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Bali: Coronavirus offenbart Abhängigkeit vom Tourismus
Aus HeuteMorgen vom 14.05.2020.
abspielen. Laufzeit 02:38 Minuten.
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Tourismuskrise auf Bali Corona als Fluch für die Balinesen und als Segen für die Insel?

80 Prozent der Balinesen sind vom Tourismus abhängig – eine ungesunde Abhängigkeit, wie sich in Corona-Zeiten zeigt.

Vor Corona gehörte die typische Gamelan-Musik zur Begrüssung in vielen Hotel-Lobbys und zum Inselcharme von Bali. Nun schweigen die Instrumente allerdings. Tausende von Hotels sind geschlossen. «Die wenigen Hotels, die noch offen sind, haben eine Auslastung von einem oder zwei Prozent. Damit kann man nicht einmal die Stromrechnung bezahlen – und sicher nicht die Löhne der Angestellten», sagt John Daniels von der Reiseagentur Bali Discovery Tours.

Die wenigen Hotels, die noch offen sind, haben eine Auslastung von einem oder zwei Prozent.
Autor: John DanielsBali Discovery Tours

Bombenanschläge und Vulkanausbrüche hatten Touristen schon in früheren Jahren zeitweise von der Insel ferngehalten. Nie aber stand der Wirtschaftsmotor der Insel so vollständig still wie jetzt. Es sei eine Katastrophe, sagt Sam Huang, Tourismus-Professor der Edith Cowen University in Australien: «Es ist ein Desaster.»

Leerer Strand in Bali
Legende: Der kilometerlange Sandstrand von Kuta ist zurzeit fast menschenleer. Keystone

Abhängig vom Tourismus

Bali hänge fast vollständig vom Tourismus ab, so Huang. Es werde deshalb lange dauern, bis sich die Wirtschaft erholt habe und die Touristen auf die Insel zurückkehren würden. «Ich würde der balinesischen Lokalregierung dringend raten, ihre Wirtschaft zu diversifizieren – zum Beispiel mehr in die Landwirtschaft oder die Industrie zu investieren, statt einzig auf den Tourismus zu setzen», so der Tourismus-Professor.

Ich würde der balinesischen Lokalregierung dringend raten, ihre Wirtschaft zu diversifizieren.
Autor: Sam HuangProfessor für Tourismus

Bali zahlte schon vor Corona einen hohen Preis für seinen ungezügelten Massentourismus. Mit Müll bedeckte Strände und Hotels, die Wand an Wand aus dem Boden gestampft wurden, passten längst nicht mehr zum paradiesischen Bild der Hochglanzprospekte.

Krise als Ausweg?

Bagus Sudibya von der Vereinigung der indonesischen Reiseagenturen von Bali hofft, dass die Inselbewohner aus der Krise lernen und sich auf ein altes Lebensprinzip von Bali besinnen: «Tri Hita Karana» – ein Leben in Einklang mit den Mitmenschen, der Natur und Gott.

Tourismus muss in Zukunft mehr der lokalen Bevölkerung zugutekommen.
Autor: Bagus SudibyaVereinigung der indonesischen Reiseagenturen von Bali

«Tourismus muss in Zukunft mehr der lokalen Bevölkerung zugutekommen», fordert Sudibya. «Zum Beispiel mit Gästehäusern in Dörfern, die weder die Natur noch unsere Kultur stören.»

Professor Sam Huang glaubt, dass die Touristen nicht vor Ende Jahr auf die Insel zurückkommen werden. Und Daniels von Bali Discovery Tours prophezeit: «Wahrscheinlich wird die Tourismusindustrie schrumpfen. Das könnte das Ende des Massentourismus und chinesischer Tour-Gruppen bedeuten.»

Leere Abflughalle am Flughafen Denpasar
Legende: Gähnende Leere am Flughafen – so bald kommen die Touristen nicht nach Bali. Keystone

Viel Hotels werden Krise nicht überleben

Viele Hotels werden die anhaltende Durststrecke wohl nicht überleben, trotz Steuererleichterungen und finanzieller Unterstützung der Regierung. Das ist schlimm für die Tausenden von Balinesen, die bereits jetzt ihre Arbeit verloren haben. Für die Insel jedoch könnte es ein Segen sein.

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12 Kommentare

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  • Kommentar von Karl Kirchhoff  (Charly)
    Für Europäer ist Bali vielleicht eine paradiesische Ferieninsel. Für die Australier das, was für die Europäer Mallorca ist. Eine billige Partymeile.
  • Kommentar von Bendicht Häberli  (bendicht.haeberli)
    "Ich würde der balinesischen Lokalregierung dringend raten, ihre Wirtschaft zu diversifizieren...." Absolut richtig erkannt von Herrn Sam Huang. Vorzeigemodell ist die Schweiz: Nebst Tourismus hat es Industrie, Dienstleistung, Handel, Energie, Nahrung usw.
    Leider werden die Anliegen der Natur weltweit (auch in der Schweiz) zu wenig berücksichtigt. - Ohne gross zu überlegen, hat sich der Zweibeiner als Alleinherrscher ernennt. Dies könnte sich brutal rächen!
  • Kommentar von Steve Gilgen  (GoForIt)
    Back to the roots! Bali mit seiner unnachahmbaren Kultur kommt so evt. schneller zurück zum Ursprünglichen. Der massiv zu grosse internationale Airport war der Auslöser der viralen Touristen-Welle, welche Bali dauerhaft überflutete. Wünsche der wundervollen Insel samt Bewohnern viel Glück mit einer restriktiven Einreise-Bestimmung.
    1. Antwort von Margot Helmers  (Margot Helmers)
      Was heisst hier "back to the roots"? Bali hat keine anderen Recourcen als Massentourismus und es ist auch nichts verwerfliches daran. Es muss halt gut organisiert und bewirtschaftet werden von den politischen Verantwortlichen. Warum gibt es 2020 immer noch keine Müllverbrennungsanlage? Gerade bei einer Insel kann man relativ leicht kontrollieren und managen, was für Produkte zugelassen sind: Plastikflaschen und Plastiksäcke verbieten, hohe Strafen bei Umweltverschmuzung, usw.