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USA: Krank zuhause und kein Lohn?
Aus Echo der Zeit vom 17.02.2023. Bild: Imago
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Streik vor dem Kapitol Krank sein, lohnt sich nicht: «Ich wünsche mir mehr Respekt»

Ein Drittel der US-Bevölkerung wird nicht entschädigt, wenn sie krankheitsbedingt am Arbeitsplatz fehlt. Eine Reportage.

Wer krank ist, überlegt es sich in den USA zweimal, zu Hause zu bleiben oder nicht doch zu versuchen, zur Arbeit zu gehen. Es gibt nämlich kein nationales Gesetz, das bezahlte Krankheitstage für alle vorschreibt. Elf Bundesstaaten sowie die Hauptstadt Washington haben minimale Regelungen und grössere Firmen müssen bezahlte Arbeitstage garantieren.

Streikende vor dem US-Kapitol
Legende: Die Streikenden wollen Druck auf die Politik machen. SRF

Fast ein Drittel der US-Arbeitsbevölkerung verdient jedoch nichts bei krankheitsbedingten Absenzen. Im Niedriglohnsektor ist es gar fast die Hälfte. Nach den Bahnangestellten kämpft nun das Bodenpersonal der Flughäfen um bezahlte Krankheitstage und überhaupt um bessere Arbeitsbedingungen.

Wunsch nach mehr Respekt

Rund 50 Flughafenangestellte aus dem ganzen Land haben sich in der Hauptstadt Washington vor dem Kapitol versammelt. Sie versuchen, sich Gehör zu verschaffen für bessere Arbeitsbedingungen. Zu diesen gehören auch bezahlte Krankheitstage.

Unter den Demonstrierenden ist Berna Montalbo. Sie arbeitet am internationalen Flughafen Dallas Fort Worth in Texas, kontrolliert die Putzequipen, die Flugzeugkabinen reinigen. Sie sagt: «Ich liebe meinen Job wirklich. Aber ich wünsche mir mehr Respekt für meine Arbeit.»

Berna Montalbo bekommt zwölf Dollar die Stunde. Sie fehle nie, wie sie sagt. Sie sei auch schon angewiesen worden, nach Hause zu gehen, da man ihr ansah, dass sie Fieber hatte. Doch das sei keine Option: Solange es irgendwie gehe, müsse sie arbeiten, da sonst das Geld fehle.

«Sie bezahlen uns nicht, wenn wir nach Hause gehen», sagt Montalbo. Ähnlich schildert Nancy Kebocha ihre Situation. Die alleinerziehende Mutter reinigt Flugzeugkabinen am Flughafen von Seattle und leitet auch neue Mitarbeitende an. «Ich kämpfe jeden Tag, um am Abend eine Mahlzeit auf dem Tisch zu haben», sagt sie.

Sie bezahlen uns nicht, wenn wir nach Hause gehen.
Autor: Berna Montalbo Flughafenmitarbeiterin

Die Mini-Kundgebung ist von der Gewerkschaft Seiu organisiert. Sie vertritt Arbeiterinnen und Arbeiter aus Dienstleistungsberufen. Deren Präsidentin Mary Kay Henry sagt, dass in den USA gerade diejenigen, die ohnehin schon wenig verdienten, auch die schlechtesten Arbeitsbedingungen hätten.

Berna Montalbo hat ebenfalls am Streik teilgenommen.
Legende: Berna Montalbo hat ebenfalls am Streik teilgenommen. SRF

Fast 50 Prozent der Arbeitsbevölkerung mit einem Jahreslohn von unter 35'000 Dollar hätten keine bezahlten Krankheitstage oder weitere Sozialleistungen wie Ferientage oder eine Krankenversicherung zugute. Allein an den Flughäfen sei davon rund eine Million Personen betroffen. Das könne so nicht weitergehen, sagt die Gewerkschaftspräsidentin; die Fluggesellschaften und die Politik müssten nun reagieren.

Debatte im Kongress steht an

Bei einigen Kongressabgeordneten stossen die Anliegen auf offene Ohren. Der demokratische Mehrheitsführer des Senats, Chuck Schumer, kommt in der Mittagspause vor das Kapitol und verspricht den Flughafenangestellten Unterstützung. Es sei wichtig, dass Amerikanerinnen und Amerikaner, die hart arbeiteten, ein anständiges Leben führen könnten. «Für sich, ihre Familie und ihre Kinder», sagt Chuck Schumer, bevor er wieder in die nächste Senatssitzung eilt.

Das Thema wird im Kongress zur Debatte kommen. Ein Gesetzesentwurf mit dem Namen «good jobs for good aiports» ist eingebracht. Auch für ein nationales Gesetz, das bezahlte Krankheitstage für alle vorsieht, wollen sich die Demokraten einsetzen. Allerdings werden es beide Vorlagen sehr schwer haben: Die Demokratinnen und Demokraten haben lediglich im Senat die Mehrheit, nicht aber im Repräsentantenhaus.

Echo der Zeit, 17.02.2023, 18:00 Uhr

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