Zum Inhalt springen

Header

Audio
Chinas Regierung unter Druck
Aus SRF 4 News aktuell vom 07.02.2020.
abspielen. Laufzeit 04:47 Minuten.
Inhalt

Tod von chinesischem Arzt «Li Wenliang wird als Held bezeichnet»

Widersprüchliche Meldungen zum Tod eines chinesischen Arztes sorgten in den letzten Stunden weltweit für Aufsehen. Der Arzt Li Wenliang, der die Behörden in China als einer der ersten vor dem neuartigen Virus gewarnt hatte, soll nun selbst am Corona-Virus gestorben sein. Doch auf die Todesmeldung folgte eine weitere Meldung aus China, wonach der Mann gar nicht gestorben sei, sondern man versuche, ihn wiederzubeleben. Was denn nun? China-Korrespondent Martin Aldrovandi über die verwirrenden Informationen und eine chinesische Regierung, die wegen des Virus immer stärker in die Kritik gerät.

Martin Aldrovandi

Martin Aldrovandi

Nordostasien-Korrespondent, SRF

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Martin Aldrovandi ist seit 2016 Korrespondent für Radio SRF in Nordostasien mit Sitz in Schanghai. Zuvor hatte er mehrere Jahre lang als freier Journalist aus dem chinesischsprachigen Raum berichtet.

SRF News: Ist Li Wenliang nun tatsächlich tot?

Martin Aldrovandi: Ja, Der Tod Wenliangs wurde vom Spital bestätigt und auch die offiziellen Medien haben das so gemeldet. Kurz vor drei Uhr morgens chinesischer Zeit ist er gestorben.

Es gab widersprüchliche Angaben zum Tode des Arztes – wieso?

In den sozialen Medien gestern Abend gab es Beileidsbekundungen, doch plötzlich korrigierten die offiziellen Medien ihre Meldungen und schrieben, dass sich sich Li Wenliang in einem kritischen Zustand befinde und dass versucht werde, ihn wiederzubeleben.

Die Regierung hat Informationen an die Medien in diesem Fall geändert. Was könnte der Grund dafür sein?

Die Anteilnahme der Chinesen, vor allem in den sozialen Medien, war immens. Wenliang wird in Beiträgen und Kommentaren auch als Held bezeichnet. Zusätzlich herrscht eine grosse Wut auf die Behörden und Regierung, zum Teil gab es auch Kritik am System und der fehlenden Meinungsfreiheit.

Frau in China mit Maske.
Legende: Die Behörden geraten wegen des Corona-Virus immer stärker unter Druck. Keystone

Li Wenliang ist nicht einfach ein weiterer Todesfall in dieser Virus-Krise, sondern er war ein Whistleblower. Er wollte bereits früh auf die Gefahren des Virus aufmerksam machen, wurde aber von den Behörden zum Schweigen gebracht. Die Leute hier sind richtig sauer und es ist gut möglich, dass die Behörden mit der Änderung der Informationen etwas Druck herausnehmen wollten.

Steht die Führung wegen des Virus unter noch grösserem Druck?

Viele Lokalbehörden wurden schon bestraft. Die Medien versuchen, dass die Kritik vor allem in Richtung Lokal- und Provinzregierung geht.

Es zeigt sich eine gewisse Verunsicherung der Regierung – wie sie damit umgehen soll, auch mit dem Informationsfluss.

Zudem gibt es auch heftige Kritik an der Zentralregierung, an der Führung in Peking. Nicht in den offiziellen Medien, aber eben in den sozialen Medien, teils versteckt oder auch in kleinen Chat-Gruppen.

Die Trauer über den Tod von Wenliang ist gross

Ist weiter mit solch widersprüchlichen Meldungen und mit Korrekturen in Bezug auf das Corona-Virus zu rechnen?

Ja, es zeigt sich eine gewisse Verunsicherung von Seiten der Behörden und der Regierung – wie sie damit umgehen sollen, auch mit dem Informationsfluss. Was will man zensieren, was nicht? Wie weit will man überhaupt Kritik im Netz zulassen? Ab wann soll sie gelöscht werden?

SRF 4 News, 7.2.2020, 07:20 Uhr

Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

21 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Ulrike Schneider  (Uli)
    Warum? Mich würde eher interessieren wieso er an dem Coronavirus gestorben ist, wenn man sagt der Virus wäre nur für ältere oder sonst gesundheitlich angeschlagene Menschen tödlich. Jung war er, war er gesundheitlich angeschlagen? Oder ist man sich da wieder nicht so sicher und hintergeht man hier wieder die Menschheit.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Harald Buchmann  (Harald_Buchmann)
    Nein er war eben kein Whistleblower, denn er hat eine Gefahr behauptet als diese noch nicht wissenschaftlich abgeklärt war. Klar kann man sagen, hätte man auf ihn gehört. Jetzt ex post weil er zufällig richtig lag. Ex ante war das aber nicht klar und unnötige Panik ist genauso gefährlich.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von René Balli  (René Balli)
      @Buchmann: Soviel ich verstehe, ist die Ausbildung zum Arzt eine wissenschaftliche Ausbildung und somit ist ein Arzt sehr wohl imstande, Viren zu identifizieren. Ein Arzt kommt in der Regel als erster in Kontakt mit Menschen mit Symptomen, sicherlich viel eher als ein Laborant in einer Pharmafirma. Ausserdem ist es im Fall von Viren sicherlich ratsam, eher zu früh als spät zu reagieren. Ihre Verteidigung der Chinesischen Regierung macht für mich überhaupt keinen Sinn.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Andreas Müller  (Hugh Everett)
      Würden wir auf jeden hören der irgend einer Gefahr in einem Chat warnt, na dann Prost. Li Wenliang warnte vor etwas, dass man noch gar nicht identifiziert hatte. Am 31.12.19 waren n Wuhan 44 Fälle einer Lungenentzündung bekannt mit unbekannter Ursache. Man kann in dem Fall schon warnen, nur wovor? Erst am 7.1.20 waren die analytischen Tools (PCR) fertig und wurden von China auch sofort in alle Welt verschickt. Li Wenliang nun nachträglich zum Helden zu stilisieren ist falsch.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von Reto Camenisch  (Horatio)
      Li Wenliang sagte schon früher, dass es ein SARS-ähnlicher Virus sei!!! Er wurde bestraft, wie jetzt auch Lokal- und Regionalbehörden.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Jörg Frey  (giogio)
    Wo sind jetzt die China-Jubler, die die Chinesische Regierung so toll finden? Der Arzt führt uns vor, wie die Regierung mit ihren ständigen Lobhudeleien auf sich selber und ihrer Diktatur das eigene Volk belügt, gängelt und es in eine gesundheitliche Katastrophe führt.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Harald Buchmann  (Harald_Buchmann)
      Blödsinn. Es gibt täglich Leute die vor Millionen Dingen warnen. Jetzt lag zufällig mal einer richtig. Ich bin dennoch froh dass in China Informationen normalerweise zuerst seriös abgeklärt und erst dann verbreitet werden. Alles andere sind Gerüchte und mehr gefährlich als nützlich.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von marlene Zelger  (Marlene Zelger)
      Ja und bezahlten musste der Arzt, der das Volk warnte, mit dem Tod. Bedauerlich.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von Andreas Müller  (Hugh Everett)
      Soll die Chinesische Regierung jedem Gerücht Raum bieten? Wäre das richtig Herr Frey? Was glauben sie was passiert, wenn 1.4 Milliarden Menschen plötzlich in Panik wegen einer dummen übertriebenen Meldung losrennen? Die Zahle der Opfer wäre wohl wesentlich höher. Natürlich kämen dann genau so Leute wie sie mit dem Vorwurf die Chinesischer Regierung hätte besser zuwarten sollen.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    4. Antwort von Christa Wüstner  (Saleve2)
      Frau Zelger, er hat nicht das Volk gewarnt, sondern Kollegen. In China
      Wäre es nicht möglich gewesen, an offizielle Medien zu treten. Zum
      Glück hat auf diese Warnung die Regierung reagiert, das musste sie wohl
      In diesem Moment und das war die erste offizielle Information Chinas.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen

Mehr aus InternationalLandingpage öffnen

Nach links scrollen Nach rechts scrollen