Zum Inhalt springen

Header

Navigation

Legende: Audio One Belt, One Road als Chance für die Schweiz? abspielen. Laufzeit 04:53 Minuten.
04:53 min, aus HeuteMorgen vom 25.04.2019.
Inhalt

Ueli Maurer in Peking «Um die Seidenstrasse ist ein Hype entstanden»

Die neue Seidenstrasse: Ein gigantisches Projekt, an welchem auch die Schweiz teilhaben möchte. Aus diesem Grund wird Bundespräsident Ueli Maurer in Peking an einem Forum teilnehmen und eine Absichtserklärung unterschreiben. Ziel ist eine verstärkte Zusammenarbeit mit China bei Handel, Investitionen und Projektfinanzierung in Drittländern, die an der Seidenstrasse liegen. Für den Ökonomen Patrick Ziltener ist für die Schweiz beim Projekt durchaus was zu holen.

Patrick Ziltener

Patrick Ziltener

Soziologieprofessor

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Er ist Professor an der Universität Zürich. Lehr- und Forschungsschwerpunkte sind in den Bereichen Wirtschafts-, Politische und Entwicklungssoziologie, Globalisierung/Transnationalisierung und Soziologie der Weltgesellschaft.

SRF News: Sind die hohen Erwartungen an das Projekt gerechtfertigt?

Patrick Ziltener: Es ist ein Hype entstanden und man erwartet viel, obwohl man wenig weiss. Es kursieren unglaubliche Beträge, die investiert werden sollen. Nachgewiesen sind bis jetzt realisierte Projekte im Wert von 70 Milliarden US-Dollar, ohne diejenigen, die in Bau oder in Planung sind. Weniger als angekündigt. Es wird auch immer wieder Rückschläge geben, damit rechnen die Chinesen. Aber das ganze Projekt wird nicht aufzuhalten sein und es wird die Welt verändern.

Einer der Bereiche, von denen sich die Schweiz besondere wirtschaftliche Impulse erhofft, ist der Ausbau der Infrastruktur. Macht sich die Schweiz nicht Illusionen?

Ja das stimmt. Es gibt Schätzungen, dass etwa 90 Prozent des Volumens an chinesische Unternehmen und hauptsächlich Staatsunternehmen gehen. Das wird von vielen Forschern bestätigt.

Maurer will sicherstellen, dass sich beispielsweise Schweizer Banken oder Versicherungen am Projekt beteiligen können.

Es gibt aber Bereiche, zum Beispiel im Energiesektor, wo ABB bei einem Wasserkraftwerk sehr wohl auch an Aufträge kommen könnte; vor allem dort, wo man Präzisiontechnologie hat, über die die Chinesen selber noch nicht verfügen.

Handel nach Warengruppen 2018

Rund 600 Schweizer Firmen sind in China aktiv. Wer wird von der Seidenstrasse-Initiative profitieren?

Grosse Unternehmen mit Infrastrukturprojekten werden profitieren, auch im Transport- oder im Energiebereich wird es Profiteure geben.

Schweizer Unternehmen werden auf der Basis eines Freihandelsabkommens privilegiert behandelt und haben guten Zugang zum chinesischen Markt.

Wichtig ist die Finanzierung und das ist die Hauptmotivation für Bundesrat Maurer, um nach China zu reisen. Er will sicherstellen, dass sich beispielsweise Schweizer Banken oder Versicherungen am Projekt beteiligen können.

Für die Schweiz ist China nach der EU und den USA der drittwichtigste Handelspartner. Wie wichtig ist die Schweiz im Gegenzug für China?

Vom Grössenverhältnis spricht wenig dafür. Es gibt aber einige Bereiche, wo Schweizer Unternehmen Weltspitze sind, hier liegt auch ein Grund für das Interesse Chinas. Schweizer Unternehmen werden auf der Basis eines Freihandelsabkommens privilegiert behandelt und haben guten Zugang zum chinesischen Markt.

Handelspartner Schweiz 2017

Die Chinesen machen das Gegenteil von Donald Trump: Dort wo sie wollen, dass chinesische Unternehmen fitter werden, lockern sie die Zügel und ermöglichen der ausländischen Konkurrenz eine bevorzugte Stellung. Durch diesen Mechanismus profitieren die einheimischen Unternehmen.

Handelsbilanz Schweiz-China 2012-2018

Ist diese privilegierte Stellung der Schweiz ein Grund dafür, dass man im Umgang mit China häufig zurückhaltend agiert, etwa bei heiklen Themen wie Menschenrechten?

Es gibt einen bilateralen Menschenrechtsdialog, welcher im Zusammenhang mit dem bilateralen Freihandelsabkommen entstanden ist. Die Schweiz hat eine interessante Position, weil sie nicht bedrohlich ist und weil sie nicht eine aggressive Aussenpolitik vertritt. Sie hat ein traditionell freundschaftliches Verhältnis zu China. Die Chinesen hören zu und das ist eine besondere Chance für die Schweiz.

Das Gespräch führte Barbara Büttner.

Schliessen

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

15 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von A. Keller (eyko)
    Wie es aussieht, wenn die Schuldenfalle zuschnappt, zeigte sich 2017 in Sri Lanka. Auch dort hatte China im Rahmen von „Belt and Road“ Geld zugeschossen und den Hafen Hambantota ausgebaut. Als Sri Lanka dann aber die Kredite nicht bedienen konnte, musste es den Hafen und ein Industriegebiet für 99 Jahre an ein chinesisches Unternehmen verleasen. Auch der griechische Hafen von Piräus ist mehrheitlich in chinesischer Hand. Hände weg vor Chinas Weltmacht. Abhängigkeit wird die Folge sein.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von A. Keller (eyko)
    Montenegro, will der EU beitreten würde, bekommt die neue Autobahn samt Brücke nämlich vom chinesischen Staat finanziert und gebaut. Die Kosten: fast eine Milliarde Euro. Dafür nimmt sich China nicht nur das Recht heraus, die Autobahn mitten in Montenegro von einem chinesischen Bauunternehmen, mit chinesischen Materialien und chinesischen Arbeitern, fertigen zu lassen. Auch könnte Peking andere Ansprüche erheben, sollte Montenegro die Schulden nicht bedienen können. Europa wach auf!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von A. Keller (eyko)
    Ziel ist eine verstärkte Zusammenarbeit mit China bei Handel, Investitionen und Projektfinanzierung in Drittländern, die an der Seidenstrasse liegen. Auf der Neuen Seidenstraße in die finanzielle Abhängigkeit von China. Mit der „Neuen Seidenstraße“ will sich die Volksrepublik stärker an Europa binden. Entlang der Strecke unterstützt Peking klamme Länder bei Infrastruktur-Projekten. Doch diese vermeintliche Grosszügigkeit entpuppt sich als Schuldenfalle. China wird Europa abhängig machen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen