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Krieg in der Ukraine Frontkämpfer: «Ich wusste nicht mehr, wohin mit den toten Russen»

Die Ukraine bringt die Russen in Bedrängnis. Doch an der Front gehen die brutalen Kämpfe weiter.

Durch einen Wald unweit der Front knallen Schüsse. Soldaten rennen in einen Schützengraben, eine Granate explodiert, dichter Rauch wabert zwischen den Bäumen.

Hier trainieren Männer der 5. ukrainischen Sturmbrigade für ihren nächsten Einsatz. Der Schützengraben soll «vom Feind gesäubert werden», wie es im Militärjargon heisst. Die Übung soll so realistisch wie möglich sein. Denn: Wer sich Explosionen gewohnt ist, überlebt eher, wenn es ernst gilt.

Von der Werkstatt an Front

Etwas abseits vom Lärm erzählt uns Frontkämpfer Andrij von seinen Einsätzen. Nur schon zu seiner Stellung zu kommen, sei gefährlich: «Es kommt vor, dass russische Soldaten die Stellung schon erobert haben. Dann müssen wir sie erst umbringen, die Leichen rausschaffen, und dann ist es unsere Aufgabe, diese Stellung zu halten.»

Person mit kurz geschnittenem Haar und Tarnjacke im Freien vor grünem Hintergrund.
Legende: Andrij merkt keine Veränderung an der Front: Die russische Armee attackiert die Ukraine weiter wie bisher. SRF

Noch vor einem Jahr arbeitete Andrij in einer Kiewer Autowerkstatt. Dann wurde er mobilisiert. Zu Hause warten Frau und Kind auf ihn, während er im Krieg kämpft. «Ich muss jeweils die Leichen der getöteten Russen verstecken, damit ihre Drohnen nicht sehen, dass da meine Stellung ist. Das letzte Mal waren es so viele, dass ich nicht mehr wusste, wohin mit den Toten.»

Eine Besserung ist nicht in Sicht, sagt Andrij. Trotz der heftigen ukrainischen Angriffe auf die russische Logistik: «Wir spüren keine Änderung. Der Feind hat uns ständig attackiert und er tut es weiterhin.»

Die Hoffnung der Ukrainer hat sich bisher nicht erfüllt

Seit Anfang Jahr hat sich die Front kaum mehr verschoben. Es ist ein Stellungskrieg. Was sich jedoch geändert hat: Im Südosten attackieren die Ukrainer systematisch russische Nachschubrouten – in der Hoffnung, die russischen Einheiten in der Region auszuhungern.

Doch diese Hoffnung hat sich bisher nicht erfüllt. In Frontstädten wie Saporischja hat sich die Lage gar verschlechtert. Während das Team von SRF in der Stadt dreht, greifen Russen mehrfach mit Bomben und Drohnen an, zerstören Häuser und Infrastruktur.

Zerstörung in Saporischja

Am frühen Morgen fahren wir näher ans Kampfgeschehen, vorbei an massiven Verteidigungsanlagen, Panzergräben, Infanteriesperren. Auf den Strassen sind bald nur noch Armeeautos unterwegs, manche von ihnen gepanzert. Unser Ziel: die Stellung einer Logistikeinheit des 225. Sturmregiments. Die Männer der Truppe haben sich in einem Wäldchen vor russischen Drohnen versteckt. Ihre Aufgabe: Sie bringen Infanteristen an die unmittelbare Front – und holen sie später wieder raus.

«Die Russen sind viele, sie kommen und kommen»

Es sind gefährliche Fahrten. Jedes Mal. Unteroffizier Ruslan hat an sein gepanzertes Fahrzeug lange Nadeln anbringen lassen – sie sollen vor angreifenden Drohnen schützen. «Das Problem im Krieg ist, dass man sein Leben verlieren kann. Je näher man an die Front fährt, desto grösser ist die Wahrscheinlichkeit, dass man stirbt.»

Person in Militärkleidung mit Gewehr steht neben einem Fahrzeug im Freien.
Legende: Unteroffizier Ruslan setzt mit jeder Fahrt Richtung Front sein Leben aufs Spiel. SRF

Schon mehrfach haben russische Drohnen Ruslan angegriffen, als er auf einer seiner Touren war. Auch er sagt: Besser wird es nicht an der Front. «Die Russen sind viele, sie kommen und kommen und kommen. Einer nach dem anderen. Klar, auch sie haben Probleme. Aber für uns hat sich nichts geändert.»

Westliche Experten glauben, die ukrainischen Angriffe auf russische Nachschubwege könnten langfristig die Kampfkraft der Angreifer schwächen. Manche Analytiker sprechen gar schon von einem «Wendepunkt» im Krieg. Die Männer an der Front zerbrechen sich nicht den Kopf darüber, was alles sein könnte. Sie denken an ihren nächsten Einsatz.

10vor10, 13.07.2026, 21:50 Uhr;liea

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