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Ukrainische Angriffswelle In Moskau regnet es Öl: Die Ukraine trägt den Krieg zu Putin

«Brennt die Ukraine, brennt Moskau»: Kiew attackiert die russische Hauptstadt – und das Selbstverständnis ihrer Bewohner.

Ein müder Frühsommertag in Moskau. 19 Grad, ein dichter Wolkenschleier über der Metropole – und plötzlich fällt schwarzer Regen. In mehreren Distrikten der russischen Hauptstadt berichteten Bewohnerinnen und Bewohner gestern von öligem Niederschlag.

Grund dafür: Der heftigste Drohnenangriff der Ukraine auf Moskau seit Beginn des Krieges. Getroffen wurde zum wiederholten Mal eine Ölraffinerie, im Südosten der Hauptstadt stiegen gewaltige schwarze Rauchsäulen auf.

«Wenn die Ukraine brennt, brennt auch Moskau», erklärte Wolodomir Selenski. Auf X bezeichnete der ukrainische Präsident die Drohnenattacken als «gerechte Antwort auf russische Angriffe auf unsere Städte und Gemeinden»:

«Unsere Langstrecken-Sanktionen haben die Region Moskau erreicht»

Die Ukraine versucht, die Lebensader der russischen Kriegsmaschinerie abzuschneiden: die Öl- und Gasinfrastruktur. Immer wieder gelangen der ukrainischen Armee spektakuläre Schläge gegen industrielle Ziele.

Wenn Gewissheiten bröckeln

Doch die Angriffe im Grossraum Moskau zielen auch auf das Selbstverständnis der Hauptstädter, wie SRF-Korrespondent Calum MacKenzie berichtet: «Moskau war bisher der Inbegriff der privilegierten Hauptstadt. Abgeschirmt von den wirtschaftlichen Problemen durch den Krieg – und geschützt von der besten Luftverteidigung des Landes.»

Diese Gewissheiten bröckeln. «Es macht sich eine gewisse Angst und Beunruhigung breit», so MacKenzie. «Auch wenn man im Zentrum der Hauptstadt wenig von den gestrigen Angriffen mitbekommen hat.»

Der SRF-Korrespondent begab sich gestern in die Nähe der Ölraffinerie. «Immer noch stiegen Rauchwolken auf und ständig flogen Löschhelikopter hin und her.»

Kirche mit goldener Kuppel und Monument vor schwarzem Rauch am Himmel.
Legende: Apokalyptische Bilder, die sich ins kollektive Bewusstsein brennen sollen: Die ukrainischen Drohnenschwärme dienen auch der psychologischen Kriegsführung. Reuters/Social Media

Der russische Aussenminister Sergej Lawrow drohte mit «massiven Angriffen». «Diese wird es auch ohne Zweifel geben», schätzt MacKenzie. Ob die Vergeltung abschreckende Wirkung entfaltet, sei jedoch eine andere Frage. Denn Russland greife die Ukraine seit Jahren «massiv» an – und trotzdem gerate die russische Hauptstadt ins Visier.

Zwei Männer in Anzügen bei einer Konferenz.
Legende: Angriffe auf Ölinfrastruktur in ländlicheren Gebieten des Landes werden oft heruntergespielt oder auch verschwiegen. Bei einem Flammeninferno am Stadtrand von Moskau ist das keine Option. Keystone/AP/Sputnik(Egor Allev

In Moskau nimmt MacKenzie verbreitete Kriegsmüdigkeit wahr, bei Unterstützern des Kremls wie auch bei seinen (stillen) Kritikern. «Einzelne Drohnenangriffe lösen zwar keinen plötzlichen Stimmungsumbruch aus. Mein Eindruck ist aber, dass sich eine Mehrheit der Menschen wünscht, dass der Krieg endlich vorbei ist.»

«Kein Ölregen», sagen die Behörden – und warnen trotzdem

Box aufklappen Box zuklappen
Strasse mit vorbeifahrenden Fahrzeugen und grossen Rauchwolken am Himmel.
Legende: Rauchwolke, die von der getroffenen Ölraffinerie im Grossraum Moskau aufsteigt (18. Juni). Reuters/Social Media

Gegenüber der BBC berichteten Menschen im Südosten Moskaus von «schwarzen Flecken» auf ihren Kleidern. Die Stadtbehörden wiesen Berichte über «Ölregen» zurück. Gleichzeitig wies die Stadtverwaltung die Bewohnerinnen und Bewohner des betroffenen Bezirks an, die Fenster geschlossen zu halten. Ältere Menschen und Asthmatiker wurden aufgefordert, das betroffene Gebiet zu verlassen.

In privaten Gesprächen erlebt der Korrespondent ein durchaus vielstimmiges Russland. Verbreitet ist etwa die Ansicht, dass der Krieg aufhören soll – mit der Kapitulation der Ukraine. «Bei diesen Menschen rufen die ukrainischen Angriffe auch nicht Kritik am Kreml hervor, sondern eher Hass auf die Ukraine.»

Die indirekten Folgen des Kriegs

Andere wiederum empfänden die Kriegskampagne als «komplett sinnlos»: «Für sie sind die Drohnenangriffe auf Moskau quasi eine Bestätigung ihrer Haltung», so MacKenzie. «Bekannte haben mir gestern auch gesagt, dass sich wieder einmal zeige, wie alles ausser Kontrolle geraten sei.»

Silhouetten von Menschen vor einer Kathedrale mit bunten Kuppeln.
Legende: Auch die Frage, wie es so weit kommen konnte, ist laut dem SRF-Korrespondenten allgegenwärtig. «Aber sie wird vor allem unterbewusst gestellt: Denn es lohnt sich nicht, sie auszusprechen.» Der Tenor: Die eigene Meinung zählt in Russland nichts. Keystone/AP/Pavel Bednyakov

Drohnenschwärme sind das eine. Das andere sind die indirekten Folgen des Kriegs: Einschränkungen des Internets, erhöhte Steuern, Inflation, teure Kredite und kriselnde Unternehmen. «Hier in Moskau wissen die Menschen, dass diese Faktoren direkt mit dem Krieg zusammenhängen», so der Korrespondent.

Fazit: Aus Putins «militärischer Spezialoperation» ist ein Krieg geworden, dem sich auch in der Hauptstadt kaum jemand mehr entziehen kann. Auch ohne, dass Öl vom Himmel regnet.

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SRF 4 News, 19.06.2026, 7:20 Uhr

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