Er rannte los, ohne zu zögern: Ein Mann in weissem Hemd stürmt über einen Parkplatz am Bondi Beach, direkt auf einen bewaffneten Angreifer zu. Sekunden später ringt er dem Schützen das Gewehr aus den Händen – eine Szene, die sich am Sonntag während des tödlichen Angriffs auf eine jüdische Chanukka-Feier in Sydney abspielte und inzwischen um die Welt geht. Bei dem Anschlag wurden 16 Menschen getötet, Dutzende wurden verletzt.
Auf den Aufnahmen, die sich rasch in sozialen Medien verbreiteten, ist zu sehen, wie der Mann in einem weissen Hemd auf einen bewaffneten Mann in dunkler Kleidung zuläuft.
Er stösst ihn von hinten zu Boden, entreisst ihm das Gewehr und richtet es kurz auf den Angreifer, bevor er die Waffe auf den Boden legt. Der Schütze stolpert zurück in Richtung einer Brücke, wo sich ein weiterer Angreifer befindet. Die Agentur Reuters bestätigte die Echtheit des Videos anhand verifizierter Aufnahmen und identifizierte die bewaffneten Männer als dieselben, die später von der Polizei umstellt wurden.
Held im Spital
Bei dem Mann im weissen Hemd handelt es um Ahmed al-Ahmed, einen 43 Jahre alten Obstladenbesitzer und zweifachen Vater. «Mein Sohn ist ein Held», sagte Vater Mohamed Fateh al-Ahmed auf Arabisch dem Sender ABC. Sein Sohn sei seit 2006 in Australien und australischer Staatsbürger. Die Eltern sagten dem Sender, sie seien erst vor einigen Monaten aus Syrien nach Sydney gekommen, wo ihr Sohn lebe. Sein Sohn habe mit einem Freund Kaffee trinken wollen, als die beiden die bewaffneten Männer gesehen hätten, erzählte der Vater gemäss der Übersetzung des Senders.
Dieser Mann ist ein wahrer Held. Ich habe keinen Zweifel, dass heute Abend viele Menschen dank seiner Tapferkeit noch am Leben sind.
Dem australischen Sender ABC zufolge erlitt Ahmed al-Ahmed Schusswunden in der Schulter und musste mehrfach operiert werden. Die Schusswunden soll ihm der zweite Angreifer zugefügt haben, der von einer Brücke aus schoss.
Mohammed al-Ahmed, ein Cousin des Vaters von Ahmed al-Ahmed, sagte der Deutschen Presse-Agentur, der Gesundheitszustand des Mannes sei mittlerweile stabil. Eine Spendenaktion zugunsten des Mannes hat demnach innerhalb von zwölf Stunden mehr als 550'000 australische Dollar (290'785 Fr.) eingebracht.
Reaktionen und Lob für den Helden
In den sozialen Medien wird der eingreifende Mann als «Held» gefeiert. Die Aufnahmen wurden im Netz millionenfach geklickt. «Dieser australische Mann hat unzählige Leben gerettet», schrieb ein Nutzer auf X. Chris Minns, Premier des Bundesstaates New South Wales, sprach von der «unglaublichsten Szene», die er je gesehen habe. «Dieser Mann ist ein wahrer Held, und ich habe keinen Zweifel, dass heute Abend viele Menschen dank seiner Tapferkeit noch am Leben sind.»
Premierminister Anthony Albanese lobte die «Australier, die auf die Gefahr zugelaufen sind, um anderen zu helfen». «Diese Australier sind Helden, und ihre Tapferkeit hat Leben gerettet», sagte er.