die Meerenge. Das sind gemäss Einschätzungen von SRF-Wirtschaftsredaktorin Charlotte Jacquemart aber nicht mehr als in den Tagen zuvor. Vor dem Krieg passierten 135 Schiffe die Meerenge täglich.
Einerseits müssten die Schiffsbesitzer die Durchfahrt vom Iran absegnen lassen, weil sie sonst angegriffen würden. Andererseits zahlten sie hohe Gebühren in Bitcoin, so Jacquemart. Zudem sei die Wasserstrasse teils auch vermint.
Zwei Wochen sind für Schiffe zu kurz
«Verschiedene Reedereien haben gesagt, dass sie Besatzung und Schiffe nicht riskieren werden, sondern vorerst abwarten», sagt Jacquemart. Die zwei Wochen Waffenstillstand, wenn er halten würde, wären zudem sowieso nicht lange genug, um alle blockierten Schiffe rauszuholen. Das dauerte mindestens sechs Wochen, sagen Experten.
Nachdem die USA und Israel am 28. Februar den Krieg gegen den Iran begonnen hatten, hatte Teheran mit Attacken und Drohungen die Schifffahrt durch die Strasse von Hormus nahezu zum Erliegen gebracht.
Etwa ein Fünftel des weltweiten Öls und Gases wird durch die Wasserstrasse transportiert.