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Trump will Grönland Grönländische Ministerin: «Das würde unsere Kultur zerstören»

Wie weiter im Grönland-Konflikt? Vor dem Showdown zwischen Europa und Donald Trump schaltet sich nun die grönländische Regierung ein. Naaja Nathanielsen, grönländische Ministerin für Handel und Ressourcen, sagt im Interview, welche Erwartungen die Grönländische Regierung an die Europäischen Staats- und Regierungschefs vor dem Treffen am WEF mit Trump hat – und sendet eine klare Botschaft an den US-Präsidenten.

Naaja Nathanielsen

Grönländische Ministerin

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Naaja Hjelholt Nathanielsen, geboren am 6. Dezember 1975 in Tasiilaq Grönland, ist eine grönländische Politikerin der Partei Inuit Ataqatigiit und Psychologin. Seit 2021 bekleidete sie verschiedene Ministerposten bei der grönländischen Regierung. Seit 2023 ist Nathanielsen Ministerin für Handel und natürliche Ressourcen in Grönland.

SRF: Diskutieren Sie im Kabinett eine militärische Intervention der USA in Grönland?

Naaja Nathanielsen: Natürlich. Wir müssen alles ernst nehmen, was von der US-Administration kommt. Und die Botschaft war in den vergangenen Wochen ziemlich konsistent. Wir müssen alles in Betracht ziehen, was ich als Verbündete verheerend finde. Ich finde es inakzeptabel, dass man so mit einem Freund spricht, der nichts anderes getan hat, als zu kooperieren.

Trump will Grönland

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Donald Trump hat zuletzt immer wieder klargemacht: Er will das zu Dänemark gehörende Grönland übernehmen. Es sei «von entscheidender Bedeutung» für die internationale und nationale Sicherheit, Grönland zu übernehmen, sagte der US-Präsident. Er will Dänemark dazu bringen, den USA die Insel zu verkaufen. EU-Staaten schickten danach als Zeichen der Solidarität Soldaten zu einer Erkundungsmission nach Grönland.

Was erwarten Sie am WEF von den Europäischen Staatsspitzen?

Wir müssen unsere Zusammenarbeit fortsetzen und die Arbeit respektieren, die vor uns geleistet wurde. Denn das Völkerrecht wurde aufgrund einiger sehr dunkler Kapitel der Geschichte eingeführt. Ich hoffe deshalb, dass dies in den nächsten Tagen und Monaten bei allen führenden Politikern in Europa zuoberst im Bewusstsein ist.

Was ist Ihre Botschaft an Donald Trump?

Dass wir alle Ziele innerhalb des aktuellen Rahmens erreichen können. Anpassungen sind möglich, wenn es um die Bedenken der USA in Bezug auf nationale Sicherheit, den Zugang zu Rohstoffen und ähnlichen Themen geht. Darüber können wir gerne diskutieren. Aber wir haben eine rote Linie, wenn es um unsere Besetzung geht.

Donald Trump hat oft Bedrohungsszenarien durch China und Russland in der Arktis erwähnt. Sehen Sie diese Bedrohung im Alltag?

Nein. Gemäss unserem Kenntnisstand gibt es keine Bedrohung. Ich denke, da sind wir mit den USA einer Meinung, natürlich sollten Russland und China nicht Fuss fassen in Grönland. Dem widersetzen wir uns auch vehement.

Wie stehen Sie dazu, wenn China über die natürlichen Ressourcen Grönlands spricht?

Ich mache mir keine Sorgen, solange die investierenden Länder und Unternehmen unsere Regeln und Vorschriften einhalten. Ich sehe derzeit keine chinesischen Investitionen in Grönland. Mir sind aktuell nur zwei bekannt, und wir bekämpfen beide Lizenzen vor Gericht. Es gibt also bisher keinen nennenswerten Fortschritt chinesischer Investitionen im grönländischen Mineraliensektor. 

Wir haben nur eine einzige funktionierende Mine.

Gab es in letzter Zeit Versuche von Unternehmen, insbesondere amerikanischen, die Förderung von Rohstoffen voranzutreiben?

Tatsächlich haben wir eine Absichtserklärung mit den USA aus dem Jahr 2019, die mittlerweile ausgelaufen ist. Wir haben uns darauf gefreut, diese Vereinbarung zu erneuern, und haben darauf hingearbeitet. Allerdings sehen wir nicht viele amerikanische Investitionen. Wir sind ein Brachland, wenn es darum geht, den Mineraliensektor zu entwickeln. Wir haben nur eine einzige funktionierende Mine. Und Bergbau in Grönland ist sehr kompliziert.

Wenn die USA Grönland besetzen, welche Zukunft sehen Sie für Ihr Land?

Wenn wir besetzt würden, wäre das das Ende der grönländischen Gemeinschaft und des Landes. Das würden wir nicht akzeptieren. Das würde unsere Kultur zerstören.

Das Gespräch führte Barbara Lüthi.

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Club, 20.1.2026, 22:25 Uhr ; 

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