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Trumps Ultimatum läuft aus Alles oder nichts an der Strasse von Hormus?

Donald Trump hat dem Iran ein Ultimatum gestellt. Erneut. Bis Dienstag um 20 Uhr US-Zeit (Mittwoch um 2 Uhr in der Schweiz) soll der Iran die Strasse von Hormus öffnen. Sonst will Trump zivile Infrastruktur bombardieren: Kraftwerke, Brücken und Entsalzungsanlagen. Dreimal hat Trump sein Ultimatum bereits verlängert. Doch was heisst es für den Iran, wenn er seine Drohung jetzt wahrmacht? Antworten von Nahost-Korrespondent Thomas Gutersohn.

Thomas Gutersohn

Nahost-Korrespondent

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Thomas Gutersohn lebt seit 2023 in Amman und berichtet für SRF aus dem Nahen Osten. Von 2016 bis 2022 war er als Südasien-Korrespondent tätig, zuvor hat er aus der Westschweiz berichtet. Gutersohn arbeitet seit 2008 bei SRF und hat in Genf Internationale Beziehungen studiert.

Wie reagiert der Iran auf Trumps Drohungen?

Es scheint so, als wäre die iranische Führung nicht an einem schnellen Kriegsende interessiert. Der Iran traut einer Waffenruhe mit den USA und Israel nicht mehr über den Weg. Das ist eine Konsequenz des 12-Tage-Kriegs. Danach hat man eine Waffenruhe vereinbart – und dennoch haben die USA und Israel den Iran Ende Februar wieder angegriffen.

Menschen schwenken Iran-Fahnen. Im Vordergrund zwei Frauen.
Legende: In Teheran demonstrieren fast täglich Anhängerinnen und Anhänger des Regimes. (5.4.2026) Keystone / Francisco Seco

Jetzt will der Iran die Kräfteverhältnisse im Nahen Osten zu seinen Gunsten ändern. Die Beschlagnahmung der Strasse von Hormus dient da als gutes Mittel. Aktuell bestimmt der Iran, wer die Strasse passiert und wer nicht. Er verkauft mehr Öl und zu einem besseren Preis als vor dem Krieg. Die iranische Führung will die Seestrasse längerfristig kontrollieren – und daraus Staatseinnahmen generieren.

Hat die iranische Führung keine Angst vor einer Eskalation?

Die USA und Israel haben begonnen, die Verkehrsinfrastruktur zu beschiessen. Auch erneute Angriffe auf die Ölinsel Charg werden gemeldet. So eine Eskalation scheint das iranische Regime aber in Kauf zu nehmen. Der wirtschaftliche Schaden für den Iran ist jetzt schon immens. So haben die USA etwa die iranischen Stahlwerke zerstört. Der Stahl ist neben Öl und Gas eine der wichtigsten Einnahmequellen des Regimes. Experten sagen: Es dürfte sicher ein Jahr dauern, bis der Iran wieder Stahl produzieren kann. Sollte die iranische Führung jetzt klein beigeben, stünde sie vor einem Scherbenhaufen. Sie könnte kaum mehr Einnahmen generieren. Und gerade deshalb ist die Strasse von Hormus zu einem so wichtigen Hebel für den Iran geworden. Den will das Regime nicht aus der Hand geben.

Trumps Drohkulisse

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Das US-Militär werde jede Brücke, jedes Kraftwerk im Iran zerstören, und zwar innerhalb von vier Stunden. Das drohte der US-Präsident am Montag bei einer Pressekonferenz im Weissen Haus. Am Dienstag legte er nach: «Eine ganze Zivilisation» werde in der Nacht sterben, sollte der Iran nicht bis zum Abend kapitulieren.

Trumps Frist läuft am Dienstagabend um 20 Uhr US-Zeit ab. Sie ist nicht die erste ihrer Art. Schon vor gut zwei Wochen verhängte Trump ein Ultimatum, am 21. März. Es galt zunächst für 48 Stunden. Schon damals lautete die Forderung: Der Iran müsse die Strasse von Hormus öffnen, andernfalls würden die USA iranische Energieanlagen bombardieren. 

Dieses Ultimatum verlängerte Trump immer wieder, wegen «produktiver Gespräche». Der Iran verneint bislang, an solchen Gesprächen teilgenommen zu haben. Erst streckte Trump die Frist auf fünf Tage. Dann bis zum 6. April. Und nun bis Dienstagabend.

Wäre nicht irgendwann ein Punkt erreicht, an dem der Iran nachgibt?

Es ist schwer zu sagen, wie das konkret aussehen könnte. Das iranische Regime fusst auf seiner eigenen Resilienz, nicht auf Wohlstand, wie die Golfmonarchien. Es befindet sich seit 40 Jahren in einem Wirtschaftskrieg mit den USA und Israel. Zigmal gab es Verhandlungen, schlussendlich erfolglos. Mit der Blockade der Strasse von Hormus sieht das Regime nun einen Weg, sich aus dieser Sackgasse zu befreien.

Strasse mit Autos und Motorrädern. Im Hintergrund grosses Plakat mit Menschen, die iranische Flaggen in die Höhe halten.
Legende: Das Regime gibt sich kämpferisch: Plakat an einer Kreuzung in Teheran. (6.4.2026) Keystone / Abedin Taherkenareh

Wie würde der Iran auf solche Angriffe reagieren?

Die iranische Führung droht, Gleiches mit Gleichem zu vergelten. Sie will Kraftwerke und Entsalzungsanlagen in den Golfmonarchien ins Visier nehmen. Den Krieg bekäme dann eine breite Öffentlichkeit in den Emiraten, in Kuwait, Katar und Saudi-Arabien zu spüren. Es ist denkbar, dass dann auch die Golfmonarchien in den Krieg eingreifen. Auch das scheint das iranische Regime in Kauf zu nehmen.

Was die Angriffe für die iranische Bevölkerung bedeuten würden

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Was hiesse es für die iranische Bevölkerung, wenn die USA und Israel die Brücken und Kraftwerke im Iran angreifen? «Das wäre ein Desaster», sagt Thomas Gutersohn. Ein weiteres, nach der Misswirtschaft der letzten Jahre, dem Zusammenbruch der Währung, dem 12-Tage-Krieg.

Ein völkerrechtswidriger Angriff auf die zivile Infrastruktur wäre ein weiterer schwerer Hieb gegen die Bevölkerung. Doch das Wohl der Bevölkerung ist für das Regime zweitrangig. Viel wichtiger ist es ihm, die Revolution und damit sich selbst zu schützen. Als es im Januar die Proteste niederschlug, war das bereits offensichtlich.

Weder die USA noch der Iran wollen im Moment klein beigeben. Wohin führt das?

Aktuell stehen die Zeichen nicht auf Deeskalation. Das ist paradoxerweise oft der Fall, bevor es zu Kompromissen kommt. Man will der Gegenseite so viele Konzessionen wie möglich abringen und vertritt dementsprechend eine Extremposition. Hier kommt aber hinzu: Sowohl die USA als auch der Iran denken, dass sie die besseren Karten in der Hand halten, und sie ihre Forderungen mit Gewalt durchsetzen können. Für Verhandlungen sind das denkbar schlechte Voraussetzungen.

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SRF 4 News, 7.4.2026, 16:13 Uhr ; 

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