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Krieg gegen Iran Ein Land wie eine Festung: Was das für Bodentruppen bedeutet

US-Präsident Trump schliesst Bodentruppen im Iran nicht aus. Ein Blick in die Geschichte und auf die Karte zeigt: Dafür bräuchte es ein Vielfaches mehr, als die USA bisher in die Militäroperation investiert haben. Denn der Iran ist eine riesige natürliche Festung.

Bisher kommt die Operation «Epic Fury» des US-Militärs gegen den Iran weitgehend ohne Bodentruppen aus. In einem Interview mit der «New York Post» erklärte Präsident Trump, dass er zwar wahrscheinlich keine benötigen werde, aber auch «keine Bedenken» diesbezüglich habe und eine Bodenoffensive im Iran nicht kategorisch ablehnen würde.

Soldaten in Uniformen mit Helmen auf sandigem Boden mit Zaun im Hintergrund.
Legende: US-Soldaten bei einer Truppenübung in Kuwait im März 2023. AFP

Zwei Flugzeugträger, über 16 Kriegsschiffe und mehr als 100 Kampfflugzeuge, unterstützt von Transportern und Tankflugzeugen: Analysten bezeichnen Operation «Epic Fury» als grössten amerikanischen Truppenzusammenzug im Nahen Osten seit der Invasion des Irak 2003.

Die Truppenstärke wird auf 40'000 bis 50'000 Soldaten und Matrosen geschätzt. Das ist allerdings nur ein Bruchteil dessen, was die USA bei früheren Bodenoffensiven im Irak mobilisiert haben (siehe Box).

Grössenordnungen früherer US-Militäraktionen im Nahen Osten

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Kampfflugzeuge fliegen über brennendem Wüstenboden.
Legende: Operation «Desert Storm» 1991: US-Kampfjets über kuwaitischen Ölfeldern Photo12 via AFP

Operation «Desert Storm»
1991 verlegen die USA über 530'000 Soldaten, 80 Schiffe, 1350 Flugzeuge, 1500 Helikopter, 1000 Kampfpanzer und sechs Flugzeugträger, um die irakische Armee zurückzudrängen, die in Kuwait einmarschiert war.

Bei dieser Operation mit dem Namen «Wüstensturm» werden die USA zudem von Dutzenden anderen Ländern unterstützt, darunter Frankreich, Grossbritannien und Saudi-Arabien. Die Koalition umfasste auf ihrem Höhepunkt knapp eine Million Soldaten.

Der Sieg gegen die damals sehr kampferprobte irakische Armee kam relativ schnell, doch muss auch die Zeit berücksichtigt werden, die für die Vorbereitung nötig war.

Zwischen August 1990 und März 1991 organisieren die USA eine riesige Luft- und Seebrücke: Insgesamt transportieren 576 Schiffe und über 10'000 Flugzeuge rund 3,6 Millionen Tonnen Fracht und Hunderttausende von Soldaten in die Region. Die USA brauchten also mehrere Monate, um die Operation vorzubereiten.

Operation «Iraqi Freedom»
Gut zehn Jahre später, 2003, marschierten die USA im Irak ein, um das Regime von Saddam Hussein zu stürzen. Bis zu sechs Flugzeugträger kommen zum Einsatz, dazu dreissig Kriegsschiffe sowie etwa zehn U-Boote. Rund 1800 Flugzeuge nehmen an den Operationen teil, ebenso hunderte Abrams-Panzer der US-Armee und britische Challenger-2-Panzer.

Gemäss Analysen des Thinktanks Council on Foreign Relations sind damals rund 125'000 US-Soldaten direkt auf irakischem Boden im Einsatz. Dazu kommen Zehntausende britische sowie einige australische und polnische Militärangehörige.

In etwas mehr als drei Wochen nehmen die USA und ihre Verbündeten die irakische Hauptstadt Bagdad ein. Doch auch hier dauerten die Vorbereitungen sechs bis neun Monate.

Der Blick in die Vergangenheit zeigt: Für eine Invasion des Iran bräuchte es noch einmal viel mehr Mittel. Mit seinen 1.6 Millionen Quadratkilometern ist dieses Land mit fast 90 Millionen Einwohnern fast vier Mal so gross wie der Irak.

Die iranische Armee verfügt über rund 400'000 Mann, dazu kommen zwischen 125'000 und 190'000 Revolutionsgardisten.

Ein Land wie eine Festung

Hinzu kommt die Topografie des Iran, die laut praktisch allen Experten eine Invasion massiv erschwert. Im Westen bildet das Zagros-Gebirge über etwa 1450 Kilometer eine natürliche Barriere.

Das Zagros-Gebirge «würde eine gross angelegte Invasion auf diesem Weg äusserst schwierig machen», schrieb der Analyst Zachary Keck bereits 2020 in einem Artikel in der Zeitschrift «The National Interest».

Auch von Afghanistan her im Osten erschweren natürliche Barrieren jeden Vormarsch. Dort müssten zwei grosse Wüstengebiete durchquert werden, die Lut-Wüste und die Dasht-e Kavir.

Sie gelten als einer der lebensfeindlichsten Orte der Welt und würden die Fähigkeit der USA, eine Invasion mit mechanisierten Truppen durchzuführen, stark einschränken, erklärt Analyst Keck.

Stadtansicht mit Hochhäusern vor verschneiten Bergen
Legende: Wohn-Hochhäuser im Nordwesten Teherans, im Hintergrund das Elburs-Gebirge (Aufnahme von 2010). Reuters

Im Norden bildet die Elburs-Kette mit Gipfeln über 4000 Meter eine natürliche Mauer, die schwer zu überwinden ist und nur von wenigen Tälern und engen Pässen durchbrochen wird – ein ideales Gelände für Hinterhalte. Auch hier wäre eine schwere Armee in ihren Bewegungen sehr eingeschränkt.

Die einzige Möglichkeit, in den Iran einzumarschieren, sieht Zachary Keck im äussersten Südwesten, wo die Flüsse Tigris und Euphrat zusammenfliessen und den Schatt al-Arab bilden.

Dafür müsste man allerdings zunächst die derzeitige irakische Regierung stürzen, die sich einer Intervention von ihrem Territorium aus widersetzen würde. Und selbst wenn dies geschehen wäre, müssten sich die US-Truppen durch besonders sumpfiges und daher leicht zu verteidigendes Territorium kämpfen, um schliesslich auf die Zagros-Berge zu stossen.

In einer Analyse, die vor fast genau zwanzig Jahren für das US Naval Institute durchgeführt wurde, warnte ein ehemaliger US-Offizier: «Das zerklüftete Gelände des Iran sollte Militärstrategen dazu veranlassen, zweimal nachzudenken, bevor sie eine Invasion in Betracht ziehen.»

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SRF4News, 5.3.2026, 6 Uhr; herb

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