Ein Studium war in Russland für junge Männer bisher immer eine gewisse Garantie, nicht in die Armee eingezogen zu werden. Jetzt gibt es aber regelmässig Meldungen, dass die Regierung in Unis und Fachhochschulen nach Soldaten sucht. Dabei werde auch Druck ausgeübt. Die jungen Leute sollen vor allem Drohnenpiloten werden – aber nicht nur.
Russland macht kräftig Werbung, um möglichst viele Drohnensoldaten zu rekrutieren. Insbesondere Studierende werden angesprochen. Das Verteidigungsministerium verspricht, dass der Einsatz zeitlich begrenzt sei. Die jungen Soldaten sollen ausschliesslich als Drohnenpiloten zum Einsatz kommen. Weit weg von der Front, ausser Gefahr.
Der Offizier aus Tula, Maxim Malzew, bestätigt: «Es ist ein befristeter Vertrag. Darin wird festgehalten, dass der Drohnensoldat nicht in andere Truppengattungen umgeteilt werden kann.» Der Dienst in dieser Truppe finde im Hinterland statt.
Diesen Versprechen glaubt Militärjurist Artjom Klyga nicht. Das alles sei juristisch nicht abgesichert, sagt Klyga, der zurzeit in Deutschland lebt. «Es gibt keine rechtliche Garantie dafür, dass die einen Armeeangehörigen weit weg von der Front dienen und die anderen nahe der Front.» Auch gebe es keine Garantie, dass man nicht in eine andere Truppengattung geschickt werde. «All das entscheiden die Kommandeure vor Ort.» Solche Erfahrungen hätten bereits früher mobilisierte Soldaten sowie Vertragssoldaten gemacht.
Wenig Interesse bei den Studierenden
Auch die zeitliche Dienstbegrenzung auf ein Jahr sei nicht garantiert. Bei den von SRF News befragten Studenten in Moskau zeigt sich wenig Interesse an einem Einsatz als Drohnensoldat. «Ich bin hier, um eine höhere Ausbildung abzuschliessen. Und dann in meinem Bereich zu arbeiten», meint zum Beispiel ein Student. Andere möchten nur die Uni abschliessen und sehen die Rekrutierung bei der Armee nicht als Option. Und dann meint auch ein Student: «Ich glaube, wenn ich hier fertig studiere, werde ich mehr Nutzen bringen.»
In sozialen Medien ist die Rede von über hundert Bildungsinstituten, an denen Studierende angeworben werden. Das Ziel sei, mehrere Zehntausend zukünftige Soldaten zu rekrutieren. Ohne Zwang, wie es heisst, aber mit einem gewissen Druck – insbesondere auf schlechte Studierende, die riskieren, im Studium durchzufallen.
Offiziell setzt Russland nach wie vor darauf, dass Freiwillige in den Krieg ziehen. Eine Mobilmachung wäre unpopulär. Die Anwerbung von Studierenden wird hier aber von vielen so gewertet, dass ein Ende des Krieges noch weit entfernt ist.