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International UNO ruft für den Irak die höchste Notstandsstufe aus

Tagelang waren zehntausende jesidische Flüchtlinge im Sindschar-Gebirge eingeschlossen. Mittlerweile sind fast alle geflüchtet. Die USA sieht darum von einer Rettungsaktion ab. Dennoch ruft die UNO für den Irak die höchste Notstandsstufe aus. Deutschland plant allenfalls Waffenlieferungen.

Legende: Video Hilfe für die Flüchtlinge abspielen. Laufzeit 01:04 Minuten.
Aus Tagesschau Nacht vom 15.08.2014.

Angesichts der humanitären Katastrophe im Nordirak hat die UNO für das Land die dritte und höchste Notstandsstufe ausgerufen. Dadurch sollen vor allem Nahrungsmittel und Wasser für zehntausende Menschen bereitgestellt werden, die vor der Offensive der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) auf der Flucht sind.

Nach der Flucht der meisten Jesiden aus dem irakischen Sindschar-Gebirge seien dort nur noch rund 1000 Menschen eingeschlossen, sagte eine Sprecherin der UNO-Mission im Irak (Unami).

Laut dem Flüchtlingshilfswerk UNHCR konnten sich in den vergangenen fünf Tagen etwa 80‘000 Menschen vor der IS in Sicherheit bringen. Rund 200'000 Menschen fanden Zuflucht in der kurdischen Autonomieregion im Nordirak, und rund 50'000 seien ins benachbarte Syrien geflohen, schreibt die Unami.

Die Türkei hat laut der Regierung etwa 2000 jesidische Flüchtlinge aufgenommen. Hinter der Grenze hielten sich weitere 20'000 Jesiden auf. Man werde im nordirakischen Grenzort Sacho ein Flüchtlingscamp für 16'000 Jesiden errichten.

USA streichen Einsatz auf dem Sindschar

Das US-Verteidigungsdepartement hatte am Mittwoch mitgeteilt, ein zunächst erwogener US-Militäreinsatz zur Rettung von Flüchtlingen im Nordirak sei unwahrscheinlicher geworden. Spezialeinheiten seien nach Erkundungen im Sindschar-Gebirge zum Schluss gekommen, dass sich dort wesentlich weniger Flüchtlinge aufhielten als zunächst angenommen. Nach US-Luftschlägen sei es vielen gelungen, mit Hilfe kurdischer Kämpfer der Belagerung durch die IS-Terrormiliz zu entkommen.

Deutsche Hilfslieferung – und möglicherweise Waffen

Aufgrund der aktuellen Entwicklung schliesst die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel deutsche Waffenlieferungen in den Irak nicht mehr aus. «Wir nutzen den Spielraum, den uns der politische und rechtliche Rahmen für Rüstungsexporte gibt», sagte sie in einem Zeitungs-Interview. Es sei entsetzlich, was Menschen im Nordirak – Jesiden, Christen und andere – durch die Terrorgruppe IS erleiden würden, sagte Merkel der «Hannoverschen Allgemeinen Zeitung».

Offenbar will die deutsche Bundeswehr schon am Freitag Hilfsflüge in den Nordirak starten. Nach Informationen der Agentur dpa sollen vier Transall-Flugzeuge 36 Tonnen Sanitätsmaterial und Lebensmittel nach Erbil im kurdischen Autonomiegebiet transportieren. Dort sollen die Hilfsgüter an UNO-Organisationen übergeben werden, die sie unter der notleidenden Bevölkerung verteilen wollen.

Eine offizielle Bestätigung gab es zunächst nicht. Die Planungen und Vorbereitungen für Hilfstransporte liefen, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums der dpa.

UNO «Level 3 Emergency»

Logo der United Nations Assistance Mission for Iraq
Legende: UNAMI

Der Irak ist nach Syrien, dem Südsudan und der Zentralafrikanischen Republik aktuell das vierte Land, in dem die UNO einen Notstand der Stufe 3 erklärt hat. Damit können mehr zusätzliche Gelder und Hilfsgüter mobilisiert werden.

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Eddy Dreier, Burgdorf
    Die USA will als jahrzehntelanger Produzent von Flüchtlingswellen mit Millionen von Flüchtlingen einige tausend Flüchtlinge beschützen. Das ist, als würde Charles Manson plötzlich zur Polizei zu wollen. Ich will das ja nicht prinzipiell als unmöglich erklären, aber erstmals müsste der Charles wohl einiges öffentlich beteuern...
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  • Kommentar von Harald Girschweiler, 9500 Wil SG
    Fakt 1: Die Not ist da. Die Jesidis, Christen u. Kurden leiden. Fakt 2: Die IS ist brutal u. wird v. Privaten Interessen in Saudi u. Qatar unterstützt. Fakt 3. Die IS hat Geld genug um sich zu finanzieren. Fakt 4: Die Oelfelder in Kurdistan werden v. Multinat. Oelfirmen aus div. Ländern! mit dem nötigen Know-how ausgebaeutet u. z.T. vermarktet. Der andere Teil verkauft die kurd. Regionalreg. auf eigene Rechnung über die TK. Fakt.5: Die Kurden brauchen Waffen z. deren u. den Flüchtlingen Schutz.
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  • Kommentar von Christina Bernegg, Horw
    Ein schlimmer Bericht!Was soll man noch glauben?Es ist alles Kriegspropaganda der USA,denn,das einzige Interesse das sie haben sind die Ölfelder.Ob und wer in Not ist, läufft dehnen am A..... vorbei.Und Hilfe muss von diesen absolut nicht erwartet werden. Es ist alles so verlogen,dass man es fast nicht mehr aushalten kann!!!!
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    1. Antwort von Urs Gehrig, F - Montpellier
      Mit reiner USA-Phobie ist es leider nicht getan. Es geht zur Zeit um faschistoide Terroristen, die das Leben von Tausenden bedrohen. Die Frage ist jetzt, wer den Bedrohten helfen kann und will. Wo und wann würde Israel helfen ? Das alles hat nichts mit ein paar dümmlichen Ölfeldern zu tun. Es geht um Menschenleben.
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    2. Antwort von Erwin Jenni, Ottikon
      Absolut falsch Frau Bernegg. Ich weiss nicht woher Sie dieses USA Syndrom aufgelesen haben, aber Sie würden kaum im gleichen Europa sein, wenn es die USA nicht gegeben hätte. Fehler begeht man, aber wie die EU nur profitieren wollen und die Drecksarbeit andern zu überlassen, kann die Lösung nicht sein. Israel hat in so manchem Kriesenherd seine Hilfe angeboten, nur wollen arabische Staaten diese nicht. Zu den Kurden haben die Israeli beste Beziehungen und umgekehrt. Man schaute zu lange auf Gaza
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    3. Antwort von H. Bernoulli, Zürich
      @ E. Jenni: Ein Land, dessen Militärstrategen eine Operation Northwood planen und auch durchführen wollen, einem solchen Land kann alles zugetraut werden. Und es gibt genügend Material, welches beweist, dass in den USA immer noch so gedacht wird z.B. "Irakkrieg, Die Falken sind verstummt, Andreas Mink, New York 17. März 2013"
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    4. Antwort von H. Bernoulli, z
      @ E. Jenni: etwas von der kriegstreibenden Gesinnung auf höchster Ebene in den USA lässt auch dieser Artikel erkennen: "George Bushs plötzliche Reue über den Irak-Krieg Amerikaner reagieren kaum auf Kehrtwende des Präsidenten". Interessant auch, dass ohne 9/11 die Neocons ihre Ziele niemals hätten durchsetzen können. Es war für sie also fast ein "Glück", dass 9/11 geschah...
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