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Trumps Friedensplan für Nahost Hochfliegende Pläne und eine bittere Realität im Gazastreifen

Ende Januar hat der «Friedensrat» von US-Präsident Trump Pläne für die Zukunft des Gazastreifens präsentiert: Wiederaufbau im grossen Stil, eine Technokraten-Regierung – und im ersten Schritt die Versorgung mit dem Nötigsten für die Bevölkerung. Der «Spiegel»-Nahostkorrespondent Thore Schröder mit einer Zwischenbilanz.

Thore Schröder

Nahostkorrespondent

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Thore Schröder berichtet als Korrespondent des «Spiegel» aus Israel und den palästinensischen Gebieten. Zuvor arbeitete er für die «Süddeutsche Zeitung».

SRF News: Wie sieht die Realität im Gazastreifen derzeit aus?

Thore Schröder: Gemessen an den hochfliegenden Plänen sehr schlecht. Gemessen an dem, was letzten Sommer im Gazastreifen los war, deutlich besser. Damals herrschten offener Krieg und Hungersnot. Jetzt gibt es keine Hungersnot mehr, aber die Menschen müssen mit Mangel leben.

Elend und Leid bei den mehr als zwei Millionen Menschen im Gazastreifen sind weiterhin gross.

Zwar kommen wieder viel mehr Güter nach Gaza. Aber die meisten Menschen können sich diese nicht leisten. Ausserdem hat Israel in den vergangenen Monaten den Einsatz zahlreicher Hilfsorganisationen verboten. Das hat vor allem die medizinische Versorgung noch einmal deutlich eingeschränkt.

Frau in traditioneller Kleidung mit Krug, im Hintergrund Zeltstadt und Meer.
Legende: US-Präsident Trump will aus dem zerbombten Gazastreifen die «Riviera des Nahen Ostens» machen. Die Realität könnte derzeit kaum weiter davon entfernt sein. Keystone/EPA/Haitham Imad

Insgesamt bleiben die Hilfslieferungen durch Israel auf ein Mindestmass beschränkt. Dazu kommt, dass Händler – darunter auch die Hamas – durch Steuern und Korruption von den Lieferungen profitieren. Elend und Leid bei den mehr als zwei Millionen Menschen im Gazastreifen sind also weiterhin gross.

Warum harzt es bei der Umsetzung der Pläne dermassen?

Die Probleme waren schon gross, bevor die USA und Israel Ende Februar den Krieg gegen den Iran begonnen haben. Seitdem sind sie noch viel grösser geworden. Solange die Aufmerksamkeit – vor allem der Trump-Regierung – noch stärker auf Gaza lag, ging es etwas voran. Auch im Zusammenspiel mit den Israelis und internationalen Partnern. Seither aber passiert fast gar nichts mehr. Das sagen auch Diplomaten und Angehörige von Hilfsorganisationen.

Person in gemusterter Kleidung sitzt mit einem Kind auf Kissen vor Zelten.
Legende: Laut Schröder ist die Versorgung mit sauberem Trinkwasser prekär: «Dieser Mangel ist hygienisch ein grosses Problem, angesichts all der Menschen, die bei dieser Sommerhitze in Zelten und Verschlägen hausen müssen. Deswegen breiten sich auch Krankheiten aus.» Keystone/EPA/Haitham Imad

Länder, die vom Iran-Krieg betroffen sind, waren auch als Geldgeber für die Versorgung und den Wiederaufbau des Gazastreifens vorgesehen. Dazu gehören etwa die Vereinigten Arabischen Emirate. Die Frage ist, wie viel Geld diese Länder künftig für Gaza ausgeben wollen, wenn sie mit sich selbst beschäftigt sind.

Die Hamas hat Anfang Juli die Regierungsgeschäfte an das nationale Komitee zur Verwaltung Gazas abgegeben. Damit wäre eine Bedingung des Friedensplans erfüllt. Werten Sie das als Fortschritt?

Das war eher ein symbolischer Schritt. Faktisch behält die Hamas die Kontrolle über die Behörden in Gaza. Das Technokraten-Komitee, an das diese Aufgaben übergeben werden sollen, befindet sich gar nicht in Gaza. Die Israelis lassen diese Technokraten nicht hinein. Sie sitzen seit Monaten in Kairo fest und sind auch nicht für Journalisten erreichbar.

«Israel will in kleinen Schritten Fakten schaffen»

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Während die Aufmerksamkeit für die Lage im Gazastreifen schwindet, versuche Israel weiter, «zumindest in kleinen Schritten Fakten zu schaffen», sagt der Nahostkorrespondent des «Spiegels». Die israelische Armee sei nach dem Waffenstillstandsabkommen vom Oktober 2025 im Gazastreifen verblieben. «Sie hat sich auf etwas mehr als 50 Prozent des Gebiets eingegraben und eine regelrechte Kette aus Befestigungen geschaffen», so Schröder. Von dort aus rücke die Armee immer weiter vor.

Zudem gebe es weiterhin fast täglich Bombardierungen. Seit Beginn der Waffenruhe habe es mehr als tausend Tote gegeben – davon 250 Kinder. Niemand wisse, wer auf der «Hitlist» der Israelis stehe – und so lebten alle Menschen im Gazastreifen in einem potenziellen Gefahrenbereich.

Gleichzeitig ist die Hamas nicht bereit, ihre Waffen abzugeben – zumindest nicht ihre Kalaschnikows. Diese braucht sie, um ihre Macht in jenem Teil von Gaza zu sichern, den sie noch beherrscht. In der vergangenen Woche wurde Chalil al-Haja zum neuen Hamas-Chef gewählt – aus Gaza heraus. Auch das war ein Zeichen dafür, dass die Hamas weiter auf bewaffneten Widerstand setzen wird.

Gibt es ein realistisches Szenario für die weitere Umsetzung des Friedensplans?

Wie so vieles in der Region hängt das in hohem Mass an der US-Regierung und an Donald Trump. Erhalten die Israelis die Erlaubnis, den Krieg in Gaza wieder vollumfänglich zu beginnen und das ganze Gebiet einzunehmen? Das kann ich mir derzeit nicht vorstellen. Denn dieser Waffenstillstand – egal wie brüchig er ist – ist einer der wenigen echten Erfolge der Trump-Präsidentschaft in der Aussenpolitik.

Das Gespräch führte Christina Scheidegger.

Echo der Zeit, 23.7.2026, 18 Uhr ; 

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