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Ist Trumps Besuch in Kenosha mehr als ein Wahlkampfauftritt?
Aus SRF 4 News aktuell vom 02.09.2020.
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Trumps Besuch in Kenosha USA-Expertin: «Wisconsin ist ein Puzzlestück zum Wahlerfolg»

US-Präsident Donald Trump hat Kenosha besucht, die Stadt im Bundesstaat Wisconsin, wo es Proteste gegen Polizeigewalt gibt, seit am 23. August ein Polizist einem Afroamerikaner siebenmal in den Rücken geschossen hat.

Der Besuch war sehr umstritten: Trump hat die Protestierenden kritisiert, die Gegenproteste seiner Anhänger aber verteidigt. Der Gouverneur von Wisconsin und der Bürgermeister von Kenosha hatten ihn gebeten, auf den Besuch zu verzichten. Dass der US-Präsident sich nicht davon abbringen liess, hat laut USA-Expertin Sarah Wagner mit der dortigen Wählerschaft zu tun.

Sarah Wagner

Sarah Wagner

Politologin

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Sarah Wagner ist USA-Expertin bei der Atlantischen Akademie, Link öffnet in einem neuen Fenster Rheinland-Pfalz in Kaiserslautern.

SRF News: Im Vorfeld hatte Donald Trump den Konflikt in Kenosha mit seinen Aussagen noch verstärkt. Wie war das nun bei seinem Besuch?

Er hat diese Tendenz nochmals unterstrichen. Trump ist nach Kenosha gereist, um sich in erster Linie mit jenen Menschen zu treffen, deren Häuser, deren Geschäfte abgebrannt sind im Zuge der Proteste – und natürlich auch, um der lokalen Polizei und der Nationalgarde seine Unterstützung auszusprechen.

Die heisse Wahlkampfphase hat begonnen. Trump möchte jetzt auch Bilder für die Vororte produzieren.

Sein Fokus lag klar auf dem Materiellen, nicht auf den Menschen. Er hat sich zum Beispiel nicht mit den Angehörigen von Jacob Blake getroffen, auch nicht mit den Angehörigen der getöteten oder verletzten Demonstranten.

Trump hat sich als Präsident inszeniert, der für Sicherheit sorgen kann. Warum setzt er so stark auf «Law and Order» in diesem Wahlkampf?

Die heisse Wahlkampfphase hat begonnen. Trump möchte nun auch Bilder für die Vororte produzieren, um einen Kontrast zu Joe Biden herzustellen. Trump geht es vor allem um weisse Wählerinnen, die er bei den Zwischenwahlen an die Demokraten verloren hat. Er baut darauf, dass diese ihn als «Law and Order»-Kandidaten sehen und ihre Unterstützung für «Black Lives Matter» schwindet. Er beschreibt eine apokalyptische Lage, die nur er in den Griff bekommen könne. Er suggeriert, dass das Chaos, die Proteste, die Gewalt in die Vororte schwappen und er der Einzige sei, der das beenden könne.

Ist Sicherheit wirklich das Thema, das die Leute am meisten beschäftigt?

Es ist noch etwas früh, das einzuschätzen. Aber es ist sein traditionelles Erfolgsrezept. Er setzt auf Ablenkung, Delegitimierung, eine anheizende Rhetorik. Das sieht man an seinen Reden, an seinen Tweets. Aber laut Umfragen ist die grösste Sorge der Amerikaner und Amerikanerinnen die Corona-Pandemie. Auch die Führungslosigkeit, die wirtschaftliche Lage und die Krankenversicherung sind zum Beispiel Themen, die sie beschäftigen.

Er richtet sich wie immer an seine Wählerbasis, nicht an alle Amerikaner.

Gleichzeitig wird Trump beim Thema Rassismus und Befriedung keine grosse Kompetenz eingeräumt. Es ist also ein Balanceakt für Trump, hier zu punkten. Aber er richtet sich wie immer an seine Wählerbasis, nicht an alle Amerikaner.

Im Bundesstaat Wisconsin konnte Trump 2016 nur hauchdünn gewinnen. Ist das ein Grund, warum Trump gerade dorthin gereist ist?

Absolut. Wisconsin ist neben den Staaten wie Minnesota und Michigan ein ganz wichtiges Puzzlestück zu einem Wahlerfolg Trumps. Das heisst, hier ist er natürlich nochmals extra persönlich angetreten, um zu zeigen: Ich bin hier vor Ort. Ich kümmere mich, während Joe Biden, der sich zwar in einer Rede klar gegen die gewaltsamen Proteste gestellt hat, nicht vor Ort ist.

Das Gespräch führte Roger Aebli.

SRf 4 News, 02.09.2020, 07:15 Uhr;

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56 Kommentare

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  • Kommentar von Karl Kirchhoff  (Charly)
    Trump hat in North Carolina dazu aufgerufen, zweimal abzustimmen. Per Brief und persönlich. Das ist illegal und erfüllt den Straftatbestand!!!
    Legal oder Illegal, er will Präsident bleiben.
  • Kommentar von Roger Stahn  (jazz)
    In einem Interview (CNN - Don Lemon) sagte Jacob Blakes Mutter, dass sie «grössten Respekt» vor Trump habe, und es ihr leid tue für Präsident Trump, dass sie seinen Telefonanruf verpasst habe. Ferner prangerte sie die gewalttätigen Ausschreitungen an, die im Namen ihres Sohnes, Kenosha erschüttert haben. Typisch für »Never-Trumper« in Politik, Medien ist, dass sie stets Sachverhalte, die ihrer Ideologie den Boden entziehen, diese stoisch ignorieren. (...)
    1. Antwort von Florian Kleffel  (Hell Flodo)
      CNN, eines der angeblichen Fake News Medien? Wie auch immer, das wirft ein sehr gutes Licht auf diese Mutter, die Grösse zeigt und Gewalt verurteilt. Auf die Mutter - kein Strählchen dieses Lichts fällt auf Trump, der muss selbst dafür sorgen. Müsste.
  • Kommentar von Walter Wieser  (Walt)
    Die ganze Angelegenheit mit den US Wahlen ist viel groesser als nur Trump oder Biden, Dems oder Reps. Es geht um die USA wie sie nun mal ist, (love it or leave it), kapitalistisch, nicht perfect aber trotzdem eine Erfolgsgeschichte. Oder Sozialismus / Kommunismus mit den ueblichen Auswirkungen. Biden wie auch die demokratische Partei sind von den superlinken uebernommen worden und diese kaempfen mit marxistischen Methoden fuer ihre Ziele. So ist nun mal im Moment die Situation.
    1. Antwort von Ueli von Känel  (uvk)
      Herr Wieser: In einem haben Sie recht: Kapitalistische USA - aber: extrem ungleiche Güterverteilung, arme Leute, die Trump und anderen Vermögenden, bis sehr Vermögenden wohl egal sind - "schöne" Erfolgsgeschichte. Wenn solche Ungerechtigkeit ein Erfolg sein soll, kann man Menschlichkeit gleich vergessen. Dann dieser "Kommunismusvorwurf" ist blosses Feindbild. Es genüg nicht, nach rechts zu schielen, ohne ein soziales Gespür für Aermere zu haben.
    2. Antwort von Roger Stahn  (jazz)
      Ueli Känel, am 8. August 2020 hat US-Präsident Trump per Dekret, Löhne bis 100'000 Dollar die Lohnsteuerpflicht vorerst für ein halbes Jahr ausgesetzt. Somit werden die unteren und mittleren Einkommen nicht mehr besteuert. Ferner hat Trump zusätzlich ein Grundeinkommen eingeführt, dass jeder Amerikaner 400 Dollar pro Woche staatliche Leistungen bekommen soll. Nun, Trump realisiert also das, was Sozis und Kommis seit Jahrzehnten nicht auf die Reihe kriegten und nie auf die Reihe kriegen werden...
    3. Antwort von Thomas F. Koch  (dopp.ex)
      Walter Wieser, dieses schwarz/weiss Denken ist das grösste Problem in den USA. Entweder Kapitalismus oder Sozialismus, dabei weiss man längst, dass beides in deren teineb Form nicht funktioniert. Die Grautöne einer Sozialen-Marktwirtschaft, die zwischen den beiden Systemen liegen, werden in der Rep-Rhethorik völlig ausgeblendet. Im Gegenteil, jeder soziale Gedanke, wird gleich als Sozialismus verteufelt. Selbst wenn es in Europa funktionierende Beispiele gibt.
    4. Antwort von Eva Wädensweiler  (E. W.)
      Sozialismus/Kommunismus/Kapitalismus = sind irgendwie alles Geiseln für die Menschheit, sobald sie zu extremen Ideologien werden.
      Doch:" Dieser ganze Irrsinn mit Rasse und Volk hat seine Wurzeln im Kapitalismus. Zuerst nimmt man den Menschen das Geld, dann die Würde, oft dann in Kriegen auch das Leben".
    5. Antwort von Ueli von Känel  (uvk)
      Herr Stahn: Nach dieser schrecklichen Regierungszeit Trumps traue ich diesem überhaupt nicht mehr über den Weg. Sein Regime ist noch weit schlimmer ausgefallen, als ich - und mit grosser Marge ins Pessimistische - befürchtet hatte. Das ist mir noch jetzt in den Knochen. Diese Steueraussetzung ist für mich ein Wiederwahl-Zückerli. Was soll das, nur mal ein halbes Jahr?? Die Bürger sollen sich von DT nicht so blenden lassen. Bei ihm kam und kommt Narzissmus zuerst, erst dann das Bürgerwohl.