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Legende: Video Präsident Trump überschreitet Grenze zu Nordkorea abspielen. Laufzeit 05:06 Minuten.
Aus Tagesschau vom 30.06.2019.
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Trump trifft Kim Nur ein paar Schritte – aber ein Meilenstein

Das Treffen zwischen Trump und Kim im symbolträchtigen Panmunjom war historisch. Egal, was es am Ende bringt.

Was immer man von US-Präsident Donald Trump halten mag – und übrigens auch von Kim Jong-un: Die Tatsache, dass sich die beiden in der entmilitarisierten Zone zwischen den beiden Koreas trafen, ist eine gute Nachricht.

Mag das Treffen auch nicht ganz so spontan zustande gekommen sein, wie die Trump-Mannschaft glauben machte. Mag es zudem keine substantiellen Ergebnisse gebracht haben. Und mögen es manche als über Twitter organisiertes «Speed-Dating», als blossen Fototermin belächeln – es war wichtig. Und dringend nötig.

Treffen eröffnet neue Chancen

Nach dem gescheiterten Trump-Kim-Gipfel im Februar in Hanoi war das Verhältnis zwischen Washington und Pjöngjang in den letzten Monaten wieder vergiftet. Das Gefahrenbarometer stieg kräftig an. Trumps wenige Schritte auf nordkoreanischem Boden und danach das fast einstündige Treffen mit Kim eröffnen hingegen jetzt die Chance, dass die Annäherungspolitik weitergeht. Und vielleicht irgendwann tatsächlich Ergebnisse bringt.

Man sollte nicht vergessen: Es ist noch nicht lange her, da galt es als undenkbar, dass ein US-Präsident Nordkorea besucht, wenn auch nur minutenkurz und zwanzig Meter weit.

Dass das nun ausgerechnet an der Waffenstillstandslinie in Panmunjom geschah, ist ein gutes Signal. Denn einen symbolträchtigeren Ort als diesen, wo übrigens zurzeit der Schweizer Divisionär Patrick Gauchat das Kommando führt, gibt es nicht. Der Ort zeigt auch, wie sehr Südkorea und dessen Präsident Moon Jae-in zu dieser Begegnung beitrugen.

Auf der Agenda steht immer noch die Abrüstung

Nun, nachdem das Eis erneut gebrochen ist, kann, ja muss man wieder über die Substanz reden. Über den Rückbau des nordkoreanischen Atomprogramms und die Aufhebung der Sanktionen. Noch ist keine einzige von Kims Atombomben weg, keine einzige seiner Raketen. Die Abrüstung kommt keinen Millimeter vom Fleck. Aber auch die internationalen Sanktionen gelten offiziell noch vollumfänglich – wenngleich man den Eindruck hat, dass zumindest China und Russland sie zunehmend unterlaufen.

Darüber gilt es nun wieder zu reden, nachdem die Verhandlungen seit Ende Februar weitgehend blockiert waren.

Kims Vertrauen gewinnen

Und letztlich geht es um eines: Vertrauen, Vertrauen, Vertrauen. Die einzige Chance, dass das Kim-Regime jemals auf seine Atomwaffen verzichtet, liegt nicht in Druck, nicht in Gegengeschäften, sondern allein darin, dass man in Pjöngjang felsenfest davon überzeugt ist, dass die Amerikaner keinen Regimesturz planen. Es kann Jahre dauern, bis dieses Vertrauen hergestellt ist.

Trump hat es geschafft, Bewegung in die amerikanische Nordkorea-Politik zu bringen. Ob der irrlichternde, notorisch unberechenbare Trump allerdings auch der Richtige ist, das zwingend nötige Vertrauen in die Verlässlichkeit der USA herzustellen, ist eine andere Frage. Und ob Kim das Selbstvertrauen besitzt, um sich ein Nachgeben zu erlauben, weiss ebenfalls niemand.

Aber immerhin ist die Tür nun wieder offen, eine Beilegung des Nordkoreakonflikts zumindest anzugehen.

Fredy Gsteiger

Fredy Gsteiger

Diplomatischer Korrespondent, SRF

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Der diplomatische Korrespondent ist stellvertretender Chefredaktor bei Radio SRF. Vor seiner Radiotätigkeit war er Auslandredaktor beim «St. Galler Tagblatt», Nahost-Redaktor und Paris-Korrespondent der «Zeit» sowie Chefredaktor der «Weltwoche».

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22 Kommentare

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  • Kommentar von Thomas F. Koch  (dopp.ex)
    Und jetzt soll Trump bitte genau das Gleiche mit der ebenso despotischen iranischen Führung machen und die Hand als gutes Zeichen zu friedlichen Absichten reichen. Die (offiellen) Primärziele sind doch die Gleichen - Frieden in der Region und keine A-Waffen für den Iran.
    Im Gegensatz zu Süd-Korea und China im Fall NK, wird er aber von den Verbündeten Israel und Saudi Arabien dort für dieses Ziel nicht unterstützt. Und es wird offen ein Regimewechsel in Teheran gefordert.
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  • Kommentar von Harald Buchmann  (Harald_Buchmann)
    Das ist in der Tat ein historischer Anlass, und zwar vor allem wegen dem Signal das Trump in die USA sendet. Der nächste US Präsident hat nun wenig Gründe nicht auch nach Nordkorea zu gehen. Politisch halte ich das Ende der Sanktionen für zentral. Solange NK mausarm ist, kann alles passieren. Hätten sie eine Entwicklung wie China oder schon nur wie Vietnam, dann wäre ein Atomkrieg völlig unrealistisch. GB und China haben die Bombe, selbst Israel, das stört auch keinen.
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  • Kommentar von Bruno Bär  (Wahrheitssucher)
    Showmen Trump kann offenbar viele blenden. Dieses angeblich spontane Treffen wird null und nichts an den Positionen ändern. Wenn wieder statt Höflichkeiten auszutauschen über Abrüstung gesprochen wird, werden wir sehen, dass es nur eine billige Show war. Man schiebt die Probleme einfach vor sich hin. Kim wird sicher nicht seine Lebensversicherung (sein Atomprogramm) aufgeben. Warum auch? Die USA rüsten ja auch nicht ab!
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