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Republikaner in Georgia in der Zwickmühle
Aus Echo der Zeit vom 05.01.2021.
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US-Senatswahl Aus Protest nicht wählen? Die Republikaner sind in der Zwickmühle

Normalerweise würden die Republikaner die Senatssitze in Georgia mühelos holen. Doch seit dem 3. November, als Biden überraschend der Sieg im Südstaat gelang, sind sie verunsichert.

Cartersville, ein Städtchen im Bartow County, eineinhalb Stunden nordwestlich von Atlanta. Die ländliche Gegend ist eine republikanische Hochburg. 75 Prozent haben hier am 3. November Donald Trump gewählt. Die meisten von ihnen sind bis heute überzeugt, dass diesem der Sieg gestohlen wurde.

Leute stehen Schlange
Legende: Wahllokal in Cartersville, Bartow County, Georgia. Die Ortschaft ist eine republikanische Hochburg. Matthias Kündig/SRF

Der 72-jährige Farmer Chuck Hopsted glaubt, der Wahlsieg von Joe Biden sei ungültig. «Die letzte Wahl ist nicht rechtmässig abgelaufen.» Dennoch will er seine Stimme abgeben für Kelly Loeffler und David Perdue, die beiden republikanischen Kandidaten. Falls es wieder Wahlbetrug gebe, werde das schon ans Tageslicht kommen, glaubt Chuck.

«Tonnenweise Beweise für Wahlbetrug»

Ähnlich sieht es die 55-jährige Krankenschwester Carol Hopkins, die ihre Stimme für die Republikaner bereits abgegeben hat. Carol ist überzeugt, dass es tonnenweise Beweise gebe für Wahlbetrug am 3. November. Und was ist mit den über 60 Klagen der Trump-Kampagne, die allesamt von Gerichten abgeschmettert wurden? Sogar die obersten Richterinnen und Richter am Supreme Court hätten die Beweise nicht ernst genommen und zu wenig genau hingeschaut, ist Carol überzeugt.

Gewählt hat sie trotzdem. Denn dem Land drohe Kommunismus, würden die Demokraten künftig auch den Senat kontrollieren. Das gelte es an der Urne zu verhindern. Nicht alle Republikaner seien derzeit so entschlossen wählen zu gehen wie Carol oder Chuck, sagt Marci McCarthy. Sie koordiniert unter anderem die republikanischen Wahlbeobachter in der Region.

Marci McCarthy
Legende: Marci McCarthy vom Vorstand der Republikaner in DeKalb County, Georgia. Matthias Kündig/SRF

Derzeit macht sich Marci Sorgen um die Wahlbeteiligung der republikanischen Wählerinnen und Wähler. «Viele bleiben heute wohl zu Hause, weil sie glaubten, es gebe wieder Wahlbetrug und republikanische Stimmen würden nicht gezählt.» Deshalb müsse sie immer wieder Überzeugungsarbeit leisten und die Menschen davon überzeugen, dass es bei der Nachwahl auf ihre Stimme ankomme.

Republikanischer Gouverneur anerkennt Bidens Sieg

Die republikanische Partei in Georgia sei seit der Präsidentschaftswahl zerrissen, stellt Marci fest. Auch für sie persönlich sei die Situation derzeit sehr zwiespältig: Denn der republikanische Gouverneur Brian Kemp und sein Staatsminister Brad Raffensberger – die Marci persönlich kennt – haben Joe Biden zum Sieger in Georgia ausgerufen. Donald Trump zieht aber seither öffentlich über die beiden her und fordert ihren Rücktritt.

Dasselbe tun auch die beiden Senatskandidaten, die eigentlich mit dem Gouverneur befreundet sind, aber die Trump-Fans nicht vergraulen wollen. Einerseits vertraue sie ihrem Gouverneur. Andererseits unterstütze sie Trump und sie finde es gut, dass dieser sich weigere, seine Niederlage einzugestehen. Denn es habe Betrug und Unregelmässigkeiten gegeben in Georgia, da ist sich Marci sicher: Sie müssten nun an der Urne zurückschlagen und der Partei die beiden Senatssitze und damit die Mehrheit im US-Senat sichern.

Aber dies den eigenen Leuten zu vermitteln, sei derzeit nicht einfach. Denn viele an der Basis seien in der Zwickmühle. Einerseits möchten viele aus Protest nicht wählen gehen. Aber wenn sie zu Hause blieben, dann unterstützten sie den Gegner. Und weil die Mobilisierung der eigenen Basis bei der heutigen Wahl entscheidend ist, könnten Trumps unbelegten Betrugsvorwürfe noch zum Bumerang werden für die republikanischen Partei.

Echo der Zeit, 5.1.2021, 18 Uhr

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10 Kommentare

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  • Kommentar von Ralph Geier  (ChiefGeronimo)
    Präsident Trump hat einen Trend wiederbelebt, der sowohl während dem Zweiten Weltkrieg, wie auch dem Kalten Krieg Hochkonjunktur hatte, nämlich "parallele Realitäten" zu erschaffen und diese dem Volk als absolute Wahrheit vorzusetzen. Der Mensch glaubt halt, was er glauben will...
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  • Kommentar von Jakob Meier  (Astronautovic77)
    "Denn dem Land drohe Kommunismus". Mir fehlen die Worte...
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    1. Antwort von Alex Volkart  (Lex18)
      Wenn die Demokratische Partei eine kommunistische Partei wäre, was Sie nicht ist, wäre dies sicher möglich.
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    2. Antwort von Roger Stahn  (jazz)
      In einem Interview (WeLT 29.12.2020) warnt der US-amerikanische Biologieprofessor Bret Weinstein vor der «Woke»-Bewegung, deren Methoden an den Bolschewismus erinnerten. Die Bewegung beschränke sich längst nicht mehr auf die Universitäten, sondern sei auch darüber hinaus in die Institutionen eingedrungen – und das mit einer Schnelligkeit, die ihn selbst «überrascht» habe. Ebenso der weltweit schleichende Einfluss der KP Chinas, wie neuste Berichte zeigen.
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  • Kommentar von Stefan Pfister  (Stefan Pfister)
    Ein traditionell republikanischer Staat wählt mehrheitlich den demokratischen Kandidaten, weil der republikanische Präsident zu extrem und/oder zu peinlich ist. Wenn nun die republikanischen Senatskandidaten öffentlich zum abgewählten Präsidenten stehen, könnte das ein Zeichen für einen weiteren Sieg der Demokraten sein. Es sei denn, der Schock der Konservativen über Bidens Sieg ist so gross, dass sie jetzt eine Mehrheit mobilisieren.
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    1. Antwort von Maciek Luczynski  (Steine)
      Georgia ist nicht traditionell republikanisch. Es ist ein Swing Staate.
      Seit 1940 hat Georgia 10x die Reps. und 10x die Dems. gewählt.
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