Zum Inhalt springen

Header

Audio
Immerhin konnten schwere Terroranschläge verhindert werden
Aus HeuteMorgen vom 14.04.2021.
abspielen. Laufzeit 01:19 Minuten.
Inhalt

US-Armee zieht ab Rückzug aus Afghanistan: Ein Eingeständnis des Scheiterns

Barack Obama wollte es, Donald Trump wollte es, Joe Biden tut es nun: Abziehen aus Afghanistan. Wenn die Amerikaner gehen, ist klar: Die Deutschen, die Briten, die insgesamt gegen 7000 Soldaten aus mehr als einem Dutzend weiterer Nato-Länder werden ihnen folgen.

«Gemeinsam rein, gemeinsam raus», lautete stets das Motto. Und ohne die Amerikaner, die das Rückgrat des Afghanistan-Einsatzes bilden, können die anderen gar nicht bleiben – aus logistischen und aus Sicherheitsgründen.

Mit dem Rückzug wird erstmals klar gesagt: Afghanistan hat für den Westen, für die USA keine strategische Priorität mehr. Zumal grosse Terroranschläge auf westliche Ziele à la 9/11 genauso gut in Syrien, im Jemen, im Sahel, in London, Paris oder, notabene, in New York ausgeheckt und vorbereitet werden können.

Demokratisierung kolossal gescheitert

Von «erfüllter Mission» kann hingegen keine Rede sein. Zwar wurde das ursprüngliche Hauptziel erreicht, nämlich al-Kaida aus dem Land und die radikalislamischen Taliban von der Macht zu vertreiben.

Das Bestreben, aus Afghanistan mit «Nation-Building» ein freiheitliches, demokratisches, stabiles, sicheres und zudem prosperierendes Land zu machen, ist jedoch hochkant gescheitert. Joe Biden sah dieses umfassende Ziel übrigens immer schon skeptisch.

Gewiss: Punktuelle Erfolge gibt es. Millionen von Frauen können inzwischen in Afghanistan wählen. Millionen von Mädchen gehen zur Schule. Vor allem in Städten gibt es mehr wirtschaftliche Perspektiven. Doch auch diese Fortschritte sind nicht in Stein gemeisselt.

Die Uhr lässt sich auch zurückdrehen. Am Hindukusch droht jetzt nämlich die Rückkehr der Taliban an die Macht. Und zwar über freie Wahlen.

Billionen-Kosten – kaum Gegenwert

Es ist also kein ruhmvoller Abgang der USA und der Nato. Der Aufwand steht in keinem Verhältnis zum Ertrag. Mehr als 2400 Todesopfer und 2.3 Billionen Dollar (also 2300 Milliarden) hat das Afghanistan-Engagement allein die Amerikaner gekostet. Kein Wunder, dass die Bevölkerung in den USA und in vielen Nato-Ländern den Sinn der Sache kaum mehr sieht und ein Ende fordert.

Nun zieht sich der Westen also zurück. Bedingungslos. Bisher wurden stets zwei Voraussetzungen dafür genannt: Die afghanischen Sicherheitskräfte müssten selber imstande sein, für Sicherheit und Stabilität zu sorgen, bevor man gehe. Und die Taliban müssten mit der demokratisch legitimierten afghanischen Regierung eine Friedens- und Kooperationsvereinbarung schliessen. Beide Bedingungen werden nun fallengelassen. Sang- und klanglos.

Das Ende der Afghanistan-Mission ist damit ein spätes und ein doppeltes Eingeständnis: Man war bisher nicht erfolgreich. Und man glaubt auch in Zukunft nicht an einen Erfolg. Selbst wenn die westlichen Truppen noch zwei, drei, vier oder noch mehr Jahre blieben. Es ist also das Eingeständnis des Scheiterns. Obschon der Rückzug natürlich anders verkauft wird.

Fredy Gsteiger

Fredy Gsteiger

Diplomatischer Korrespondent, SRF

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Der diplomatische Korrespondent ist stellvertretender Chefredaktor bei Radio SRF. Vor seiner Radiotätigkeit war er Auslandredaktor beim «St. Galler Tagblatt», Nahost-Redaktor und Paris-Korrespondent der «Zeit» sowie Chefredaktor der «Weltwoche».

SRF 4 News, Heute Morgen vom 14.4.2021, 06.00 Uhr

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

57 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Karl Frank  (Europäer)
    Erklärtes Ziel der USA ist Seidenen Weg zu kontrollieren ( politische Vorlagen von Sicherheitsberater Brzezinski). Und in Afganistan war es Kampf um Zentralasien durch welche Seidener Weg verläuft . Genau so wie der Kampf Britisches Imperiums mit zaristischen Russland. Aber die Britten schafften nie über pakistanische Grenze hinaus. In Afghanistan hatten bitteren Niederlagen erlitten. Sowie USA und NATO jetzt. Der neue Machthaber Zentralasien und Afghanistan heisst China.
  • Kommentar von Manuela Fitzi  (Mano)
    Ich sehe das nicht als Scheitern. Das Ziel der Mission war ja, im Land funktionierende Strukturen zu implementieren und erste Anzeichen von systemischer Handlung auf Staatsebene zu ermöglichen. Sie wollen das nicht. Also. Dann bleiben sie so, wie sie sind. Aber dann müssen sie nicht nach Europa kommen oder irgendwelche Woodoo-Flaggenverbrennungen veranstalten. Das Evil ist dann weg. Sie sind allein. Jetzt haben sie die Chance, zu zeigen, was sie können.
    1. Antwort von Karl Frank  (Europäer)
      dass Sie an diese Märchen des amerikanischen Imperialismus glauben? Grossteils der Welt nicht. Sicher nicht Asien.
  • Kommentar von Peter König  (Vignareale)
    Auch im Altertum konnte kein fremdes Volk die Afghanen zähmen und bezwingen.und das wird so
    Bleiben. Dann die Vermutung, Biden wolle die aus Afghanistan abgezogenen Truppen in der’Ukraine
    Zur « Sicherung «  des Friedens einsetzen, wäre die größte Verrücktheit des angefangenen Jahrhundert. Damit ist der Weltkrieg III gestartet, dank dem Grössemwahnsinn der Falken in USA alles auf dem Buckel vom EUROPA und RUSSLAND China muss dann auch eingreifen. Schon nur die Idee ist brandheiss