Zum Inhalt springen

Header

Zur Übersicht von Play SRF Audio-Übersicht

Trumps «State of the Union» Trump hatte eine Aufgabe

Manchmal beschreibt das, was nicht gesagt wurde, eine Rede besser als das, was gesagt wurde. Die Ukraine zum Beispiel. Einen Satz verschwendete Donald Trump in seiner eine Stunde und 48 Minuten dauernden Rede auf die Ukraine. Und das exakt zum Jahrestag des russischen Überfalls auf das Land.

Keine Klärung zum Iran

Auch zum geopolitisch vordringlichen Thema dieser Tage, Iran, verlor Trump nicht viele Worte. Ganz sicher keine klärenden. «Wir sind in Verhandlungen», so Trump. «Aber wir haben die entscheidenden Worte nicht gehört: Wir werden nie eine nukleare Waffe haben.» Dabei wäre die Rede zur Lage der Nation Trumps bisher beste Chance gewesen, den Amerikanerinnen und Amerikanern zu erklären, weshalb er die USA zuletzt so nahe an einen neuen Krieg im Nahen Osten geführt hat, dass dieser vielen Beobachtern unausweichlich geworden scheint.

Lebenshaltungskosten – nur das zählt

Dass die Aussenpolitik nur eine Nebenrolle spielte in dieser «State of the Union»-Rede, erstaunt allerdings nicht. Jede republikanische Abgeordnete, die in der vergangenen Woche in ihrem Wahlkreis unterwegs war, und jeder Datenanalyst, der sich im Weissen Haus täglich über die Flut an Umfragen beugt, weiss: Das für die Amerikanerinnen und Amerikaner wichtigste Thema sind die Lebenshaltungskosten. Und das mit weitem Abstand.

Die grosse Frage vor der Rede war deshalb: Schafft es Donald Trump, sich an sein Manuskript zu halten? An die «Message», die seine Redenschreiber und Spin-Doctors und Umfragespezialisten vorbereitet hatten? Schliesslich ist 2026 ein Wahljahr, und gut zehn Monate vor den Zwischenwahlen sind Trumps Umfragewerte auf einem Stand, dass sich unter den Republikanern Sorge breitmacht.

«Grösser, besser, reicher, stärker»

Aus Sicht der republikanischen Polit-Strategen hatte Trump eine Aufgabe: die Amerikanerinnen und Amerikaner zu überzeugen, dass die Zeiten tatsächlich so golden sind, wie er sie zeichnet. Auch wenn eine Mehrheit seiner Landsleute in den Umfragen jeweils angibt, davon nicht so viel zu spüren.

Trump versuchte das. Er orientierte sich für seine Verhältnisse stark am vorbereiteten Text. Widerstand der Versuchung, beispielsweise die vier direkt vor ihm sitzenden Höchstrichter für ihr Zollurteil zu geisseln. Sondern baute im Gegenteil immer wieder Szenen ein mit Ehrungen für Amerikanerinnen und Amerikaner, die Ausserordentliches geleistet haben, wie das US-Eishockeyteam, oder Schlimmes durchlebt, wie die Angehörigen von Mordopfern. Und beschrieb den Zustand der USA als «grösser, besser, reicher und stärker als je zuvor.»

So versuchte Trump die Deutungshoheit über zwei Kernthemen zurückzugewinnen, die er zuletzt in der öffentlichen Wahrnehmung zu verlieren drohte: Wirtschaft und Einwanderung. Wobei er auch hier zu einem für ihn heiklen Thema nichts sagte: Die tödlichen Deportations-Operationen in Minnesota verschwieg er.

Pascal Weber

USA-Korrespondent

Personen-Box aufklappen Personen-Box zuklappen

Pascal Weber arbeitet seit 1999 für SRF. Er studierte Politikwissenschaft, Geschichte und Völkerrecht an der Universität Zürich (Lizentiat). Von 2010 bis 2021 war er SRF‑Nahostkorrespondent und lebte über elf Jahre in Tel Aviv, Kairo und Beirut – unter anderem während des Arabischen Frühlings, des Syrienkriegs und des US‑Abzugs aus Afghanistan. Er hat zwei Bücher veröffentlicht und arbeitet heute als USA‑Korrespondent in Washington.

SRF 4 News, 26.02.2026, 04:00 Uhr

Meistgelesene Artikel