Donald Trump hat dem Iran ein Ultimatum gestellt. Erneut. Bis Dienstag um 20 Uhr US-Zeit (Mittwoch um 2 Uhr in der Schweiz) soll der Iran die Strasse von Hormus öffnen. Sonst will Trump zivile Infrastruktur bombardieren: Kraftwerke, Brücken und Entsalzungsanlagen. Dreimal hat Trump sein Ultimatum bereits verlängert. Doch was heisst es für den Iran, wenn er seine Drohung jetzt wahrmacht? Antworten von Nahost-Korrespondent Thomas Gutersohn.
Wie reagiert der Iran auf Trumps Drohungen?
Es scheint so, als wäre die iranische Führung nicht an einem schnellen Kriegsende interessiert. Der Iran traut einer Waffenruhe mit den USA und Israel nicht mehr über den Weg. Das ist eine Konsequenz des 12-Tage-Kriegs. Danach hat man eine Waffenruhe vereinbart – und dennoch haben die USA und Israel den Iran Ende Februar wieder angegriffen.
Jetzt will der Iran die Kräfteverhältnisse im Nahen Osten zu seinen Gunsten ändern. Die Beschlagnahmung der Strasse von Hormus dient da als gutes Mittel. Aktuell bestimmt der Iran, wer die Strasse passiert und wer nicht. Er verkauft mehr Öl und zu einem besseren Preis als vor dem Krieg. Die iranische Führung will die Seestrasse längerfristig kontrollieren – und daraus Staatseinnahmen generieren.
Hat die iranische Führung keine Angst vor einer Eskalation?
Die USA und Israel haben begonnen, die Verkehrsinfrastruktur zu beschiessen. Auch erneute Angriffe auf die Ölinsel Charg werden gemeldet. So eine Eskalation scheint das iranische Regime aber in Kauf zu nehmen. Der wirtschaftliche Schaden für den Iran ist jetzt schon immens. So haben die USA etwa die iranischen Stahlwerke zerstört. Der Stahl ist neben Öl und Gas eine der wichtigsten Einnahmequellen des Regimes. Experten sagen: Es dürfte sicher ein Jahr dauern, bis der Iran wieder Stahl produzieren kann. Sollte die iranische Führung jetzt klein beigeben, stünde sie vor einem Scherbenhaufen. Sie könnte kaum mehr Einnahmen generieren. Und gerade deshalb ist die Strasse von Hormus zu einem so wichtigen Hebel für den Iran geworden. Den will das Regime nicht aus der Hand geben.
Wäre nicht irgendwann ein Punkt erreicht, an dem der Iran nachgibt?
Es ist schwer zu sagen, wie das konkret aussehen könnte. Das iranische Regime fusst auf seiner eigenen Resilienz, nicht auf Wohlstand, wie die Golfmonarchien. Es befindet sich seit 40 Jahren in einem Wirtschaftskrieg mit den USA und Israel. Zigmal gab es Verhandlungen, schlussendlich erfolglos. Mit der Blockade der Strasse von Hormus sieht das Regime nun einen Weg, sich aus dieser Sackgasse zu befreien.
Wie würde der Iran auf solche Angriffe reagieren?
Die iranische Führung droht, Gleiches mit Gleichem zu vergelten. Sie will Kraftwerke und Entsalzungsanlagen in den Golfmonarchien ins Visier nehmen. Den Krieg bekäme dann eine breite Öffentlichkeit in den Emiraten, in Kuwait, Katar und Saudi-Arabien zu spüren. Es ist denkbar, dass dann auch die Golfmonarchien in den Krieg eingreifen. Auch das scheint das iranische Regime in Kauf zu nehmen.
Weder die USA noch der Iran wollen im Moment klein beigeben. Wohin führt das?
Aktuell stehen die Zeichen nicht auf Deeskalation. Das ist paradoxerweise oft der Fall, bevor es zu Kompromissen kommt. Man will der Gegenseite so viele Konzessionen wie möglich abringen und vertritt dementsprechend eine Extremposition. Hier kommt aber hinzu: Sowohl die USA als auch der Iran denken, dass sie die besseren Karten in der Hand halten, und sie ihre Forderungen mit Gewalt durchsetzen können. Für Verhandlungen sind das denkbar schlechte Voraussetzungen.