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Strasse von Hormus Immer mehr Schiffe operieren im Dunkeln

Schiffe in Hormus schalten Ortungssender ab und verschleiern Aktivitäten. Derweil will Iran Gebühren für den Transit.

Die Strasse von Hormus ist die gefährlichste Meerenge der Welt. Seit Beginn des Iran-Krieges vor einem Monat wurden zwanzig kommerzielle Handelsschiffe angegriffen und beschädigt. Dabei kamen mehrere Crewmitglieder ums Leben. Vor allem Anfang und Mitte März erfolgten Angriffe mit Drohnen und Raketen – seither ist es etwas ruhiger geworden.

Schiff brennt
Legende: Öltanker in Flammen nach einem Angriff von Iran, am 11. März, bei Basra, Irak. Keystone / AP

Vor dem Krieg passierten in der Regel mehr als hundert Transportschiffe täglich die Meerenge, jetzt sind es viel weniger. Auffallend: Vermehrt schalten die Schiffe ihre Transponder ab, um unbemerkt durch die Strasse von Hormus zu gelangen oder um sich unbemerkt in der Region zu positionieren.

Die britische Datenanalysefirma Lloyd’s List Intelligence hat die Daten ausgewertet und am Donnerstag neueste Zahlen vorgelegt. Im März passierten soweit 142 Öltanker oder Flüssiggastransporter die Strasse von Hormus, ein Drittel der Schiffe hat das Trackersignal ausgeschaltet. Als Folge des Krieges operieren die Schiffe im Persischen Golf immer mehr im Dunkeln.

Trackersystem ausgeschaltet

Schiffe, die unerkannt operieren wollen, schalten das automatische Schiffsidentifizierungssystem (AIS) ab. AIS zeigt die Position des Schiffes an sowie weitere Informationen zu Kurs, Geschwindigkeit, Name des Schiffes. Das System ist wichtig für die Sicherheit und für die Verhütung von Kollisionen.

Die britisch-amerikanische Datenanalysefirma Windward registriert derzeit täglich mehr als 300 dunkle Aktivitäten in der Region, Schiffe, welche vorübergehend ihre Signale ausschalten. Lloyd's List Intelligence wiederum spricht von Zombieschiffen, welche zum Teil falsche Identitäten annehmen: Namen von Schiffen, die gar nicht mehr in Betrieb sind.

Identität verschleiern

Es gibt für die Schifffahrtsgesellschaften mehrere Gründe das AIS-System abzuschalten. Erstens sind es Schiffe, die mit dem Iran in Verbindung stehen. Die Schiffe wollen unerkannt bleiben, denn sie stehen zum Teil auf der Sanktionsliste der USA. Zweitens wollen die Schiffe Angriffe und Attacken verhindern, das Verschleiern der Position kann helfen und erhöht die Sicherheit.

Satellitenbild von der Strasse von Hormus, Landregionen braun, eine blaue Wasserkurve.
Legende: Es ist eng: Die Strasse von Hormus verbindet den Persischen Golf mit dem Arabischen Meer. Keystone / AP / Nasa

Schliesslich gibt es auch Schiffe, welche die Meerenge passieren und dazu mit dem Iran eine Vereinbarung abgeschlossen haben. Für die Passage benötigen die Schiffe neuerdings die Genehmigung des Irans, was angesichts der geopolitischen Lage heikel ist. Die Schiffe bezahlen teilweise eine Gebühr. Der Iran diktiert die Konditionen für die Passage, das ist neu. Vor dem Krieg war die Passage kostenfrei.

Parlament von Iran entscheidet über Gebühr

In Hormus beginnt eine neue Phase. Neu erlaubt der Iran «nicht feindlichen Schiffen» die Strasse von Hormus in Absprache mit den iranischen Behörden passieren zu dürfen. Dazu wird innerhalb der Meerenge ein Korridor eingerichtet, eine neue Route, welche näher entlang der Küste des Irans durch führt. Im iranischen Parlament wird derzeit die Gesetzesgrundlage für ein neues Gebührensystem erarbeitet.

Frachtschiff unterwegs
Legende: Ein Frachtschiff unterwegs im Persischen Golf, 15. März. Keystone / AP / Altaf Qadri

Pro Schiff soll die Passage bis zu zwei Millionen Dollar kosten. Iran argumentiert, dass auch Ägypten Geld für den Suezkanal verlange, oder Panama für die Passage durch den Panamakanal. Dass Iran Transitgebühren verlangen will, ist den USA und den Golfstaaten ein Dorn im Auge. Diese wollen die Kontrolle übernehmen. Es zeichnen sich harte Verhandlungen ab.

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SRF 4 News, 26.03.2026, 5.30 Uhr;liea

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