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Krieg in der Ukraine Eskalation im Luftkrieg: Diese Ziele verfolgen Kiew und Moskau

Im Ukraine-Krieg macht keine der beiden Seiten grosse Geländegewinne. Umso heftiger verläuft der Luftkrieg. Russland greift etwa die ukrainische Hauptstadt Kiew massiv mit ballistischen Raketen an. Die Ukraine attackiert Russland mit einer grossen Zahl an Drohnen. Markus Reisner ist Militärhistoriker und Oberst im österreichischen Bundesheer. Er erklärt, welches Kalkül Kiew und Moskau verfolgen.

Markus Reisner

Militärhistoriker

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Markus Reisner ist ein österreichischer Offizier (Oberst) und Militärhistoriker. Er ist Leiter des Instituts für Offiziersausbildung an der Theresianischen Militärakademie in Wien.

SRF News: Wie beurteilen Sie die Lage an der Front? Die Ukraine gibt sich ja optimistisch – gerade mit Blick auf die Verteidigung des strategisch wichtigen Donbass.

Markus Reisner: Im sogenannten Mittelabschnitt der Front beobachten wir sehr schwere Kämpfe. In diesem Zentralraum geht es um Festungsstädte wie Kostjantyniwka, Druschkiwka, Kramatorsk und Slowjansk. Die russische Seite versucht, über den Süden wie auch über den Norden in diesen Festungsgürtel vorzustossen. Um Kostjantyniwka gibt es derzeit ein Ringen um die Deutungshoheit. Die Russen verbreiten Bilder, die zeigen sollen, dass sie bereits in der Stadt Fuss gefasst haben.

Die Ukrainer wollen mit ihren Bildern belegen, dass die Stadt zwar infiltriert, aber noch immer unter eigener Kontrolle ist. Das alles erinnert an ähnliche Situationen in den letzten Jahren von Städten, deren Namen bereits in Vergessenheit geraten sind. In den nächsten Wochen und Monaten wird sich zeigen, ob die Ukrainer Kostjantyniwka halten können oder ob es den Russen gelingt, die Stadt zur Gänze einzunehmen.

Man versucht, massiven Druck auf die Bevölkerung auszuüben und ihr zu zeigen, dass der Krieg nicht irgendwo in der Ferne stattfindet.

Die Ukraine attackiert Russland täglich mit Hunderten Drohnen und feiert die Angriffe als Kriegserfolg. Welche Wirkung haben solche Angriffe auf den Kriegsverlauf?

Das strategische Ziel der Ukraine ist es, die Russen noch vor dem Winter zu einem Waffenstillstand zu zwingen. Denn im Winter ist die nächste strategische Luftkampagne der russischen Seite zu erwarten, die auf die kritische Infrastruktur in den ukrainischen Städten abzielt. Die ukrainischen Drohnen sollen einerseits Ziele tief in Russland treffen. Sie werden aber auch auf operativer Ebene eingesetzt, mit dem Versuch, die Krim zu isolieren. Beides soll Druck ausüben, um die Russen zu einem Waffenstillstand zu bewegen. Ob das gelingt, sei dahingestellt.

Die Ukraine hat am Wochenende Warenlager eines Versandhändlers in Russland angegriffen. Russland antwortete mit einem Angriff auf einen wichtigen Logistikkomplex in der Ukraine. Ist das Teil einer Eskalationsstrategie?

Auf jeden Fall. Auf der taktisch-operativen Ebene kommt es kaum zu sichtbaren Veränderungen der Front. Aufgrund der Vielzahl an Drohneneinsätzen ist das kaum möglich. Damit bleibt nur die Möglichkeit einer Eskalation auf der strategischen Ebene. Angriffe wie auf die Verteilzentren verfolgen zwei Ziele – und die gelten für beide Seiten.

Im Prinzip ist diese ‹Drohnenkriegs-Show› die einzige Möglichkeit, aufgrund der Pattsituation an der Front eskalierend zu wirken.

Man versucht einerseits, massiven Druck auf die Bevölkerung auszuüben und ihr zu zeigen, dass der Krieg nicht irgendwo in der Ferne stattfindet – sondern direkt vor der eigenen Haustür. Andererseits werden diese Verteilzentren auch zur Unterstützung der Streitkräfte oder von Drohneneinsätzen genutzt. Das ist nicht bloss Propaganda – und auch das gilt für beide Seiten.

Kirche mit goldenem Dach und rauchendem Himmel im Hintergrund.
Legende: Der Ukraine gelangen in den letzten Wochen und Monaten immer wieder spektakuläre Schläge gegen die russische Ölindustrie – wie Mitte Juni in Moskau. Reuters/Social Media

Ist es aus ukrainischer Sicht sinnvoll, Ziele in Russland anzugreifen, statt die Drohnen an der Front einzusetzen?

Im Prinzip ist diese «Drohnenkriegs-Show» die einzige Möglichkeit, aufgrund der Pattsituation an der Front eskalierend zu wirken. Das Kalkül beider Seiten ist, den jeweils anderen zum Einlenken zu zwingen.

Das Gespräch führte Iwan Lieberherr.

Echo der Zeit, 21.07.2026, 18 Uhr ; 

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