Zum Inhalt springen

Umstrittenes Wahlresultat Mindestens drei Tote bei Demonstrationen in Simbabwe

Legende: Video Ausschreitungen nach Wahlen in Simbabwe abspielen. Laufzeit 02:02 Minuten.
Aus Tagesschau vom 01.08.2018.

Das Wichtigste in Kürze

  • Nach der Präsidentenwahl in Simbabwe sind bei Protesten nach Angaben des staatlichen Fernsehens mindestens drei Menschen ums Leben gekommen.
  • Bei Zusammenstössen mit Sicherheitskräften seien mindestens vier weitere Menschen in der Hauptstadt Harare angeschossen worden, sagte der führende Oppositionspolitiker Tendai Biti.
  • Die Bereitschaftspolizei setzte Wasserwerfer, Gummigeschosse und Tränengas ein. Es waren auch Schüsse zu hören. Panzer, Truppenfahrzeuge des Militärs und Soldaten waren ebenso im Einsatz.
Legende: Video Polizei schiesst auf Demonstranten in Simbabwe abspielen. Laufzeit 00:18 Minuten.
Aus News-Clip vom 01.08.2018.

Die Schüsse waren laut SRF-Korrespondentin Anna Lemmenmeier vor dem Hauptquartier der Regierungspartei ZANU-PF klar zu hören. Für die Wähler der Opposition sei offensichtlich, dass ihr Kandidat, Oppositionsführer Nelson Chamisa, die Präsidentschaftswahl gewonnen habe.

Die Opposition befürchtet wegen einer Verzögerung der Bekanntgabe der Ergebnisse einen Wahlbetrug. Die Proteste waren nur wenige Stunden nach deutlicher Kritik internationaler Wahlbeobachter eskaliert.

Scharfe Töne der Regierung

Die Regierung in Simbabwe wird weitere Proteste nach eigenen Angaben nicht tolerieren. «Wir werden keine der Aktionen, die wir gestern gesehen haben, tolerieren», sagte Innenminister Obert Mpofu. «Möglicherweise hat die Opposition unser Verständnis als schwach interpretiert», sagte der Minister bei einer Pressekonferenz in der Nacht zum Donnerstag. «Ich denke, sie testen unsere Entschlossenheit», dies sei «ein grosser Fehler».

Wahlbeobachter: Urnengang war frei aber nicht fair

Nach Ansicht der EU-Wahlbeobachter ist der Urnengang zwar ohne Gewalt und frei abgelaufen, aber er war nicht fair. Der Missbrauch staatlicher Ressourcen, die Einschüchterung von Wählern und die parteiische Berichterstattung der staatlichen Medien zugunsten der Regierung und Präsident Emmerson Mnangagwa hätten wahre Chancengleichheit verhindert, erklärte der Leiter der EU-Wahlbeobachter, Elmar Brok.

Laut SRF-Korrespondentin ist der Ton des Vorberichts der EU-Wahlbeobachter erstaunlich kritisch.

Legende: Video Einschätzung der SRF-Korrespondentin abspielen. Laufzeit 00:19 Minuten.
Aus Tagesschau vom 01.08.2018.

Mnangagwa ruft zu Frieden auf

Die US-Botschaft in Simbabwe forderte die Sicherheitskräfte zur Zurückhaltung auf. Präsident Emmerson Mnangagwa rief angesichts der Proteste zu «Frieden» auf, machte aber die Opposition für die Ausschreitungen verantwortlich.

Die Ergebnisse sind parteiisch und sollen den Eindruck erwecken, dass Zanu-PF gewonnen hat.
Autor: Lawrence MaguranyiStudent

Sein Herausforderer Nelson Chamisa, erklärte, die Wahlkommission verzögere die Bekanntgabe der Ergebnisse gezielt, um der Opposition den Wahlsieg zu stehlen. «Wir haben die meisten Stimmen gewonnen und werden den Sieg verteidigen», schrieb er auf Twitter.

«Die Ergebnisse sind parteiisch und sollen den Eindruck erwecken, dass Zanu-PF gewonnen hat», sagte der 21-jährige Student Lawrence Maguranyi bei der Demonstration. Die oppositionelle Bewegung für demokratischen Wandel MDC klagte zudem über gefälschte Wählerlisten und zwielichtige Stimmzettel.

Zum Ausgang der Präsidentschaftswahl liegen noch keine offiziellen Ergebnisse vor. Laut ersten Ergebnissen soll die regierende Zanu-PF-Partei aber die absolute Mehrheit sichern können.

Zanu-PF

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Die Zanu-PF herrscht seit 1980 in dem südafrikanischen Land. Die Abstimmung am Montag war die erste freie Wahl in Simbabwe seit etwa vier Jahrzehnten. Der langjährige Amtsinhaber Robert Mugabe wurde im vergangenen November gestürzt.

Für das verarmte Simbabwe war die Wahl eine Richtungsentscheidung: Mnangagwa (75) war unter Langzeitpräsident Robert Mugabe viele Jahre Minister und später dessen rechte Hand gewesen, er ist ein Vertreter der alten Garde. Sein Wahlsieg würde die Herrschaft der Regierungspartei Zanu-PF in ein viertes Jahrzehnt verlängern. Chamisa (40) hingegen, ein eloquenter Pastor, steht für einen Neuanfang.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

7 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Harald Buchmann (Harald_Buchmann)
    In solchen Situationen machen Wahlen wenig Sinn. Vielleicht sollte Simbabwe ermutigt werden, ein für sie geeignetes politisches System zu finden.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Oskar Schneider (Oski2)
    Eigentlich Interessanter am ganzen ist dieser teil eines Satzes: """"das verarmte Simbabwe"""". Auch mit einem neuen Präsidenten wird sich nicht viel ändern, ausser dass ein anderer seine Taschen nun stopft und bitte kommt nicht wieder wie das Land von anderen Ländern/Leuten ausgenommen wird.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Joe Imholz (Joe Imholz)
    Vor zwei Wochen war ich in Zimbabwe und habe hautnah erlebt, wie es an allem fehlt. Medikamente, einfache Handschuhe im Spital etc. bezahlt wird aufgrund der fehlenden Währung mit ecco Cash, Telefonguthaben welches pro Transaktionen mit 30% Kommission belegt ist. Die gleichen Kreise welche bereits früher die Nutzniesser waren haben nun Wahlen organisiert, mit dem nicht erstaundlichen Resultat. Wirklich schade, es gibt dort so viel Hoffnung.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen