Elon Musk war einer der wichtigsten Unterstützer von Präsident Donald Trump. Als Regierungsberater stellte Musk die US-Verwaltung auf den Kopf. Dann gab es Unstimmigkeiten und Streit. Musk zog sich aus Washington zurück. Nun ist der reichste Mann der Welt in der hochkarätigen US-Delegation dabei, die nach China reiste. Wieso dem so ist, das erklärt Thomas Jäger, Professor für internationale Politik an der Universität Köln.
SRF 4 News: Warum ist Elon Musk wieder in der US-Delegation dabei?
Thomas Jäger: Weil er das Aushängeschild der amerikanischen Techbranche ist. Auch ganz andere Unternehmen wie Nvidia und Apple sind mit dabei. Das soll zeigen: ‹Wir kommen hier als Delegation aus den USA und wollen Geschäfte machen.› Und dabei haben sie eben nicht nur die Flugzeugbranche und die Lebensmittelbranche dabei, die auch alle mit in der Delegation hochrangig vertreten sind, sondern eben auch die Techbranche. Und das ist jener Bereich, in dem die Chinesen am liebsten mit den USA zusammenarbeiten würden.
Vor knapp einem Jahr haben sich Trump und Musk im Streit getrennt. Musk verschwand von der politischen Bühne. Was hat er seither gemacht?
Er ist seinen Geschäften nachgegangen und hatte immer Kontakt mit dem amerikanischen Staat und damit auch mit der Regierung. Richtig ist: Er ist nicht mehr so prominent aufgetreten wie in den Monaten zuvor. Musk hatte ja Trumps Wahlkampf gerettet. Er ist mit ihm im Wahlkampf auf die Bühne gegangen. Man hatte dann gesagt, Trump sei der Präsident von Musks Gnaden. Das kommt bei Trump überhaupt nicht gut an. Danach hat Musk in der ersten Phase das Entbürokratisierungsprogramm geleitet, das auch nicht wirklich gut endete.
Letztendlich überwogen die Interessen: Dass Trump mit Musk einen der grossen Unternehmer an seiner Seite weiss
Trump und Musk haben sich dann völlig zerstritten über die Frage, ob die Staatsschulden der USA von Bedeutung sind oder nicht. Musk sagte: Wir dürfen auf gar keinen Fall mehr Schulden machen. Trump aber sagte: Ich will Geld ausgeben, mir ist das alles egal. Als Musk drohte, eine eigene Partei zu gründen, da war wirklich der Faden gerissen. Aber wie das so ist: Die Interessen überwogen: Das Interesse von Trump mit Musk einen der grossen Unternehmer an seiner Seite zu wissen, wie auch das Geld und das Image, das Musk mitbringt. Musk wiederum hatte ein Interesse daran, dass seine Unternehmen nicht so stark reguliert werden und vor allem, dass er Milliarden vom Staat bekommt für seine Unternehmen.
Und wie kam es ganz konkret dazu, dass Musk nun doch zusammen mit Trump nach China reiste?
Der Streit ist sozusagen nur überdeckt. Das waren nie dicke Freunde, das sind ganz unterschiedliche Charaktere. Das konnte nicht gut gehen – zwei solche Personen in einem Raum, und keiner lässt dem anderen Luft zum Atmen.
Die Interessen, die Trump an Musk und Musk an Trump hat, die führen immer dazu, dass die zwei sich wieder verstehen
Aber das, was man in der Delegation sieht, ist das «who is who» der amerikanischen Wirtschaft. Da war klar, dass Musk mit dabei sein muss, sonst wäre das wiederum eine Brüskierung gewesen. Die Interessen, die Trump an Musk hat und jene Musks an Trump führen immer dazu, dass die zwei sich wieder verstehen – egal, wie gross das Zerwürfnis auch war.
Das Gespräch führte Nicole Roos.