Will Lewis, Herausgeber und Geschäftsführer der «Washington Post», tritt zurück. Dies, nachdem nur wenige Tage zuvor Massenentlassungen publik wurden. In einer kurzen Mitteilung an die Mitarbeitenden, aus der unter anderem der US-Sender CNN zitierte, bleibt Lewis vage und beschränkt sich auf den Manager-Duktus: Es seien schwierige Entscheidungen getroffen worden, um eine nachhaltige Zukunft der Zeitung zu sichern. Seine Aufgaben sollen mit sofortiger Wirkung von Jeff D’Onofrio übernommen werden, dem bisherigen Finanzchef des Unternehmens.
Am Mittwoch war bekanntgeworden, dass das fast 150 Jahre alte Traditionsblatt die Stellen von etwa einem Drittel der Belegschaft streicht. Betroffen von den Kürzungen sind sämtliche Bereiche des Unternehmens: Das Netz an Auslandkorrespondentinnen und -korrespondenten wurde zum Beispiel stark reduziert. Die Sportredaktion der Zeitung sowie das Podcast-Team und das Literaturressort wurden komplett aufgelöst.
Bei den Mitarbeitenden und in der Branche allgemein löste die Entlassungswelle verbreitet Empörung aus. Die Mitarbeitendenvertretung der «Washington Post» warf etwa die Frage auf, ob Eigentümer Bezos weiterhin in die publizistische Unabhängigkeit des Blattes investieren wolle.
Für Kritik sorgte ausserdem, dass Bezos, beziehungsweise sein Tech-Konzern Amazon, insgesamt rund 75 Millionen US-Dollar in den kürzlich erschienenen Dokumentarfilm zur First Lady, «Melania», investiert haben soll. Verschiedenen Medienberichten zufolge sei diese Investition kaum aus Interesse am Film erfolgt, sondern habe vielmehr dem Ziel gedient, Bezos’ Verhältnis zu Trump zu festigen. «Für diese Summe hätten zahlreiche Journalistengehälter bezahlt werden können», schreibt etwa die NZZ.
US-Medien unter Druck
Die Entlassungen bei der «Washington Post» sind Teil eines umfassenderen politischen und finanziellen Drucks auf US-Medien. Unter US-Präsident Donald Trump verändert sich die Medienlandschaft erheblich. So wurden beispielsweise Auslandsender wie «Voice of America» stark eingeschränkt und öffentliche Sender stehen massiv unter Druck. Trumps milliardenschwere Klagen gegen Medien wie die «New York Times» oder BBC verstärken diese Entwicklung. Die Streichung staatlicher Gelder durch den US‑Kongress verschärft die Situation weiter.