Das Gebäude ist fast so gross wie der Buckingham Palast und soll bald die grösste Botschaft Chinas in Europa beherbergen – und wohl auch die umstrittenste. Vor einigen Jahren hat China das Gebäude im Herzen von London für rund 250 Millionen Franken gekauft und hält seither britische Sicherheitspolitiker auf Trab.
Nicht der benachbarte Tower, in dem die britischen Kronjuwelen aufbewahrt werden, bereitet ihnen Sorgen, sondern die unmittelbare Nähe zu den grossen Banken der City of London.
Auf den Bauplänen der Botschaft, die kürzlich durch eine Indiskretion öffentlich wurden, sind unzählige unterirdische Räume verzeichnet, deren Zweck unbekannt ist. Bekannt ist dagegen, dass unmittelbar neben diesen Kellerräumen die Glasfaserkabel des Finanzplatzes von London durch das Erdreich verlaufen.
China ist eine wachsende Bedrohung für das Vereinigte Königreich.
Die Gefahr, dass China diese Glasfaserkabel anzapfe, sei so real wie gross, warnte der ehemalige konservative Parteichef, Iain Duncan Smith, gegenüber der BBC: «China ist eine wachsende Bedrohung für das Vereinigte Königreich – und nicht nur für uns, sondern für die meisten westlichen Demokratien.»
Pekings aggressives Vorgehen
China will eine neue Weltordnung und geht dabei äusserst aggressiv vor. Geheimdienstberichte zeigen, dass China mittlerweile fast alle Bereiche der britischen Wirtschaft infiltriert hat.
Zahlreiche Kritikerinnen und Kritiker im britischen Parlament befürchten, dass die Labour-Regierung wider besseres Wissen eine Basis für Spione bewilligt hat. Die Bedenken sind nicht unbegründet. Das Verhältnis zwischen London und Peking ist nicht ganz ungetrübt.
Vor zwei Jahren informierte der damalige Innenminister das Unterhaus, der britische Geheimdienst habe chinesische Spionagesoftware auf den Computern von Mitgliedern des Parlaments gefunden.
Wirtschaftliche Abhängigkeiten
Die britische Regierung, in deren Händen die Entscheidung liegt, liess heute verlauten, dass man alle Bedenken mit grösster Sorgfalt abgewogen habe.
Das wird zweifellos so sein, denn in wenigen Tagen wird Premierminister Keir Starmer zu einem Staatsbesuch in Peking erwartet. Und wenn er sein zentrales Wahlversprechen einlösen will, die Wirtschaft neu zu beleben, wird ein einvernehmliches Verhältnis mit China unvermeidbar sein.
Politische Amnesie
Jene konservativen Politiker wiederum, welche Starmer nun vorwerfen, fahrlässig ein trojanisches Pferd im Herzen von London willkommen zu heissen, leiden an politischer Amnesie, an Gedächtnisverlust.
Der Mann, der den Chinesen das Gebäude im Herzen von London einst für 250 Millionen Franken vermittelt hat, war ein enger Berater von Boris Johnson, dem damaligen konservativen Premierminister.