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Jede Woche überfallen bewaffnete Banden Dörfer in Burkina Faso
Aus HeuteMorgen vom 11.02.2020.
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Terrorismus in der Sahelzone Der vergessene Konflikt

Über eine Million Menschen in der Sahelzone sind auf der Flucht. Nun schlägt das Flüchtlingshilfswerk der UNO Alarm.

Es geschah am helllichten Tag. Terroristen überfielen das Dorf Silgadji im Norden Burkina Fasos. «Sie kamen am Markttag und versammelten alle Männer. Wer zur Ethnie der Mossi gehörte, musste sich auf den Boden legen und wurde von den Terroristen erschossen», erzählt der 68-jährige Ali Sawadogo.

Ali Sawadogo
Legende: Samuel Burri/SRF

Dutzende Männer wurden getötet. Nun sind auch die letzten Einwohner aus dem Dorf geflüchtet. Hier am Rand der Hauptstadt Ouagadougou leben unterdessen 600 Leute aus Silgadji.

Der Terror kam nicht unangemeldet, erzählt der Händler Ali Tapsoba: «Zuerst haben sie die Bars angegriffen, und die Motorräder davor verbrannt. Dann kamen sie und töteten den Pfarrer, zwei Monate später den Imam und weitere Einwohner. Darum sind wir hierhergekommen.»

Ali Tabsoba
Legende: Samuel Burri/SRF

Die Angriffe auf Dörfer laufen immer ähnlich ab. Das hat auch Filippo Grandi erfahren. Der Hochkommissar des Flüchtlingshilfswerks UNHCR hat die Sahelländer besucht und ist schockiert: «Vor unseren Augen sind vertriebene Menschen eingetroffen. Sie werden von der lokalen Bevölkerung untergebracht. Doch das wird immer schwieriger zu bewältigen.» Deshalb fordert die UNHCR mehr Geld von der internationalen Gemeinschaft.

Sieben Jahre Terror

Die ganze Sahelzone ist betroffen. Der Terror begann vor sieben Jahren in Mali, und hat sich nach Niger und Burkina Faso ausgebreitet. Der Hintergrund ist vielschichtig.

Einige Gruppen sind Islamisten, andere ethnisch motiviert. Alle profitieren davon, dass der Staat kaum existiert in der spärlich besiedelten Sahelregion. Einer bewaffneten Gruppe beizutreten, ist oft die einzige Chance auf einen sozialen Aufstieg.

Bisher wurde der Terrorismus im Sahel erfolglos bekämpft. Mali will nun erstmals mit einer Gruppierung verhandeln. Händler Ali Tapsoba glaubt nicht, dass das etwas bringt: «Wenn sie kommen, verhandeln sie nicht, sie greifen an. Mit ihnen zu diskutieren wird sehr kompliziert.»

Besser findet er den Plan der Regierung Burkina Fasos, Zivilisten mit Gewehren auszurüsten. Doch mit Waffen alleine lässt sich die Gewalt in der Sahelzone kaum beenden.

«Heute Morgen», 11.2.2020, 7 Uhr

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Manuela Fitzi  (Mano)
    In ethnischen Konflikten ist das Bevölkerungswachstum die effektivste Waffe, um die andere Völkergruppe zu besiegen. Die UNO wird mittel- langfristig nicht um das Schwerpunktthema Familienplanung herumkommen. Wenn Kinder massenhaft zu einem bestimmten Zweck zur Welt kommen, werden immer mehr Kinder und Menschen in Elend landen - und die UNO wird immer mehr Geld für immer aussichtslosere Sachen verlangen. Das Problem am Wurzel zu packen war aber nie ihre Stärke.
    1. Antwort von Reto Camenisch  (Horatio)
      Die UNO ist nicht eine Weltregierung! So kann sie nur das tun, was ihre Mitglieder mit den verschiedensten Interessen auch zulassen.
    2. Antwort von Manuela Fitzi  (Mano)
      Na dann, Herr Camenisch. Wenn von so einem Weltapparat mehr nicht zu erwarten ist, dann sterben halt Kinder massenhaft weiter. Brutal, wie es tönt, muss man das hinnehmen.
    3. Antwort von Walter Matzler  (wmatz)
      Die UNO kann offenbar (fast) nichts tun. Weshalb sind wir dann Mitglied der UNO? Möglicherweise nur, weil sich ein paar Politiker einen Honigjob ergattern konnten. Habe vor Jahren die Geliebte eines UNO-Mitarbeiters gekannt und nach deren Aussagen hat ihr Freund ausser Festen nichts gemacht.
  • Kommentar von jean-claude albert heusser  (jeani)
    Die ewigen Glaubens kriege und ethnischen Verfolgungen und Vertreibung en seit es Menschen gibt ist ja nichts neues!
    Also hört endlich auf mit diesem "Glauben und Religion"!
    1. Antwort von Lothar Drack  (samSok)
      „...Plan der Regierung Burkina Fasos, Zivilisten mit Gewehren auszurüsten.“ Haben Sie diesen Satzteil auch gesehen, Herr Heusser? Also zudem noch den Teufel mit dem Beelzebub austreiben!