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Was erhofft sich Peking von der Europareise des Aussenministers?
Aus SRF 4 News aktuell vom 28.08.2020.
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Tour durch Europa Chinas Aussenminister macht auf Schadensbegrenzung

Aussenminister Wang Yi putzt in Europa Klinken. Derweil werden in Hongkong Kritiker des Sicherheitsgesetzes verhaftet.

Chinas Aussenminister Wang Yi ist derzeit auf Europareise. Er wirbt für sein Land. Doch diese Reise wird, neben der Coronakrise, auch überschattet von den Ereignissen in Hongkong: Dort wurden am Donnerstag zwei führende oppositionelle Abgeordnete sowie 14 Aktivistinnen und Aktivisten festgenommen. Sie hatten das neue Sicherheitsgesetz kritisiert.

Wenn sich Menschen in Hongkong nicht frei äussern können, sorgt das in Europa für Kritik. Doch gerade das sei einer der Gründe für die Goodwill-Tour durch Europa, sagt China-Korrespondent Martin Aldrovandi. «Laut Yi geht es bei seiner Europareise nicht nur um die Bekämpfung der Viruskrise, sondern auch darum, die Beziehungen zwischen Europa und China zu stärken.»

Auftakt in Italien

Seit die USA und China auf Konfrontationskurs sind, versuche China, sich stärker auf Europa zu konzentrieren. «Ein Zufall ist diese Reise sicher nicht», sagt der Korrespondent. Sie begann am Dienstag in Italien. Einem Land, dessen vorherige Regierung vergleichsweise China-freundlich war. «Aber auch dort ist man zunehmend kritischer geworden gegenüber China.» Und auch im Rest von Europa habe die Kritik an China deutlich zugenommen.

Aussenminister wird mit Ellbogen begrüsst in Norwegen
Legende: Chinas Aussenminister wird von seiner norwegischen Amtskollegin Eriksen Soreide mit dem Ellbogen begrüsst. Bei der Pressekonferenz wehrte er kritische Fragen zu Hongkong ab. Reuters

Auf der Liste der Länder, die Yi besucht, sind die Niederlande, Frankreich, Deutschland und Norwegen. «Deutschland ist besonders wichtig, das darf nicht fehlen», sagt Aldrovandi. Denn Deutschland habe den chinesischen Telekomkonzern Huawei noch nicht vom 5G-Netz ausgeschlossen – trotz Druck aus den USA. Aber auch der Besuch in Norwegen sei bedeutsam.

Annäherung an Norwegen

«Einerseits kommt das Land in den UNO-Sicherheitsrat, und andererseits hatten China und Norwegen eine Zeit lang ganz schlechte Beziehungen.» 2010 erhielt Liu Xiaobo in Oslo den Friedensnobelpreis, zum Missfallen Chinas. «Inzwischen haben sich die beiden Länder aber wieder gefunden, und sie verhandeln seit einiger Zeit sogar an einem Freihandelsabkommen.»

Was erhofft sich die Führung in Peking von dem Europabesuch? Die chinesische Regierung wolle verhindern, dass die europäischen Staaten einen ähnlichen Kurs einschlagen wie die US-Regierung und auf Konfrontation zu China gehen. «Das heisst, man möchte bessere Beziehungen», so Aldrovandi.

Der chinesische Blick auf Europa in der Coronakrise

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Alltagsszene in China
Legende: Keystone

Viele sehen Europa in der Coronakrise als Problem. In China selbst geht man wieder aus dem Haus. Viele Leute tragen keine Schutzmasken mehr. Man hat sich entspannt. Es gab verschiedene Bilder, auch in den europäischen Medien, davon, wie die Chinesen zum Teil sogar wieder feiern. Man hat das Gefühl, dass die Krise jetzt in Europa ist. Es gibt auch viel Kritik in der chinesischen Bevölkerung am Umgang des Westens mit der Viruskrise. Man haben zu lange gewartet. Man lobt die eigene chinesische Regierung, diese habe sehr schnell und zum Teil auch sehr drastisch gehandelt, um diese Krise einzudämmen.

«Beobachter sprechen von Schadensbegrenzung, weil Europa China immer kritischer sieht – wegen Hongkong, aber auch wegen der Unterdrückung der Uiguren.» Doch was kann da der Besuch des Aussenministers ausrichten?

Reise mit Symbolkraft

«Seine Reise ist sicher ein Zeichen und hat grosse Symbolik.» Ob sich die europäischen Länder davon beeindrucken lassen, ist allerdings offen. In Rom kam es zu Protesten gegen Yis Besuch. «Und in Norwegen gab es Fragen wegen eines möglichen Friedensnobelpreises für Hongkonger Aktivisten», weiss der China-Korrespondent. Diese habe Yi natürlich abgetan.

Aber er konnte sich zur Coronakrise äussern und sagen, dass es gar nicht sicher sei, dass das Virus aus China stamme. «Er konnte so also auch ein bisschen von diesem Ursprung in China ablenken», erklärt Aldrovandi.

SRF 4 News, 28.08.2020, 07:55 Uhr;

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Jürg Elsener  (Jelsi)
    erstaunlich, dass die Tatsache, dass china hauptverantwortlich ist für die Freisetzung, geplant oder nicht geplant, des wuhan virus, mit keiner silbe erwähnt wird. stattdessen wird die propaganda wiederholt, dass der Westen selber schuld sei an der misere. eine frechheit sondergleichen.
  • Kommentar von Alain Andrey  (Alarey)
    Das diese Verbrecher von der kommunistischen Diktatur aus China frei in Europa herumreisen können und nicht bei ihrer Einreise direkt verhaftet werden und vor das Internationale Gericht in Den Haag gestellt werden ist ein Hohn für alle beschützer von Menschenrechten.
  • Kommentar von Marc Grut  (Pandas)
    Die Kommunistische Partei Chinas ist meiner Meinung nach die derzeit grösste Bedrohung für freie Länder und Demokratien. Damit sind nicht die chinesen allgemein gemeint sondern die Führung welche grausame Verbrechen gegen ihr eigenes Volk begannen hat (100mio Tote während Kultur. Revolution, Tibet, Uiguren, Falun Gong,.. ) und die krasse systematische Zensierung des Internets, Diebstahl von geistigem Eigentum etc.
    1. Antwort von Misra Namana  (Misra Namana)
      Nebenbei hat China fast eine Milliarde Menschen aus der Armut geholfen. Wir haben die Weltkriege zu verantworten und versuchen uns auch eines besseren. Doch mit den USA ist das schwierig, denn sie sind noch in der 2 Weltkriegsära geblieben uns sehen Krieg als probates Mittel zur Problemlösung. Die KP hat sich jedoch sehr gewandelt und ist weltoffener denn je. Die Probleme Chinas finden wir in unserer Westlichen Welt auch, und auch umgekehrt.
    2. Antwort von Andy Gasser  (agasser)
      @Namana: China hat kurzerhand die Definition von Armut auf 1USD/Tag gesenkt und konnte so quasi über Nacht 1 Milliarde Menschen aus der "Armut" befreien. Eine wirklich tolle Leistung die Anerkennung verdient?
    3. Antwort von Delmar Lose  (DeLo)
      Man kann sagen das China das getan hat oder aber auch all die Manager die Jobs ausgelagert haben. Am ende ist ganz klar das nicht die Partei sondern die Arbeiter das ereicht haben, leider aber ausgebäuted werden. Dieses Argument hinkt so stark, ich finde es total unangebracht!
    4. Antwort von Jörg Frey  (giogio)
      Misra Namana: In China herrscht auf den Land bitterste Armut und die Leute werden dort als Wanderarbeiter und Fabrikarbeiterinnen versklavt. Aber das wird von den staatskapitalistischen Diktatoren ständig unter den Teppich gewischt, weil es gar nicht zum Hochglanzimage der Staatspropagandisten und den ständig lügenden Diplomaten passt. So geht das in China!!