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Stromausfall nach Anschlag Zehntausende Berlinerinnen und Berliner noch immer ohne Strom

  • Nach einem Brandanschlag sind 25'500 Haushalte und 1200 Gewerbekunden im Südwesten Berlins den vierten Tag ohne Strom und Heizung. Die Behörden haben eine «Grossschadenslage» ausgerufen.
  • Die mutmasslich linksextreme «Vulkangruppe» hat sich zu dem Anschlag bekannt. Ziel sei ein Zeichen gegen die fossile Energiewirtschaft gewesen, nicht der Stromausfall selbst.
  • Die Reparaturarbeiten am schwer beschädigten Stromnetz sind kompliziert. Der Betreiber geht davon aus, dass alle Betroffenen erst am Donnerstag wieder versorgt sein werden.

Im Südwesten Berlins harren Tausende Menschen bei eisigen Temperaturen ohne Strom und Heizung aus. Noch immer seien gut 25'000 Haushalte ohne Strom, sagt die Stromnetzbetreiberin. Rund ein Drittel der betroffenen Haushalte seien wieder ans Stromnetz angeschlossen. Die Wiederherstellungsarbeiten sollen bis am Donnerstag dauern.

Die zuständige Senatorin für Wirtschaft und Energie – Franziska Giffey – in der Berliner Stadtregierung hat beim Bund Unterstützung angefordert. Auch die Armee solle helfen, beispielsweise mit Notstromaggregaten.

Handgeschriebenes Schild an einem verschneiten Zaun mit einer Nachricht an Eltern.
Legende: Ein Stromausfall dieser Grössenordnung zieht vielseitige Konsequenzen für die Betroffenen nach sich. Keystone/Britta Pedersen

Für Schülerinnen und Schüler bleiben rund 20 Schulen weiterhin geschlossen, Kitas bieten eine Notbetreuung an.

Notunterkünfte eingerichtet

Bezirk, Feuerwehr und andere Hilfsorganisationen richteten bislang sechs Notunterkünfte in Sporthallen und Gebäuden der Verwaltung ein. Dazu gibt es in zahlreichen Gemeindehäusern und Kirchen die Möglichkeit, sich aufzuwärmen, sich zu waschen und an Strom zu kommen.

Viele Supermärkte haben inzwischen wieder geöffnet. Weitere sollen über Notstrom angeschlossen werden, teilte der Senat mit. Die Behörden haben eine Grossschadenslage ausgerufen, auch die Bundeswehr ist im Einsatz.

Das ist eine Grossschadenslage

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Eine Grossschadenslage ist ein Ereignis, das die regulären Rettungsdienste überfordert. Dies ist der Fall bei sehr vielen Verletzten oder Betroffenen sowie bei erheblichen Sachschäden. Das Ausrufen ermöglicht eine zentrale Koordination zusätzlicher Einsatzkräfte, etwa vom deutschen Technischen Hilfswerk (THW) oder der Bundeswehr, um die Situation zu bewältigen.

Auslöser ist ein Anschlag auf Kabel an einer Brücke über den Teltowkanal, der am frühen Samstagmorgen zu einem grossflächigen Stromausfall führte. Anfänglich waren 45'000 Haushalte und über 2200 Unternehmen in den Stadtteilen Nikolassee, Zehlendorf, Wannsee und Lichterfelde betroffen. Ein Teil der Anschlüsse konnte inzwischen wiederhergestellt werden.

Linksextremisten bekennen sich

Die Behörden gehen von einem politisch motivierten Anschlag aus. Ein Bekennerschreiben der linksextremen Vulkangruppe wird von den Behörden als authentisch eingestuft. Unter der Überschrift «Den Herrschenden den Saft abdrehen» erklärte die Gruppe, das Gaskraftwerk in Lichterfelde sei «erfolgreich sabotiert» worden. Ziel sei nicht der Stromausfall gewesen, sondern ein Zeichen gegen die fossile Energiewirtschaft.

Bei den Ermittlungen zu den Tätern gibt es noch keine Ergebnisse. Die Polizei spricht von einer sehr umfangreichen Tatortarbeit. Die Polizei ist auch diese Nacht mit 300 Beamten in Uniform und in Zivil im Einsatz, um eine sogenannte Raumsicherung zu gewährleisten. Verhindert werden sollen vor allem Einbrüche – bislang ist dies nach Einschätzung der Polizei weitgehend gelungen.

Bürgermeister: Staat ist angreifbar

Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner sagte im ZDF-«Morgenmagazin» vom Montag: «Das zeigt abermals, dass es 100-prozentige Sicherheit nicht gibt.» Der Staat sei bei solchen Angriffen weiterhin angreifbar. «Diese Angreifbarkeit müssen wir abstellen», betonte er. Das brauche jedoch Zeit.

Nur ein geringer Anteil des Stromnetzes verlaufe überhaupt oberirdisch. Diesen Teil gelte es effektiver zu schützen – etwa mit Videoüberwachung und Sicherheitsdiensten.

SRF 4 News, 05.01.2026, 00:30 Uhr ; 

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