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UNAIDS-Direktorin Winnie Byanyima: Corona hat die Welt wachgerüttelt
Aus Nachrichten vom 03.06.2021.
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UNO-Bericht zum 40. Jahrestag Ausrottung von Aids: Das Ziel rückt in weite Ferne

  • Bis 2030 will die Weltgemeinschaft die HIV-Pandemie beenden – aber sie droht bei diesem Ziel zu scheitern, wie das UNO-Programm UNAIDS zum 40. Jahrestag warnte.
  • Sämtliche Zwischenziele, die fürs Jahr 2020 aufgestellt worden waren, wurden demnach nicht erreicht.
  • Seit einigen Jahren werden zudem weniger internationale Gelder zum Kampf gegen HIV aufgebracht.

Dass das Ziel der Ausrottung von Aids in die Ferne gerückt ist, liegt nicht nur an der Corona-Pandemie, die vielerorts Ressourcen verschlungen hat und verhinderte, dass Menschen sich testen liessen oder Medikamente abholten.

«Alle bis 2020 gesteckten Ziele sind verfehlt worden. Die Zeit wird knapp, um Aids bis 2030 zu beenden», heisst es in dem Bericht. 1.5 Millionen Menschen infizierten sich 2020 nach Schätzungen neu mit dem HI-Virus. Eigentlich sollte die Zahl unter 500'000 gedrückt werden. Damit steigen auch auf Jahre hinaus die Kosten, um die Aids-Pandemie zu beenden, weil Infizierte ihr Leben lang Medikamente brauchen.

Was bedeutet HIV, was Aids?

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Aids steht für «Acquired Immune Deficiency Syndrome» und bedeutet «erworbenes Immunschwächesyndrom». Dabei handelt es sich um die Spätfolge einer Infektion mit dem HI-Virus, «Human Immunodeficiency Virus».

Das HI-Virus zerstört bestimmte Zellen des Immunsystems und schwächt dadurch nach und nach die Abwehrkraft des Körpers. Der Verlauf einer HIV-Infektion wird in verschiedene Stadien eingeteilt. Aids bezeichnet jenes Stadium, in dem das Immunsystem so stark geschwächt ist, dass die Diagnose mindestens einer der Aids-definierenden Infektions- oder Tumorerkrankungen vorliegt.

Die drei Zwischenziele

Die drei UNO-Ziele zur Bekämpfung der HIV-Pandemie bis 2020 waren: 90 Prozent aller Betroffenen sollten über die Infektion Bescheid wissen, 90 Prozent der Diagnostizierten sollten eine antiretrovirale Therapie bekommen und 90 Prozent der Behandelten sollten so gut eingestellt sein, dass das Virus nicht mehr nachweisbar ist. Tatsächlich lagen die Zahlen aber Ende 2020 bei 84 Prozent, 73 Prozent und 66 Prozent.

In der Schweiz wurden die drei Ziele gemäss dem Bundesamt für Statistik (BFS) bereits erreicht: 93 Prozent aller HIV-positiven Menschen erhielten im Jahr 2019 eine entsprechende Diagnose, 97 Prozent von ihnen wurden mit einer medikamentösen HIV-Therapie behandelt und 96 Prozent der Behandelten wiesen eine Viruslast unter der Nachweisgrenze auf.

Fast 35 Millionen Aids-Tote innert 40 Jahren

Der 40. Jahrestag bezieht sich auf den 5. Juni 1981, als die US-Gesundheitsbehörde CDC erstmals über Fälle einer Immunschwäche bei jungen Männern berichtete, die offenbar nach sexuellem Kontakt krank geworden waren. Ein höheres Risiko einer Infektion haben nach Angaben von UNAIDS Männer, die Sex mit Männern haben, Prostituierte und Transgenderfrauen sowie Menschen, die Drogen spritzen.

Seit 1981 sind nach Schätzungen weltweit fast 35 Millionen Menschen an Komplikationen durch Aids gestorben. Durch das neue Coronavirus starben nach WHO-Daten bisher rund 3.6 Millionen Menschen.

16 Millionen Todesfälle verhindert

Die Zahl der weltweit Infizierten wurde im vergangenen Jahr auf 37.6 Millionen geschätzt, etwas weniger als 2019 (38 Millionen). Im Vergleich zu 2010 bekamen dreimal so viele Infizierte die nötigen Medikamente, 55 Prozent weniger starben an Komplikationen durch Aids (690'000) und 44 Prozent weniger Menschen infizierten sich. Seit 2001 sind dadurch, dass mehr Medikamente weltweit zur Verfügung standen, nach Schätzungen 16.2 Millionen Todesfälle vermieden worden.

UNAIDS hat neue ehrgeizige Ziele gesteckt und Strategien entwickelt, um diese zu erreichen. Dafür müssten die Ausgaben für Präventionsprogramme, Tests, Behandlungen und anderes deutlich steigen, von zuletzt unter 20 Milliarden Dollar im Jahr bis 2025 auf mindestens 29 Milliarden Dollar pro Jahr. Bei der 5. UNO-Aids-Konferenz kommende Woche in New York sollen dafür neue Weichen gestellt werden.

Video
Archiv: Welt-Aids-Tag: Wenn wegen Corona die Medikamente fehlen
Aus SRF News vom 01.12.2020.
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SRF 4 News, 03.06.2021, 16 Uhr;

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10 Kommentare

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  • Kommentar von Maria Müller  (Mmueller)
    Mit einer der wichtigsten Gründe ist wohl simpel einfach, dass ZUWENIG GELD vorhanden ist.

    Man müsste sozusagen einen "grossen Topf" bilden, in den alle Länder einzahlen.
    Aber zahlreiche Länder sind knapp bei Kasse (z.T. auch im Westen) oder benötigen die Gelder bei ihnen zuhause für andere Sachen.

    Zagg, und schon ist der "grosse Topf" eben nur noch ein rel. kleiner Topf.
  • Kommentar von Andreas Kermann  (Andreas Kermann)
    Das heißt dass nächste Woche am besten nicht nur die 50 Milliarden zur weltweiten Bekämpfung von COVID 19 ausgegeben werden sollten, sondern dass dieser Betrag am besten verdoppelt wird um Parallel auch AIDS Einhalt zu gebieten?
  • Kommentar von Daniel Bucher  (DE)
    Es ist ein Desaster. Gewisse Kreise weigern sich, einen Gummi zu benutzen, weil es ihre Männlichkeit nicht zulasse. Deshalb grassiert das Virus in Afrika ungebremst. Einmal mehr versagt der schwarze Kontinent.