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Streit um Insel Grönland-Streit: Warum Russland mit Schadenfreude zuschaut

Donald Trump lässt derzeit keine Zweifel aufkommen: Die US-Regierung will Grönland unter ihre Kontrolle bringen; seinen Nato-Partnern droht Trump deshalb mit Strafzöllen. Wie blickt man in Russland auf die Annexionspläne der USA? Die Politologin Margarete Klein erklärt: durchaus ambivalent.

Margarete Klein

Politologin

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Margarete Klein leitet die Forschungsgruppe Osteuropa und Eurasien an der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in Berlin. Sie forscht zur Aussen- und Militärpolitik Russlands sowie zu Moskaus Verhältnis zur Nato.

Wie wird der Grönland-Streit in Russland diskutiert?

Für Russland ist er sowohl eine Gefahr als auch eine Chance. Russland ist in der Arktis ein mächtiger Akteur, der mehr beansprucht, als er derzeit kontrolliert. Ökonomisch ist die Arktis wichtig, weil Russland dort Rohstoffe fördert und ausserdem globale Handelsströme beeinflussen kann. Militärisch ist die Arktis für Russlands Nuklearstrategie wichtig, denn dort ist die russische Nordflotte stationiert. Auf der anderen Seite sieht man in Russland aber auch die strategischen Chancen des Grönland-Konflikts: Er stört das Binnenverhältnis der Nato.

Wie die USA ihren Anspruch auf Grönland rechtfertigen

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Donald Trump betont in den letzten Tagen und Wochen immer wieder, Grönland sei zentral für die Sicherheitsstrategie der USA. Unter anderem, weil sonst Russland oder China Grönland besetzen würden.

Dänemark und die Nato wären grundsätzlich bereit, die Militärpräsenz – auch die US-amerikanische – in Grönland zu erhöhen. Trump sagt aber: Grönland müsse offiziell zu den USA gehören.

Tatsächlich verfolgen sowohl China als auch Russland in der Arktis eine Expansionspolitik. Die dänische Armee hat aber klargestellt: Vor Grönland kreisten keine russischen oder chinesischen Schiffe oder U-Boote. Trump hatte das zuvor behauptet.

Gewisse russische Zeitungen äussern sich fast schon hämisch im Stil von «Europa sei nun verloren». Spürt man da eine gewisse Schadenfreude?

Absolut. Der strategische Gewinn ist, wie gesagt, der Bruch innerhalb der Nato, möglicherweise sogar ihr Ende, falls die USA tatsächlich militärisch intervenieren würden. Und das ist etwas, was man im Kreml fast mit Belustigung beobachtet. Das bindet die Aufmerksamkeit und lenkt sie von der Ukraine auf Grönland um.

Inwiefern ist es für Russland ein Vorteil, wenn die Aufmerksamkeit der Nato-Staaten so stark auf Grönland liegt?

Die Nato-Staaten wissen momentan nicht, ob sie in der Ukraine überhaupt noch auf langfristige amerikanische Unterstützung zählen können. Und die wäre zentral, um überhaupt einen abschreckenden Effekt auf Russland ausüben zu können. Frankreich und Grossbritannien können sich vorstellen, Truppen zu entsenden, aber nicht vorne an der Frontlinie, sondern weiter hinten. Deutschland möglicherweise in angrenzende Nato-Länder. Aber all das steht und fällt eigentlich mit der Unterstützung der USA.

Im Grunde wäre es für Russland militärisch, ökonomisch und geopolitisch durchaus ein Nachteil, wenn die USA Grönland annektieren würden.

Kreml-Sprecher Dmitri Peskow sagte diese Woche: Mit einer Annexion Grönlands würde Trump in die Geschichte eingehen auch wenn man nicht beurteilen wolle, ob das gut oder schlecht wäre. Das klingt fast so, als wolle man Trump anstacheln. Lesen Sie das auch so?

Ich würde das differenzierter sehen. Diese Ermunterungsversuche würde ich taktisch lesen als Versuch, die Nato zu spalten. Aber im Grunde wäre es für Russland militärisch, ökonomisch und geopolitisch durchaus ein Nachteil, wenn die USA Grönland annektieren würden. Die besondere Position, die Russland in der Arktis hat, wäre dann durch einen mächtigen Konkurrenten gefährdet.

Wo genau lägen die Nachteile für Russland, würde Grönland tatsächlich zu den USA gehören?

Russland verfolgt zurzeit wirklich grosse Projekte in der Region, beispielsweise die nördliche Seeroute oder die LNG-Terminals auf der sibirischen Halbinsel Yamal. Sollten die USA tatsächlich Grönland annektieren, dann wären sie ein wesentlich mächtigerer Player in der Region. Der Arktis-Rat, sollte er überhaupt noch bestehen, wäre deutlich anders strukturiert. Dieses Gremium hat Russland bis 2021 genutzt, um seine Interessen durchzusetzen. Und auch ökonomisch wären die USA besser in der Lage, diese Region auszubeuten. Die besondere Position von Russland in der Arktis wäre damit geschwächt.

Das Gespräch führte Raphaël Günther.

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SRF 4 News, 20.1.2026, 16:13 Uhr ; 

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