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Die Türkei steht im Gasstreit der gleichen Front gegenüber wie im Libyen-Konflikt
Aus SRF 4 News aktuell vom 15.05.2020.
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Streit um Erdgas im Mittelmeer «Die Türkei ist in der Region immer mehr isoliert»

Seit Monaten streitet die Türkei mit Griechenland, Zypern und Ägypten darüber, wer Anspruch auf das Gasvorkommen bei Zypern hat. Nun haben sich auch Frankreich und die Vereinigten Arabischen Emirate eingeschaltet. Damit drohe sich der Streit zu einem grösseren regionalen Konflikt auszuweiten, sagt Journalist Thomas Seibert.

Thomas Seibert

Thomas Seibert

Journalist in der Türkei

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Thomas Seibert ist seit 1997 Korrespondent für den deutschen «Tagesspiegel» in Istanbul und berichtet auch für andere Medien, unter anderem für Radio SRF.

SRF News: Der Gasstreit schwelt schon länger. Weshalb spitzt er sich gerade jetzt zu?

Thomas Seibert: Aktueller Anlass war eine Telefonkonferenz diese Woche. Die Aussenminister von Griechenland, Zypern, Ägypten, Frankreich und der Vereinigten Arabischen Emirate haben sich gegen die Türkei positioniert.

Aussenminister verurteilen türkische Bohrungen

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Die Aussenminister Griechenlands, Frankreichs, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Ägyptens und Zyperns hatten Ankara am Montag dazu aufgefordert, die Souveränitätsrechte aller Staaten im östlichen Mittelmeer zu respektieren.

Sie verurteilten erneut türkische Bohrungen nach Erdgas in der Ausschliesslichen Wirtschaftszone Zyperns (AWZ), die Ankara ohne die Genehmigung der Regierung in Nikosia fortsetzt. Die fünf Staaten riefen die Türkei zudem dazu auf, sich nicht in den Bürgerkrieg in Libyen einzumischen und das UN-Waffenembargo zu respektieren. (sda)

Wie reagiert die Türkei darauf?

Die türkische Regierung spricht von einer «Allianz des Bösen.» Sie wirft den Vereinigten Arabischen Emiraten vor, überall in der Region für Chaos und Instabilität zu sorgen. In dem Gasstreit geht es um grosse Gasvorkommen unter dem Meeresboden. Die beteiligten Staaten wollen diese Reichtümer ausbeuten und nach Europa verkaufen.

Die Türkei ist zunehmend isoliert – im Gasstreit, aber auch im Libyen-Konflikt.

Die Türkei will auch ein Stück vom Kuchen, hat aber kaum mehr Verbündete in der Region. Sie ist zunehmend isoliert, einerseits in diesem Gasstreit, aber auch im Libyen-Konflikt, der damit zusammenhängt.

Was hat der Libyen-Konflikt mit dem Gasstreit zu tun?

Im Libyen-Konflikt gibt es die gleiche Frontbildung wie im Gasstreit. Auf der einen Seite steht die Türkei, die die Regierung in Tripolis unterstützt. Auf der anderen Seite stehen Akteure wie Ägypten, die Vereinigten Arabischen Emirate und Frankreich, die den Rebellen-General Haftar unterstützen.

Diese beiden Konflikte rücken immer näher zusammen. Im vergangenen Jahr hatte die Türkei mit der libyschen Regierung ein sehr umstrittenes Seerechtsabkommen geschlossen. Sie hatten das östliche Mittelmeer praktisch untereinander aufgeteilt. Die anderen Akteure wie Griechenland und Zypern wollen dieses Abkommen nicht anerkennen.

Was bedeutet diese Eskalation vor dem Hintergrund der anderen Konflikte im Nahen Osten?

Diese Konflikte vermengen sich immer mehr und heizen sich gegenseitig an. Es besteht die Gefahr, dass sie sich gegenseitig wie in einer Spirale immer weiter hochziehen.

Das Gespräch führte Christina Scheidegger.

SRF 4 News, 15.5.2020, 8.20 Uhr;

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Peter König  (Vignareale)
    Erdogan soll so weiter machen. Blöderweise hat er durch die Säuberung in Verwaltung und Militär
    noch Spielraum, aber die Jungen Generationen stehen hoffentlich bald auf. Auch die Türkei wird
    Corona geschwächt
    Glücklicherweise ist er durchschaut RUSSLAND und USA wollen und können sich noch nicht die Finger verbrennen
    Russland braucht freien
    Durchgang vom Schwarzen- ins Mittelmeer abwarten
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  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Erdogans Fehler beschwören den türkischen Bankrott herauf. Die Devisenreserven des Landes sind fast schon aufgezehrt. Corona macht es nicht besser. Die türkische Bohrungen nach Erdgas, die er nach internationalem Recht gar nicht darf, nur Zypern hat das Recht, die Ressourcen zu nutzen. Die militärischen selbstherrlichen Einsätze in Libyen und Syrien kosten viel Geld. Diesem möchtegern Sultan sollte man endlich die Stirn bieten und ihn isolieren. Erdogan ist einfach nur krank und selbstherrlich.
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    1. Antwort von Bendicht Häberli  (bendicht.haeberli)
      Ja Herr Keller, man sollte den "Sultan" in die Schranken weisen. Leider kann dies im Westen nur Donald Trump. Und der hat generell ein Problem mit der EU UND Erdogan (Beschaffung des russ. BODLUV-System S-400). Leider sind die Amis am meisten von Corona betroffen, ergo wird da gar nichts gegen die Türkei unternommen. Leider.
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  • Kommentar von Beat. Mosimann  (AG)
    Die Republik Zypern füllt den südlichen Teil der Insel Zypern im östlichen Mittelmeer aus. Die Insel (und die Hauptstadt Nikosia) ist geteilt und gehört im Norden zur Türkei.
    Das berechtigt den Präsidenten Erdogan.
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    1. Antwort von Niko Steinegger  (Steini)
      Richtig, die Insel ist faktisch geteilt. Falsch, der Norden gehört nicht der Türkei!
      Erstens installierte Ankara in Nord-Zypern eine eigene Regierung. Die Türkei sieht Nord-Zypern als eigenständiges Land, zumindest formal.
      Zweitens ist die militärisch Besetzung der nördlichen Insel-Hälfte illegal. Die UNO und der grösste Teil der Welt anerkennt die Regierung in Nord-Zypern nicht an. Sie können es etwa mit der russischen Besetzung der Krim vergleichen.
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    2. Antwort von David Neuhaus  (Um Neutralität bemüht)
      @Steinegger "Sie können es etwa mit der russischen Besetzung der Krim vergleichen" Sie meinen ohne Sanktionen, ohne das die Türkey einen wichtigen Militärhafen dort betreibt den sich die Gegenseite einverleiben wollte und ohne das die Bevölkerungmehrheit Zyperns sich als Türken sehen und den Wunsch äusserte zur Türkei zu gehören?
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