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Zentralchinesische Provinz Henan von schweren Unwettern getroffen
Aus Rendez-vous vom 27.07.2021.
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Unwetter in Henan Chinas Regierung will positive Nachrichten über Jahrhundertflut

Nach schweren Überschwemmungen mussten in der Provinz Henan Millionen Menschen ihre Häuser verlassen. Die Regierung will die Berichterstattung streng kontrollieren. Ausländische Journalisten stören dabei.

Am Boden liegen Kabel, Stromverteiler und daran angeschlossen, Dutzende Handys. Darum herum stehen Bewohnerinnen und Bewohner eines Aussenbezirks der Stadt Xinxiang. Seit Tagen sind die Haushalte ohne Strom.

Dank des Stromgenerators auf der Strasse können die Menschen hier zumindest ihre Handys aufladen. Das sei äusserst wichtig, sagt eine Studentin mit Nachnamen Guo. Dank den Handys hätten sie um Hilfe rufen können.

Freiwillige Helfer

Mehrere Strassenzüge stehen noch immer unter Wasser. Guo und ihre Eltern wohnen im zweiten Stock, ihre Wohnung wurde von den Fluten verschont. Ihre Familie nahm zwischenzeitlich über 20 Menschen bei sich zu Hause auf.

Legende: Die Wassermassen haben einen Strassenzug in Xinxiang in einen Kanal verwandelt. SRF/Martin Aldrovandi

Eine Frau und ein Mann blicken angespannt auf die Wassermassen. Die beiden Kinder seien noch zu Hause im Obergeschoss, sagt der Vater. Ein Gummiboot soll sie zu ihnen bringen. Möglich machen dies freiwillige Helfer, die auch aus anderen Provinzen angereist sind. Eine weitere Gruppe verteilt Tomaten und Wasserflaschen, Schachteln mit Keksen an die Bewohnerinnen und Bewohner.

Die Szene ist bewegend. Doch plötzlich tauchen Polizeibeamte in zivil auf. Wir dürften hier nicht einfach Interviews führen, sagen sie mir und zwei weiteren ausländischen Journalisten. Es wird eine von vielen solchen Begegnungen sein.

Weiter nördlich in einem Vorort der Stadt Hebi werden die Menschen über Lautsprecher aufgerufen, zu helfen. Auf der Hauptstrasse ist Familie Lei unterwegs. Das eigene Haus stehe bereits unter Wasser. Die Familie will bei Verwandten unterkommen.

Viel Zeit hatte die Familie nicht, das Wasser sei ihr bis hierhin gestanden. Frau Lei deutet mit der Hand auf die Schultern. «Da hatte ich noch keine Angst. Aber jetzt, wo wir gerettet wurden, fühle ich mich...» Mitten im Satz bricht sie ab. Nur mit Mühe hält sie ihre Tränen zurück.

Kritik unerwünscht

In der Provinzhauptstadt Zhengzhou zeigen Schlammmassen in den Strassen das Ausmass der Zerstörung. Auf Plastikhockern sitzt Familie Huang. Vor dem Haus hängen Kleider zum Trocknen, auf dem Boden liegt der Hausrat der Familie. Überflutet sei alles gewesen, fast wäre sie selbst fortgeschwemmt worden, sagt Frau Huang.

Legende: Herr und Frau Huang vor ihrem Hauseingang. Der erste Stock wurde komplett überschwemmt. SRF-Martin Aldrovandi

Wenige Gehminuten vom Haus der Huangs entfernt liegt der Jinguang-Tunnel, der über China hinaus traurige Berühmtheit erlangte. Hier steckten die Menschen in ihren Autos fest, als die Wassermassen kamen. Über 200 Autos wurden nach dem Desaster geborgen, offiziell sind sechs Menschen ums Leben gekommen. Das wirft Fragen auf.

 «Warten Sie hier», sagt der Beamte, höflich, aber bestimmt. Kritische Fragen sind unerwünscht. Die Medien sollten doch positiv berichten, ein Satz, den wir hier immer wieder hören.

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Aus dem Archiv: Millionenmetropole Zhengzhou von Jahrhundertflut getroffen
Aus SRF News vom 21.07.2021.
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Rendez-vous vom 27.07.2021, 12:30 Uhr

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Peter M Haller  (Peter M Haller)
    Wann endlich kriegen wir eine objektive Berichterstattung zu China?
    1. Antwort von Peter M Haller  (Peter M Haller)
      England und BBC haben einen schlechten Ruf in China, nachdem Johnson den chinesischen Sender CGTN die Lizenz für England entzogen hat. Wie China diese darauf mit dem BBC Sender tat, gab es lautes Wehgeschrei. Dass China englische Journalisten nicht mag, ist ein hausgemachtes Problem Englands.
    2. Antwort von Manu Meier  (Manuel Meier)
      Solange die ausländischen Journalisten nur das Negative in China suchen, wird das schwierig werden.
      Eigentlich ist dieser Bericht sehr nett und neutral. Es Zeigt die Situation vor Ort. Und trotzdem muss die Überschrift und die Quintessenz heissen: China behindert ausländische Journalisten. Da Tritt das eigentliche Problem, die Fluten, in den Hintergrund. Es ist wie ein Schlagabtausch. Immer sind die anderen Schuld, einmal "China", von der anderen Seite die Journalisten.
  • Kommentar von Andy Gasser  (agasser)
    BBC berichtet vob Menschenmobs die eine Hetzjagt auf ihre Journalisten veranstalten. Der Nationalimus in China wird immer erschreckender.
  • Kommentar von Ulrich Meier  (neutrinos)
    Es ist eine Katastrophe. Die Chinesen helfen einander, so wie auch die Menschen hier.
    Auf einem ganz andern Blatt steht die Frage, ob Medien im Raum EU/USA auch positive Nachrichten zu China bringen oder nur negativ gefärbte. Die Antwort kennt jede Chinesin und jeder Chinese, der sich für unsere Medien interessiert, selbst, ganz ohne Regierung. Wir wissen sie ja auch.
    1. Antwort von Urs Felber  (ursus felber)
      Vor nicht zu vielen Jahren wurde eher positiv über China berichtet. Leider hat sich das Blatt gewendet, es gibt immer weniger positives aus China.
    2. Antwort von Roger Ebischer  (RO.Ebi)
      Die Medienfreiheit in EU/USA mit China zu vergleichen, meinen Sie wohl nicht ernst?
    3. Antwort von Claudia Beutler  (Claudia)
      Ich finde den Bericht von SRF genauso positiv wie die Berichte aus Deutschland und Belgien. Ich sehe keinen Unterschied, ausser das in China die Polizei die Journalisten an ihrer ihrer Arbeit hindern.
      Zu schreiben, dass eine Familie 20 Personen bei sich aufgenommen hat und das aus dem ganzen Land Helfer kommen ist doch auch positiv.